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Lehrer drücken in Polen die Schulbank

Otto-Nagel-Straße. Noch kann man in Bautzen an keiner Schule Polnisch lernen. Doch das soll sich schon bald ändern.

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Von Anna Malinowska

Fast 1 200 Kinder und Jugendliche lernten im vergangenen Schuljahr an Sachsens Schulen Polnisch. Doch in Bautzen wird die Sprache des Nachbars bisher an keiner Schule angeboten. Damit sich das ändert, bietet das Regionalschulamt verschiedene Fortbildungsmöglichkeiten an. So lernen derzeit auch drei Bautzener Lehrer intensiv die polnische Sprache. Vor kurzem kehrten sie von einem dreiwöchigen Kurs in Wroclaw zurück. Täglich sechs Stunden wurden sie dort von den Professoren der Schule für polnische Sprache und Kultur der Universität Wroclaw betreut. Die Projektleiterin beim Regionalschulamt Bautzen, Kinga Hartmann, hofft, dass damit ein Grundstein für den Polnisch-Unterricht in Bautzen gelegt ist. So könnten die Kursteilnehmer vielleicht schon ab dem Schuljahr 2007/2008 Polnisch-Arbeitsgemeinschaften anbieten.

Görlitz könnte Vorbild sein

Ein Appell des Regionalschulamts geht aber auch an die Eltern. Zu oft werde die EU-Erweiterung noch als Gefahr, nicht als Chance für die Region gesehen, sagt Kinga Hartmann. Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sei in jedem Fall die bessere Kenntnis der Nachbarsprachen. „Vorbild könnte Görlitz sein, dort wird Polnisch bereits durchgehend von der Grundschule bis zum Gymnasium sowie an den Mittel- und Berufsschulen angeboten“, erläutert die Projektleiterin.

Wilfried Müller, Englisch- und Deutschlehrer am Schiller-Gymnasium, ist einer der drei Bautzener Lehrer, die drei Wochen lang in Wroclaw Polnisch gelernt haben. Mit dem Kurs ist er rundum zufrieden. „Die polnischen Professoren waren sehr freundlich und kompetent“, sagt der Bautzener. Neben dem Unterricht gab es auch Vorlesungen zur Geschichte und zur politischen Situation in Polen.

Am Wochenende standen zum Beispiel eine Stadtführung durch Wroclaw und eine Fahrt ins Glatzer Bergland auf dem Programm. Um das Land auch auf eigene Faust erkunden zu können, hatte Wilfried Müller sein Fahrrad dabei. „Die schönsten Strecken sind die Nebenstraßen, wo man Leute trifft, mit denen man redet oder auch ein Bier trinken geht“, berichtet er.

So hat er befreundete Lehrer aus der polnischen Partnerschule des Bautzener Gymnasiums besucht. Auch in Wroclaw fühlt sich Wilfried Müller wie zu Hause. Es ist schon länger her, als er dort am 13. Lyzeum ein Jahr lang Deutsch unterrichtete. Für den Bautzener Lehrer ist es eine Frage der Höflichkeit, als Gast ein paar Worte Polnisch zu können. Außerdem hat er persönliche Motive, die Sprache zu lernen: „Meine Mutter kommt aus Schlesien und ich bin sehr an der Geschichte der ehemaligen deutschen Ostgebiete interessiert. Die Jugend weiß zu wenig über die Vergangenheit. Genauso wenig wie über unsere Nachbarn in Polen und Tschechien“, sagt Wilfried Müller.

Nächster Kurs im Herbst

Neben dem Lehrer des Schillergymnasiums nehmen je eine Lehrerin der Sorbischen Mittelschule und des Sorbischen Gymnasiums in Bautzen an dem Polnisch-Projekt teil. Der nächste Sprachkurs findet in den Herbstferien statt – wieder in Wroclaw. Wilfried Müller hat sich schon fest vorgenommen, bis dahin jeden Tag eine Stunde im Selbstunterricht zu lernen.