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Kulturwerk kämpft ums Überleben

Im Internet kann eine Petition zum Erhalt des ART unterschrieben werden. Doch was bringt das überhaupt?

Von Robert Reuther

Die Stadt kennt kein Erbarmen. Auch im aktualisierten Haushaltskonsolidierungsplan bleiben die Streichungen bei der Kulturwerkstatt ART bestehen. Auf mehr als 200 000 Euro müssen Chef Dirk Haubold und dessen Mitstreiter demnach verzichten – was dem Aus des Kulturwerks gleichkommt. Doch mittlerweile regt sich Widerstand. „Wir haben schnell gemerkt, dass nach dem Bekanntwerden der Einsparpläne eine Welle des Entsetzens durch Riesas Jugend- und Kulturszene gegangen ist“, sagt Dirk Haubold. Dies führte auch dazu, dass Christoph Walther und Stephan Schramm von der bekannten Riesaer Band „Zärtlichkeiten mit Freunden“ eine Online-Petition für die Erhaltung der Kulturlandschaft Riesas ins Leben gerufen haben. Sie richtet sich an Stadtrat und Verwaltung.

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In knapp zwei Wochen hatten bis gestern Abend 1 652 Menschen unterzeichnet – 769 davon stammen aus Riesa. „Insgesamt haben 878 Personen online im Internet und 773 auf Papiersammelbögen unterschrieben.“ Dirk Haubold betont, dass die Aktion allein auf die beiden Komiker zurückgehe, er sie aber unterstützt. Zwar sind diese Arten der Petitionen in keiner Weise rechtlich bindend. Allerdings, so Dirk Haubold, richte sie sich ja an die Stadtverwaltung, die den Unterzeichnern letztlich auch antworten solle. „Darauf haben die Menschen durchaus einen Anspruch. Immerhin haben sich schon fast 800 Riesaer an der Petition beteilig“, sagt Haubold.

Er hofft natürlich auch, dass das Interesse der Öffentlichkeit am Kulturwerk auch eine Auswirkung auf den 9. Dezember hat. Am kommenden Montag sitzt Haubold nochmals mit der Stadtverwaltung zusammen, um nach einer Lösung des Problems zu suchen. Auf dem Spiel stehen aus seiner Sicht fast zwei Jahrzehnte soziokultureller Arbeit in der Stadt. „Wir sind in gewisser Weise Nachfolger des Stadtjugendreferats, haben Jugendeinrichtungen für die Stadt übernommen. Das haben wir sicherlich nicht so verkehrt gemacht“, sagt Haubold. Heute betreibt das Kulturwerk Riesa die Wechselbühne, ein Mehrgenerationenhaus, die Kulturwerkstatt ART, das Offene Jugendhaus und den Offenen Bücherschrank. „Warum die Stadt nun diesen erfolgreichen Weg verlassen will, verstehe ich nicht“, sagt Haubold. Und: Er wolle sich Einsparungen ja nicht verschließen. „Aber wenn innerhalb von zwei Monaten alle Zuschüsse und Zusagen auf Null gesetzt werden, dann kann ich damit nicht leben.“

Zwar gibt er sich durchaus selbstkritisch – mit der Auslastung mancher Kurse und den Besucherzahlen von Veranstaltungen könne er nicht zufrieden sein. Aber das Angebot, das ohne das ART weg brechen würde, wäre in der Stadt kaum zu kompensieren. „Gegen den demografischen Wandel muss man etwas mit gezielten Angeboten tun. Menschen werden nicht nur durch Arbeits- und Kitaplätze in eine Stadt gelockt“, so Dirk Haubold.

„Ich habe Angst vor der Verödung“

Er schlägt vor, dass sich alle wichtigen Menschen der Stadt zusammensetzen, um einen neuen Weg für Riesa zu finden – eine Vision, wie die Stadt 2025 einmal aussehen könnte. „Ich habe Angst vor der Verödung des ländlichen Raums. Da muss die Kultur etwas dagegen machen. In diesem Zusammenhang muss deutlich werden, wo wir als Stadt hinwollen. Statt nur zu reagieren, muss man dann auch mal agieren.“

Ob es zu dieser Stadtentwicklung kommt, ist allerdings offen. Und auch, ob Haubold sie noch miterleben wird. Nach der Aktion um das Auftrittsverbot der linken Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ beim diesjährigen Stadtfest komme es Dirk Haubold manchmal vor, als ob er für sein Unverständnis für die Ausladung nun bluten müsse. Die Band durfte nicht auftreten, weil sie im Verfassungsschutzbericht vorkommt. Dabei sei es doch die Aufgabe einer soziokulturellen Einrichtung, sich einzumischen und den Finger in die Wunde zu legen, sagt Haubold.

Diese Meinung sieht er unter anderem auch durch die vielen Unterzeichner der Online-Petition bestätigt. Dies hat dem Kulturwerk noch einmal Auftrieb verschafft. „Aufgrund der zahlreichen Aktivitäten und Unterstützungen setzen wir nun auf das Prinzip Hoffnung. Zum einen nehmen wir aktiv an der vom Gröditzer Peter Jorcke angemeldeten Kundgebung – vor der nächsten Stadtratssitzung am 11. Dezember – teil, zum anderen veranstalten wir am 10. Dezember selbst einen öffentlichen Bürgerdiskurs“, so Haubold.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Nachgedacht“ lädt das Kulturwerk am kommenden Dienstag zum Gespräch ein. Die Veranstaltung wird unter dem Motto „Geld weg! – Zukunft weg? Auf der Suche nach neuen Wegen. Kultur als Standortfaktor für Riesas Zukunft“ stehen. Einzig der Veranstaltungsort steht noch nicht fest. Eigentlich sollte die Podiumsdiskussion im Klostersaal stattfinden. Der seit aber seit gestern anderweitig besetzt.

Die Petition erreichen Sie auch über unsere Facebook-Seite www.facebook.de/RiesaSZ