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Knappe Entscheidung im Kuhstall-Streit

Bei Kleincarsdorf soll eine Milchviehanlage entstehen. Doch zuvor muss die Gemeinde tief in die eigene Tasche greifen - sehr zum Ärger einiger Räte.

Der klassische Kuhstall wie hier soll ausgedient haben - in Kleincarsdorf ist eine moderne Variante geplant.
Der klassische Kuhstall wie hier soll ausgedient haben - in Kleincarsdorf ist eine moderne Variante geplant. © Andreas Weihs

Das Projekt Kuhgarten Kleincarsdorf hängt der Gemeinde Kreischa weiter wie ein Klotz am Bein. Waren es Ende vergangenen Jahres zunächst die Bürger, die gegen das Vorhaben protestierten, wird das Ganze nun auch zur finanziellen Last für die Gemeinde. In Zahlen ausgedrückt: Kreischa muss für Planungsleistungen 120.000 Euro ausgeben. 

Dabei haben zumindest die Kleincarsdorfer gar kein Interesse an dem Stall. Das haben sie immer wieder deutlich gemacht, seit im vergangenen Herbst die Baupläne bekannt wurden. Der Kuhstall-Bau ist ein Vorhaben der Vorgebirgs Agrar AG aus Possendorf. Die betreibt in großem Umfang Milchviehhaltung und Pflanzenanbau in der Region. Ein Stall des Unternehmens, die Anlage im Rabenauer Ortsteil Obernaundorf, ist aber so verschlissen, dass er aufgegeben werden soll. Dafür soll am Rand von Kleincarsdorf ein neuer Stall entstehen - größer, heller, moderner. Die Rede ist von einem "Stall der Zukunft".

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Vorstellen soll man sich darunter eine weitläufige Anlage mit viel Bewegungsfreiheit für die Tiere und viel Grün auch im Inneren. Auf Visualisierungen ist eine Art Wintergarten für die Kühe zu sehen. Das Unternehmen wirbt auf seiner Homepage mit "weideähnlichen Bodenbedingungen, Verbesserung des Stallklimas durch Bepflanzungsinseln sowie bequemen, kuhgerechten Liegeflächen". 

Die Kleincarsdorfer sehen das Bauvorhaben, welches gut 9,5 Hektar in Beschlag nehmen soll - das entspricht einer Fläche von 13 Fußballfeldern, deutlich kritischer. Sie befürchten, dass die Bewirtschaftung von 630 Kühen und etwa 150 Kälbern täglich Gestank und Lärm nach sich ziehen. Um zumindest die Rahmenbedingungen für die Anlage und deren Umfeld festlegen zu können, beschloss der Gemeinderat im Januar 2020, einen Bebauungsplan aufzustellen. Dafür sollten in der Ratssitzung Mitte Juli die Planungsleistungen inklusive Umweltbericht, Geruchs- und Schallprognosen vergeben werden. Allerdings waren sich die Räte damals uneins. 

Und auch in der Sitzung am vergangenen Montagabend, zu der zahlreiche Kleincarsdorfer als Zuschauer erschienen waren, gab es einen Disput. Die AfD-Fraktion um Frank Fiebiger kritisierte die Kosten für die Planung. "Erst ging es um 10.000 bis 15.000 Euro, jetzt soll das 120.000 Euro kosten!", monierte er und deutete an, dass seine Fraktion das nicht mitmache. Fiebiger forderte, weitere Angebote einzuholen. Bürgermeister Frank Schöning (Freie Bürgervertretung Kreischa) hielt dagegen, dass es da auch für andere Büros nicht viel Spielräume gebe, weil sich die Kosten unter anderem nach der Plangebietsgröße richte. Die drei vorliegenden Angebote unterschieden sich gerade einmal um 7.800 Euro. Und im Rathaus selbst könne man diese Leistung nicht erbringen.

Gemeinderat Andreas Wohlfahrt gab der AfD teilweise recht: "Ja, das ist viel Geld, mit dem wir auch gerne etwas anderes gemacht hätten. Aber nun ist uns die Sache vor die Füße gefallen und wir müssen das durchziehen." Mit dem Bebauungsplan hätte man als Gemeinde immerhin die Chance, in den Prozess einzugreifen und die Bürger zu beteiligen. Jens Rühle (CDU) forderte schließlich: "Wir können das Thema nicht weiter vor uns herschieben, sondern müssen endlich in die Gänge kommen."  

Die Entscheidung fiel dennoch denkbar knapp aus. Mit acht Ja-Stimmen bei sechs Enthaltungen stimmte der Gemeinderat dafür, den Auftrag dem Planungsbüro seecon Ingenieure aus Leipzig zu vergeben. Die Ingenieure werden nun einen Entwurf erarbeiten, der öffentlich ausgelegt wird. Dann haben alle Betroffenen die Chance, ihre Meinungen, Vorbehalte, Widersprüche und Anregungen zu äußern.  

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