merken
PLUS

Leipzig reitet Dresden davon

Volker Wulff veranstaltet den Weltcup an der Pleiße. Das Adventsturnier an der Elbe gibt er auf. Auch andere Vermarkter müssen Wettbewerbe absagen.

Von Maik Schwert

Die besten Springreiter der Welt starten in Leipzig. Um Dresden machen sie seit Jahren einen Bogen. Das Adventsturnier kehrt auch nicht in deren Terminkalender zurück. Davon geht Volker Wulff aus. Der Chefausrichter organisierte das Ereignis von 2006 bis 2010, sieht aber jetzt keine Chance mehr für den Wettbewerb, den er nicht in die Gewinnzone führen konnte. Die Besucher kamen nicht in Scharen zur Dresdner Messe. Zuletzt waren es 16.000 Gäste an vier Tagen. Der Veranstalter sieht den Grund in einem bundesweiten Trend rückläufiger Zuschauerzahlen. Dadurch sanken die Einnahmen – auch seine. Somit dürfte die 15. Auflage auch die letzte gewesen sein. Dabei war sie damals zum fünften Mal international – dank Wulff. Er machte den seit 1996 existierenden Wettbewerb bei seinem Einstieg als Vermarkter für ausländische Starter attraktiv. Zuletzt betrug das Budget 800.000 Euro. Davon entfielen 150.000 Euro auf Prämien.

Anzeige
Spaß und Nervenkitzel pur
Spaß und Nervenkitzel pur

Im Laserland Dresden können auch Erwachsene mal wieder Kind sein: Ein einzigartiges Erlebnis für Kollegen, Freunde und Familie und ideales Geschenk!

Das war besonders Wulffs Verdienst. Er gehört weltweit zu den Besten seiner Branche, organisiert Turniere so erfolgreich wie kaum ein anderer, baut auf die Kommunen als Sponsoren und meldet ausverkaufte Tribünen – für ihn immer noch der Maßstab für einen gelungenen Wettbewerb. „Volker kann solche hochklassigen Turniere ausrichten“, sagt der ehemalige Springreiter und jetzige Bundestrainer Otto Becker.

Dennoch kämpft auch Wulff mit Problemen. Einige kann er lösen, andere nicht. Beispielsweise beim zur Riders Tour zählenden Turnier in München, das Wulff um einen Monat auf Anfang November vorverlegte. „Wir kollidierten zu sehr mit dem Wintersport und mussten aus dem Dezember raus, um mediale Präsenz erzielen und dadurch eine solche Veranstaltung vermarkten zu können.“ Die Schwierigkeit, dass mehrere Wettbewerbe aufeinanderprallen, bleibt. „Ich kann es drehen und wenden, wie ich will: Es ist beinahe aussichtslos, ein freies Wochenende zu bekommen.“ Daher muss er sich die erfolgreichsten Springreiter teilen, etwa mit dem Weltcup in Lyon. Da können sie 280.000 Euro gewinnen – dreieinhalb mal mehr als in München. „Sie gehen dahin, wo es das meiste Geld gibt.“ In Frankreich bekomme jedes Fünf-Sterne-Turnier 300.000 Euro staatlichen Zuschuss, unter anderem aus den Wetteinnahmen. „Da können wir nicht mithalten.“

Oder bei der mit 130.000 Euro dotierten deutschen Meisterschaft in Gera: Da glänzen die besten einheimischen Pferde und Reiter schon mal mit Abwesenheit, wenn sie zur gleichen Zeit auf der Global Champions Tour in Südamerika um eine Million USA-Dollar springen können, gestiftet von Jung-Milliardärin Athina Onassis. Der Etat beträgt das Sechsfache. „Ein solcher Wettbewerb lässt sich wirtschaftlich in Deutschland und Europa nicht darstellen. Da gibt es eine extreme Werteverschiebung.“ Schwerreiche Mäzene gönnen sich das mal und machen es dadurch erst möglich.

Letztlich profitiert auch Wulff von der Global Champions Tour. Das von ihm veranstaltete Derby in Hamburg gehört zu dieser hoch dotierten Serie und gilt als Beispiel für das gelungene Runderneuern eines angestaubten Traditionsturnieres. Er kooperiert mit Wimbledon-Sieger Michael Stich: Reiten für die einen, Tennis für die anderen. „Wir müssen den Politikern klarmachen, dass ein Turnier eine Stadt aufwertet.“ In Dresden kam Wulffs Einstieg möglicherweise einfach zu spät. In Leipzig war er von Anfang an dabei und machte aus diesem Standort etwas Besonderes. Die Verantwortlichen der neuen Messe suchten im März 1997 einen Ausrichter für ihre erste Partner Pferd im Januar 1998 – eine Veranstaltung mit Ausstellung, Sport und Show. Wulff bot seine Hilfe an: „Ich war als Organisator bekannt in der Szene, die neue Messe noch nicht.“ Der Mann aus dem Nordwesten erwarb sich durch sein Engagement in Thüringen auch im Osten Vertrauen. Die zehn Monate Vorlauf genügten ihm, um im Vorfeld kleinere Wettbewerbe zu veranstalten, durch die er die Region einband. So zog der Weltcup bereits bei seiner Premiere die Besucher an. „Es kamen mehr Gäste als erwartet.“ Seitdem stiegen die Zahlen immer weiter. 2013 waren es 61.300 Zuschauer an vier Tagen.

Wulff erhöhte auch das Programm kontinuierlich. Inzwischen gehört alles dazu: Dressur, Zwei- und Vierspännerfahren, Springen, Voltigieren und Westernreiten. Diese Vielfalt zieht die Gäste an. „85 Prozent unserer Besucher waren mindestens schon einmal da, gut die Hälfte häufiger als viermal. Das ist unser Stammpublikum. 50 Prozent kommen aus einem Umkreis von 50 Kilometern und mehr. Wir bieten eine einzigartige Erlebniswelt. So etwas gibt es im Osten sonst nicht noch einmal.“ Die nächste Partner Pferd folgt vom 16. bis 19. Januar 2014. Der Weltcup zählt zu Wulffs größten Erfolgsgeschichten – anders als das Dresdner Adventsturnier.

Mit Schwierigkeiten kämpfen auch andere Standorte. So fällt das Turnier in Bremen 2014 aus. Der internationale Wettbewerb – zwischenzeitlich der weltweit am besten dotierte in der Halle – existierte seit 1965. Zuletzt verlor er erst Sponsoren und dann zunehmend an Bedeutung. Wulff verglich das Dresdner Adventsturnier mal mit dem Bremer Wettbewerb. Jetzt zog sein Kollege Kaspar Funke die Notbremse. Auch das Turnier in Hannover gibt es nur noch dank Paul Schockemöhle. Der ehemalige Weltklasse-Springreiter, mit dem Wulff in München zusammenarbeitet, tritt als Veranstalter und Hauptsponsor auf – ein Modell, das bereits 2013 auf der Kippe stand. Das Dresdner Adventsturnier befindet sich in guter Gesellschaft – ein schwacher Trost.