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Freital

Kunstgenuss mit Masken

Schloss Burgk in Freital darf wieder öffnen – und verlängert die Ausstellung mit Grafiken von Max Klinger.

Direktor Rolf Günther und Besucherin Annette Saby aus Dresden mit Mund-Nasen-Schutz und gehörigem Abstand zueinander in der Max-Klinger-Ausstellung.
Direktor Rolf Günther und Besucherin Annette Saby aus Dresden mit Mund-Nasen-Schutz und gehörigem Abstand zueinander in der Max-Klinger-Ausstellung. © Thomas Morgenroth

Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler war einer der ersten Gäste, die am vergangenen Donnerstag in das nach behördlich verfügter Zwangspause wiedereröffnete Schloss Burgk in Freital kamen. Der CDU-Politiker hatte im neuesten Buch des Schriftstellers Uwe Tellkamp von Rolf Günther, dem Direktor der Städtischen Sammlungen Freital, gelesen, und etwas zu den Kunstschätzen erfahren. Davon angeregt, wollte er sich nun selbst im schönsten Anwesen der Stadt umsehen.

In seinem Essay „Das Atelier“, erschienen in der Edition Buchhaus Loschwitz, trifft Tellkamp einige Künstler, zum Beispiel Hubertus Giebe, der allerdings nicht unter seinem richtigen Namen auftaucht, sondern Thomas Vogelstrom genannt wird. Giebe-Vogelstrom jedenfalls nimmt Tellkamp zu Rolf Günther mit, der auch im Buch so heißt. Es ist kein fiktives Treffen: Tellkamp und Giebe waren 2016 Laudatoren bei der Festveranstaltung zum 25. Geburtstag der Städtischen Kunstsammlung.

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Werbung durch Buch von Tellkamp

Einiges aus diesen Reden findet sich in Tellkamps Büchlein wieder. Das weckte das Interesse von Matthias Rößler. „Eine bessere Werbung können wir kaum bekommen“, sagt Günther. Er freute sich nicht nur über den Staatsbesuch, sondern auch, dass er Rößler durch die Sonderausstellung mit 70 Arbeiten von Max Klinger führen durfte – mit Mund-Nasen-Schutz und gehörigem Abstand zueinander.

„Ich hatte schon nicht mehr daran geglaubt, dass sie überhaupt noch einer ansehen darf“, sagt Rolf Günther, der bislang nur eine virtuelle Führung im Internet anbieten konnte. Die für den 22. März geplante Eröffnung der Schau, die sieben der vierzehn grafischen Zyklen des Leipziger Künstlers zeigt, fiel den Beschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie zum Opfer. Am 10. Mai sollte die Ausstellung wieder schließen – nur bis dahin lief der ursprüngliche Vertrag mit den Leihgebern, insbesondere der Kölner Letter-Stiftung.

Ganze drei Tage also wären noch geblieben, um Kunstinteressierten die Schau anlässlich Klingers 100. Todestag im Original zeigen zu können. „Das wäre sehr schade gewesen, so viele von Klingers Zyklen waren noch nie in einer Ausstellung zusammengefasst“, sagt Günther. Und fand bei den Leihgebern Verständnis: „Wir dürfen den Klinger nun noch bis Pfingstmontag zeigen.“ Dafür, sagt Günther, soll die Eröffnung der Querner-Ausstellung um eine Woche verschoben werden.

Schau drei Wochen verlängert

Knapp drei Wochen lang sind nun noch die Radierungen, Stiche und Lithographien von Max Klinger (1857-1920) zu sehen. Seine Zyklen, entstanden zwischen 1879 und 1915, die er wie in der Musik mit Opus-Zahlen versah, gehören nach Günthers Ansicht zum Besten, was im Bereich der Künstlergrafik in Deutschland geschaffen wurde. Der Bildhauer, Maler und Grafiker Klinger, ein Spätromantiker und Wegbereiter des deutschen Symbolismus, arbeitete sich in Serien von mitunter zwei Dutzend Blättern an unterschiedlichen Themen ab.

Klinger ließ sich von der christlichen und heidnischen Mythologie genauso anregen wie von Philosophen wie Nietzsche oder Musikern wie Beethoven und Wagner. Die Inspiration für seinen Opus VIII „Ein Leben“ von 1884 fand er in dem Roman „Albertine“ seines norwegischen Schriftstellerfreundes Christian Krohg. In seinem Arnold Böcklin gewidmeten Opus X „Eine Liebe“, 1887, erzählt er in immer bedrückender werdenden Bildern die Geschichte einer „Frau in Schande“, die an den Moralvorstellungen zugrunde geht.

Die Auseinandersetzung mit dem Tod spielt in Klingers Zyklen eine wichtige Rolle, zwei, „Vom Tode I und II“, sind ihm gewidmet. Auch im Opus IX wird gestorben, hier macht Klinger reale Konflikte des Großstadtlebens der Gründerzeit zum Gegenstand seiner Grafiken. In Opus VI indes, überschrieben mit „Der Handschuh“, trifft Klinger auf eine schöne Brasilianerin, die auf der hochmodernen Rollschuhbahn in Berlin-Hasenheide einen Handschuh verliert. Rund um diesen Fetisch entwickelt sich eine traumhafte Geschichte in der der Künstler Seelenzustände, Wünsche und Ängste eines Liebenden schildert. Und dabei schon beinahe pornografisch wird.

Mit der Klinger-Ausstellung „setzen die Städtischen Sammlungen Maßstäbe“, schrieb Matthias Rößler ins Gästebuch. Dem ist unbedingt beizupflichten.

Ausstellung Max Klinger „Die grafischen Zyklen“, verlängert bis 1. Juni, Schloss Burgk in Freital, geöffnet Dienstag bis Freitag von 12 bis 16 Uhr, Sonnabend, Sonntag und an Feieragen von 10 bis 17 Uhr.

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