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Streit um einen neuen Kuhstall

Die Dresdner Vorgebirgs Agrar AG spricht von Innovation und besten Bedingungen für die Kühe. Einige Anwohner in Kreischa befürchten große Nachteile.

So idyllisch stellen sich die Planer den "Kuhgarten" in Kleincarsdorf bei Kreischa vor.
So idyllisch stellen sich die Planer den "Kuhgarten" in Kleincarsdorf bei Kreischa vor. © Dresdner Vorgebirgs Agrar AG

Ein neuer Kuhstall soll entstehen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches auf dem Land. Doch in Kleincarsdorf bei Kreischa regt sich Widerstand gegen die Pläne der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG. Das Landwirtschaftsunternehmen will eine Milchviehanlage bauen. In einer Bürgerversammlung erklärte der Vorstand seine Ideen und Pläne. Anwohner konnten Fragen stellen und Befürchtungen äußern. Sächsische.de erklärt, worum es eigentlich geht.

Was plant die Dresdner Vorgebirgs Agrar AG in Kleincarsdorf?

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Am Rand der Ortschaft will das Unternehmen einen Stall für 630 Milchkühe und etwa 150 Kälber bauen. Der Stall soll nach niederländischem Vorbild ein sogenannter Kuhgarten werden. Das Konzept wurde 2015 erstmals in Groenlo von einem Biobauern umgesetzt. Der Stall hat ein transparentes Dach, das etwa 80 Prozent des Tageslichtes durchlässt. Die Seiten sind größtenteils offen. Es gibt keine Liegeboxen, die Kühe können sich frei bewegen. 

Der Boden besteht aus einem weichen Kunststoff, der den Urin durchsickern lässt. Dort wird er aufgefangen. Ausmisten, Melken und Füttern übernehmen Roboter. Die Kühe gehen freiwillig und selbstständig zum Melken. Das alles wirke sich positiv auf die Tiere aus, sagt Lutz Müller, Vorstand der Dresdner Vorgebirgs Agrar AG. "Kühe, die sich wohlfühlen, sind gesünder und leben länger."

Der neue Stall soll auf einem Grundstück entstehen, das der Firma bereits gehört. Mehr als sechs Millionen Euro wird das Vorhaben kosten.

Was befürchten die Anwohner?

Gestank, Lärm, Umweltbelastung und Wertminderung ihrer Grundstücke. 630 Kühe und 150 Kälber machen eine Menge Dreck. Und der stinkt. Zudem werden zum Sammeln der Exkremente zwei Güllebehälter aufgestellt. Auch davon könnten Geruchsbelästigungen ausgehen, so die Befürchtungen. Die Milch der Kühe muss mit Lkws transportiert werden genauso wie das Futter und die Gülle. Die Dorfbewohner sehen deshalb ein erhöhtes Verkehrsaufkommen mit entsprechender Lärmbelastung auf sich zu kommen. 

Zudem fürchten sie eine Verschmutzung des Grundwassers durch erhöhte Nitratbelastung. Und so manchem geht es auch um den Wert seines Grundstückes, das in Nachbarschaft eines Kuhstalls dieser Größenordnung nicht mehr so gut verkäuflich sein könnte, jedenfalls nicht zum gewünschten Erlös.

Welche Argumente hält das Unternehmen dagegen?

Da der Urin versickert und aufgefangen wird und die Kuhfladen regelmäßig weggeräumt werden, sei die Geruchsbelästigung an sich schon gering. Die Güllebehälter entsprechen den gesetzlichen Normen. Zudem hat das Planungsbüro SHN aus Chemnitz Wettergutachten anfertigen lassen. Diese waren Grundlage zur Berechnung der Geruchsemmissionen, mit denen das Dorf belastet werden könnte. Denny Jonies, Geschäftsführer der SHN GmbH, stellte die Ergebnisse vor. Danach liege die Belastung der Anwohner deutlich unter den zulässigen Grenzwerten. Die Windrichtung führe in der Regel von der Bebauung weg. 

Auch der Lärm durch an- und abfahrende Lkws halte sich sehr in Grenzen. "Wir gehen in unseren Gutachten immer von den extremsten Fällen aus", sagt Jonies. Hier habe man mit 38 Lkw-Fahrten pro Tag gerechnet. "Selbst dann läge die Lärmbelastung unter den gesetzlichen Grenzwerten." Realistisch seien im laufenden Betrieb allerdings nur etwa ein Drittel der Fahrten zu erwarten, also etwa 13 pro Tag.

Auf dieser Fläche am Ortsrand von Kleincarsdorf soll der Stall samt großer Weide entstehen.
Auf dieser Fläche am Ortsrand von Kleincarsdorf soll der Stall samt großer Weide entstehen. © SZ-Grafik: Sylvia Tietze

Warum soll der Kuhstall in Kleincarsdorf entstehen?

Die Dresdner Vorgebirgs Agrar AG habe mehrere infrage kommende Standorte prüfen lassen, sagt Vorstand Lutz Müller. Überall habe es Restriktionen oder zumindest Einschränkungen gegeben. Auch der Standort in Kleincarsdorf berge ein paar Probleme, sei aber mit Abstand der für alle Beteiligten beste.

Das Unternehmen will mit dem neuen Stall die bestehende Viehhaltung modernisieren. Zurzeit stehen in Obernaundorf und Lübau insgesamt 730 Kühe und Kälber. Die Anlagen dort seien nicht entsprechend umzubauen, heißt es. Deshalb sollen die Tiere, wenn der Neubau abgeschlossen ist, nach Kleincarsdorf umziehen. 2021 könnte es nach den Planungen so weit sein.

Wie geht der Prozess jetzt weiter?

Das Landratsamt muss die Pläne begutachten. Es gibt Hinweise und stellt Nachforderungen. Werden diese nicht erfüllt, kann es den Bau ablehnen. Hält sich die Agrar AG jedoch an alle gesetzlichen Vorgaben, muss das Landratsamt die Milchviehanlage genehmigen. Das sagte Heiko Weigel, Baubeigeordneter der Behörde. "Die Agrar AG hat sehr professionelle Unterlagen eingereicht", sagt Weigel. Er sehe bisher keinen Grund, das Vorhaben nicht zu genehmigen.

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Einen Knackpunkt gibt es aber. Die geplante Zufahrt von der S36 muss möglicherweise noch einmal überarbeitet werden. Das Unternehmen selbst sicherte den Anwohnern zu, dass es keine reguläre Zufahrt durchs Dorf geben werde. "Die Anbindung erfolgt von der S36 aus", sagt Denny Jonies. Einen Plan B gebe es nicht. Heißt im Umkehrschluss: Sollte die Zufahrt nicht genehmigt werden, könnte der ganze Plan für den Kuhstall doch noch einmal kippen.

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