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Länger Licht für weniger Geld

Großharthau nutzt neue Technik zum Stromsparen. Andere haben es nicht so eilig – obwohl die Energiepreise weiter steigen.

© Thorsten Eckert

Von Ingolf Reinsch und Carolin Menz

Die Zeiten, in denen Spätheimkehrer nachts auf stockfinsteren Straßen und Wegen sehen müssen, wie sie klar kommen, sind für die Bewohner Großharthaus und der Ortsteile Bühlau, Schmiedefeld und Seeligstadt vorbei. Denn seit ein paar Wochen werden in der Gemeinde nachts die Straßenlaternen nicht mehr abgeschaltet. Gedimmt auf eine Leistung um bis zu maximal 67 Prozent, geben die Leuchten noch ausreichend Licht. Und die Gemeinde spart dabei. Um 8 000 Euro könnte sie die jährliche Stromrechnung drücken, erwartet Bürgermeister Jens Krauße (SPD). Möglich ist das durch die Stromspar-Technologie Dimmlight.

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Trotz dieser Vorteile reagieren die meisten Kommunen zurückhaltend auf die neue Technik. Im Raum Bischofswerda sind die Großharthauer die Einzigen, die sie bisher anwenden. Die Stadt Bischofswerda und die anderen Umlandgemeinden nutzen weiterhin vorrangig die herkömmlichen Technologien. In fünf von sieben Kommunen, die auf eine SZ-Umfrage antworteten, wird nachts die Straßenbeleuchtung abgeschaltet – in Bischofswerda und Frankenthal teilweise, in Burkau, Neukirch und Rammenau ganz. Nur Schmölln-Putzkau lässt auch mit der herkömmlichen Technik das Straßenlicht in allen Ortsteilen die ganze Nacht brennen.

Die gängigen Stromlampen der renommierten Hersteller Philipps oder Osram sparen zwischen maximal 15 und 20 Prozent, sagt Bernhard Dombrowski, Vertriebsleiter der Firma KD Elektroniksysteme, die Dimmlight entwickelt hat. „Doch viele Kommunen glauben uns vergleichsweise kleinem mittelständischem Unternehmen schlichtweg nicht, dass sie mit Dimmlight bis zu 67 Prozent Stromverbrauch und Energiekosten senken können. Und das, obwohl nachts die Laternen brennen“, so Bernhard Dombrowski. Zum Einsatz komme Dimmlight daher vor allem im Osten. In Ostsachsen war die Gemeinde Lohsa Vorreiter, dann folgte Großharthau. Und die Stromspartechnologie spricht sich weiter herum: Auch Ottendorf-Okrilla nutzt es jetzt teilweise.

Andere Städte und Gemeinden sind in dieser Frage noch lange nicht so weit, obwohl die Strompreise seit Jahren nur eine Richtung kennen – die nach oben. Die Gemeinde Neukirch hatte vor drei, vier Jahren Informationen über stromsparende Beleuchtungsalternativen eingeholt, die Entscheidung aber „aufgrund anderer drängender Aufgaben“ verschoben, sagt Bürgermeister Gottfried Krause (CDU). Die Frage ist zwar heute noch aktueller – gegenüber 2012 zahlte Neukirch im vergangenen Jahr 5 000 Euro mehr fürs Straßenlicht. Doch eine Entscheidung macht der Bürgermeister von „der Finanzierung, dem Konzept und der Planung“ abhängig. „Die Investition muss den Möglichkeiten unserer Gemeinde entsprechen“, sagt Gottfried Krause.

Die Gemeinde Schmölln-Putzkau will dieses und nächstes Jahr nutzen, die Straßenbeleuchtung zu dokumentieren. Auf dieser Grundlage will sie eine Konzeption erarbeiten, um künftige Investitionen zu planen. Dabei gibt es in der Gemeinde eine Besonderheit: Zwei Drittel der Beleuchtungspunkte befinden sich an Strommasten der Enso. Der Stromversorger müsse bei Änderungen zustimmen, sagt Bürgermeister Steffen Schmidt (parteilos).

Bischofswerda reduzierte im Jahr 2000 das Straßenlicht, um Kosten zu sparen. Zwischen 23 und 4.45 Uhr brennen im Stadtgebiet nur 432 der 1 212 Laternen. In den Ortsteilen werden die 206 Leuchten in der Woche ebenfalls in dieser Zeit abgeschaltet. Nur in der Nacht zum Sonntag bleiben sie an. Die Abschaltungen sind kein Problem im Sommer. Dafür umso mehr in den dunklen Jahreszeiten.

Dimmlight wie in Großharthau könnte auch für Bischofswerda eine Lösung sein. Die Stadt plant noch in diesem Jahr einen Versuch, sagt Bauamtsmitarbeiterin Silke Michel. So soll an einem von insgesamt 27 Schaltkästen für mehrere Straßen Dimmlight getestet werden. Gespräche mit der Firma laufen. Zugleich ließ die Stadt im neuen Wohngebiet am Paul-Kegel-Weg erstmals LED-Technik installieren. Dort, wo auf Straßen alte Lampen ausgetauscht werden müssen, sollen sie künftig ebenfalls durch LED-Licht ersetzt werden. Zunächst als Test, auch weil die Helligkeit gewöhnungsbedürftig ist. Doch später müsste sich die Stadt entscheiden. Es geht nur eins von beiden: Dimmlight oder LED.