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Landleben mit freiem Blick

In Arnsdorf-Hilbersdorf hat Familie Kraunus aus Görlitz seit 2002 ihr Zuhause. Das war so gar nicht geplant.

Von Anja Hecking

Seit wenigen Tagen sind Haus und Grundstück an der Hilbersdorfer Straße 139 nun auch liebevoll für den Advent geschmückt. Auf den letzten Pfiff – wie immer. Aber für Kerstin Kraunus ist der Jahresendspurt alle Jahre wieder eine besonders intensive Zeit. Zusätzlich zu ihrem Schreibwarenladen auf dem Obermarkt in Görlitz ist die Geschäftsfrau dann auch auf dem Christkindelmarkt präsent oder unterwegs zu Schulklassen und anderen Kindergruppen, mit denen sie bastelt.

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Die tägliche Fahrerei zwischen Dorf und Stadt stört sie aber nicht. „Ich bin ja in einer Viertelstunde da“, sagt sie. Meistens klappe das auch mit dem Winterdienst auf den ländlichen Straßen ohne große Probleme. Erst ab der Stadtgrenze von Görlitz sehe es damit hin und wieder anders aus. Aufs Land zu ziehen, das hatte die 52-Jährige aber gar nicht vor, als ihre Familie vor über zehn Jahren nach einem Ort für ein eigenes Zuhause suchte. Selbst in Biesnitz war damals nichts Passendes zu finden. „Wir haben uns viele Grundstücke und Häuser angesehen, bis wir schließlich das Angebot in Hilbersdorf gefunden haben.“

Die Besitzer des Hauses waren damals zu ihren Kindern gezogen. Es war alles bezugsfertig. Die Lage gefiel Kerstin Kraunus sehr. Da ist dieser unverbaute Blick auf die nahen Wälder. Selbst die Nähe zur Straße spielt keine negative Rolle, denn auf der Ortsdurchfahrt herrscht kein Dauerandrang. Die meisten Grundstücke liegen so, dass sich die Nachbarn zwar gegenseitig im Blick haben, aber sich dabei nicht gleich auf den Teller schauen. Den Kindern hatte es damals auf Anhieb das große Grundstück angetan. Hier war Platz zum Spielen und Toben und vor allem auch für den Golden Retriever Aldo, der schon bald mit zur Familie gehörte.

Inzwischen sind Jenny und Dennis erwachsen. Sie stecken noch mitten in Schule oder Ausbildung. Aber auch sie kommen mit der Fahrerei klar, zumal es annehmbare Busverbindungen gibt und sich so manche Tour innerhalb der Familie gut organisieren lässt. Nur ganz ohne Auto, das geht eben nicht. Das ist aber auch der einzige Nachteil, der Kerstin Kraunus bei ihrem Landleben jetzt einfällt. Dafür schätzt sie die menschliche Nähe auf dem Dorf sehr. Man grüßt und hilft sich. Das hat sie selbst beim Hochwasser so erlebt, als ganz fremde Dorfbewohner mithalfen, das Wasser aus dem Haus zu schöpfen. „Das hätte es in der Stadt so wahrscheinlich nicht gegeben“, sagt sie.

Für das Leben auf dem Land muss man sich dennoch bewusst entscheiden, sagt Makler Rolf Domke aus Deutsch Paulsdorf. Über seine Firma vermarktet er auch mehrere Immobilien rund um Görlitz. Häuser auf dem Land lassen sich seiner Einschätzung nach dann gut verkaufen, wenn die Verkehrsanbindung der Dörfer stimmt. Die Autobahn sei auf jeden Fall ein Pluspunkt für Arnsdorf-Hilbersdorf. Bisher hat er zwar mit einigen Käufern aus der Stadt die Erfahrung gemacht, dass sie anfangs befürchten, die Abgeschiedenheit könnte ihnen einmal zum Nachteil werden. Meistens bestätige sich diese Sorge dann aber nicht. Für lange Weile in Arnsdorf-Hilbersdorf sieht auch Kerstin Kraunus keinen Grund. Mit Haus und Garten gibt es immer etwas zu tun. Im Ort finden Veranstaltungen auf dem Pfarrhof samt Landkino statt, und man kann bei der Feuerwehr, in Vereinen und Sportgruppen mitmachen.