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Wie der Turm auf die Lausche kommt

60 Tonnen Stahl müssen auf den Gipfel: Das schaffen nur ein Hubschrauber und höchste Präzision. Wir haben Bilder und ein Video vom spektakulären Einsatz.

Ein besonderer Tag für Waltersdorf, das Zittauer Gebirge und die ganze Oberlausitz: Am Mittwoch hat ein Hubschrauber die Teile für die neue Aussichtsplattform auf den Lausche-Gipfel gebracht.
Ein besonderer Tag für Waltersdorf, das Zittauer Gebirge und die ganze Oberlausitz: Am Mittwoch hat ein Hubschrauber die Teile für die neue Aussichtsplattform auf den Lausche-Gipfel gebracht. © Matthias Weber/photoweber.de

Robin Hirsch braucht die volle Konzentration. Es läuft gerade wie am Schnürchen - und das bedeutet: Ihm bleibt kaum Zeit zum Luftholen. Keine fünf Minuten braucht der blau-gelbe Eurocopter AS 350, liebevoll "das Eichhörnchen" genannt, für eine Einsatz-Runde. Kaum hat Hirsch sich den Schweiß von der Stirn gewischt, ist der Hubschrauber auch schon wieder im Anflug.

Robin Hirsch ist hier oben auf dem Lausche-Gipfel der Mann mit dem Lageplan. Er muss den Piloten einweisen und die Ladung, die am Hubschrauber hängt, auf den ihr bestimmten Platz hieven. Das ist ausgeklügelt bis zur letzten Schraube. "Wenn die Ordnung durcheinander gerät, dann gibt es bei der Montage Schwierigkeiten", sagt der 43-Jährige. Er weiß, wovon er hier redet.

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Robin Hirsch gehört zu den Männern, die auf der Lausche an einem Jahrhundertbauwerk arbeiten. "Das ist mir so richtig bewusst geworden, als wir heute früh um sieben hier hoch gestiegen sind", sagt er. Auf dem höchsten Berg des Zittauer Gebirges wird eine Aussichtplattform gebaut. Und Robin Hirsch, Monteur bei der Zittauer Stahlbaufirma Kratzer, wird sie mitbauen. "Wenn ich das mal später meinen Enkeln erzähle", schwärmt der Waltersdorfer: "Den Aussichtsturm hier hat der Opa gebaut." Noch dazu auf unserem Hausberg!

Aber dafür müssen die 60 Tonnen Stahlteile, die in den Metallbaufirmen Kratzer in Zittau und Pratsch in Großschönau gefertigt worden sind, erst einmal hier hinauf. Und wie schon beim Transport des Betons für das Fundament geht das nur aus der Luft. Und deswegen sind an diesem Mittwoch wieder die Spezialisten von der Deutschen Helikopter aus Baden-Württemberg da: Einsatzleiter Christian Mertens und sein fünfköpfiges Transporthubschrauber-Team. 

Mertens weist den Hubschrauber am Boden ein. Der 30-Jährige steht unten im Blütenstaub. Auf einem Weg durch ein Rapsfeld im Ortsteil Herrenwalde sind die Bauteile aufgereiht, säuberlich nummeriert und nach einem System geordnet, das er nicht versteht. Muss er auch nicht. Die Reihenfolge, welche Teile bei welchem Flug dran sind, ist Sache der Metallbauer. Nach ihrer Liste wird der Helikopter bestückt.

Projektleiter Mertens kann genau einschätzen, wie viel Ladung dem Eichhörnchen zuzumuten ist. "300, maximal 900 Kilo pro Flug", sagt er. 30 Tonnen Einzelteile sind es, dazu noch mal 30 Tonnen Stahlträger, die wegen ihrer Länge alle einzeln auf den Gipfel geflogen werden müssen. 120 Einsätze werden das mindestens.

Für Christian Mertens und seine Leute ist das an diesem Tag Routine. "Das Wetter ist ideal", sagt er. Keine Wolken, kein Wind - besser könne es nicht laufen. "Das hat vor anderthalb Jahren, als wir den Beton für das Fundament geflogen haben, ganz anders ausgesehen." Es sei auch schwieriger gewesen, weil der Beton direkt ins Fundament gekippt werden musste. "Da musste der Pilot extrem genau anfliegen." 

Diesmal kann Christian Mertens zwischendurch sogar die Landschaft genießen. "Herrlich ist das hier", sagt er, "wunderschön, um entspannt und geerdet Urlaub zu machen." Aber schon ist der Hubschrauber wieder da. Keine fünf Minuten dauert ein Flug zum Gipfel und zurück. Da müssen sich die Männer sputen - unten wie oben. Und Mertens muss auch noch darauf achten, dass ihm die vielen Zuschauer nicht zu nahe kommen.

Ein Spektakel für viele Schaulustige

Denn der Hubschraubereinsatz für den Turmbau auf der Lausche ist an diesem Mittwoch auch ein großes Spektakel für viele Schaulustige. Zu Dutzenden sind sie nach Waltersdorf gekommen, um es ganz aus der Nähe mitzuerleben. Auch Paul Philipp Linke aus Großschönau ist mit seinen Eltern da. 

Der Elfjährige kennt den Weg auf die Lausche aus dem Effeff. Er ist nämlich Mountainbiker beim TSV Großschönau, erzählt er stolz, und den Gipfel schafft er locker mit dem Rad. Dass da jetzt eine Aussichtsplattform gebaut wird, finden nicht nur er und seine Eltern großartig.

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