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Lehrerin im Unruhestand

Inge Reumschüssel ist zwar schon seit drei Jahren in Rente. Doch die Schule lässt sie bis heute nicht los.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Im Garten ihrer Tochter Kathrin Neumann sitzt Inge Reumschüssel ganz gern. Erst 2009 zog das Blumengeschäft Trollblume an die Oststraße, wo ein paar Häuser weiter auch Inge und Werner Reumschüssel wohnen. Am 12. Juni war für Inge Reumschüssel immer ein besonderer Tag – zumindest zu DDR-Zeiten. Denn da war Lehrertag. Gern erinnert sich die sympathische Frau an diesen Tag und an ihre Schulen, ihre Arbeit, die Kollegen, die Schüler und die Eltern. „Ich habe eigentlich nie Probleme gehabt“, sagt Inge Reumschüssel. Denn mit ihrem obersten Prinzip, alle gleich zu behandeln und Gerechtigkeit für alle zu erreichen, hat sie nie hinterm Berg gehalten. Bis heute nicht. Denn obwohl Inge Reumschüssel mit 65 offiziell in Rente ging, lässt sie die Schule nicht los. Im Speziellen die Grundschule Großdubrau.

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Inge Reumschüssel stammt aus Crosta, jetzt wohnt sie mit ihrem Mann im Haus ihrer Eltern. Kennengelernt haben sich die beiden in Meißen, woher er stammt. „Ich war zwischen 1963 und 1966 in Radebeul zur Ausbildung“, sagt Inge Reumschüssel. Dort wurde sie Grundschullehrerin und Heimerzieherin. In Bautzen unterrichtete sie zwei Jahre an der heutigen Mättig-Schule, bevor sie nach Neschwitz kam. Und weil das Paar in Meißen keine Wohnung bekam, zog es in die Siedlung Wetro. Bis 1977 unterrichtete Inge Reumschüssel in Neschwitz bis zur fünften Klasse. Ihre Fächer waren Deutsch, Mathe, Sport und Werken. Als ihre Eltern es im Haus in Crosta nicht mehr allein geschafft haben, zogen Reumschüssels um, und Inge Reumschüssel begann, in Großdubrau zu arbeiten. Da waren die beiden Töchter Kathrin und Susann schon geboren. Susann lebt heute mit ihrer Familie in Bayern. Insgesamt haben Reumschüssels sechs Enkel zwischen 28 und zehn Jahren. Eine wird Lehrerin.

Die Veränderungen nach der Wende sind der freundlichen Frau nicht schwer gefallen. „Ich liebe doch meinen Beruf. Und wenn man sich mit allen gut versteht, fallen auch Neuerungen nicht schwer“, sagt Inge Reumschüssel. Als es die Möglichkeit gab, in Altersteilzeit zu gehen, hat sie den Antrag einen Tag vor Ferienbeginn zurückgezogen. Und auch, als 2011 wirklich die Rente kam, konnte sie nicht aufhören. Jeden Donnerstag ist sie an der Grundschule in Großdubrau. Vormittags gibt sie Förderunterricht in Mathe und Deutsch, nachmittags hilft sie bei den Hausaufgaben. Das Ganztagsangebot macht es möglich. Wenn Inge Reumschüssel daran denkt, lacht sie verschmitzt. „Ich gehe früh um neun hin und komme 15 Uhr nach Hause. Ich brauche einfach die Gespräche mit den Kolleginnen“, sagt sie.

Neben dieser Aufgabe kümmert sich Inge Reumschüssel aber auch noch um die Schulpartnerschaft mit der Szkola Podstawowa in Nowogrodziec in Polen. „Wenn ich noch jünger wäre, hätte ich dort gern mal unterrichtet“, schwärmt sie von den Besuchen, die sie maßgeblich mitorganisiert. Dort kennt sie fast alle Lehrer mit Namen. Vor allem Beata mag sie. „Sie ist wie meine dritte Tochter“, sagt Inge Reumschüssel. Und weil an der Grundschule Großdubrau alle ihren Einsatz so sehr schätzen und sich freuen, dass sie auch weiterhin ihren Beruf als Berufung ansieht, wird Inge Reumschüssel heute ins Theater eingeladen. Zum Glück stand der Termin fest, denn es ist schwer, in ihrem Kalender einen freien Tag zu finden.