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Rechtsrock-Fan muss Nazi-Liederbuch abgeben

Ein vorbestrafter Templiner wurde in Mücka mit einem Nazi-Liederbuch erwischt. Doch vor Gericht stritt er alles ab.

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Auf dem Liedbuch war ein Hakenkreuz abgebildet. Dieses Zeichen ist in Deutschland verboten. (Symbolbild)
Auf dem Liedbuch war ein Hakenkreuz abgebildet. Dieses Zeichen ist in Deutschland verboten. (Symbolbild) ©  dpa

Von Jost Schmidtchen

Wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen musste sich ein 39-jähriger Templiner jetzt vor dem Amtsgericht Weißwasser verantworten.

Bei seiner Anreise zu einem Rechtsrockkonzert in Mücka war er in eine Polizeikontrolle geraten, ehe er das Veranstaltungsgelände erreicht hatte. Die Kontrolle fand am 5. Mai 2018 um 17.20 Uhr in Höhe des Grundstücks Nummer 81 statt, erklärte der Zeuge von der Polizei.

Liederbuch mit nationalsozialistischen Texten

Im Auto des Konzertbesuchers fanden die Beamten im Kofferraum ein Liederbuch mit Texten nationalsozialistischen Inhalts und bebildert mit Symbolen der NS-Zeit einschließlich dem verbotenen Hakenkreuz. In der Anklageschrift wurde ihm zudem vorgeworfen, er habe das Liederbuch beim Konzert verwenden wollen. 

Doch das sah der Angeklagte ganz anders. Das Liederbuch lag im Kofferraum in einem Rucksack verstaut; es habe einem mitfahrenden Freund gehört. Offensichtlich habe dieser vergessen, es vor Antritt der Fahrt auszupacken. Und der in der Anklageschrift enthaltene Vorwurf, er habe die Lieder aus dem Buch beim Konzert singen wollen, sei lediglich eine unbewiesene Vermutung. Zudem habe er das Liederbuch bei der Kontrolle der Polizei übergeben. 

Unterwegs zum „Balladenabend mit ruhiger Musik“

Amtsrichter Frank Trepzik äußerte seine Bedenken: „Ein Liederbuch mit rechtsorientierten Texten und Illustrationen in den Rucksack zu stecken, muss doch einen Sinn machen. Außerdem weiß ja wohl jeder, was er im Rucksack mit sich führt“. Der Angeklagte beteuerte nochmals, dass er nicht vorhatte, eine Straftat zu begehen und erklärte vor Gericht nochmals seinen Verzicht auf das Liederbuch. Auch habe in Mücka gar kein Rechtsrockkonzert stattgefunden, sondern ein „Balladenabend mit ruhiger Musik“. Extra deshalb sei er von Templin angereist.

Trotz einer Eintragung im Bundeszentralregister wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz kam der Angeklagte im Amtsgericht Weißwasser mit einem blauen Auge davon. Die Staatsanwältin bezeichnete die Vorwürfe als "nicht übermäßig schwerwiegend",  dass aus dem Liederbuch gesungen werden sollte, kann nicht bewiesen werden. 

So einigten sich alle Seiten auf ihren Vorschlag hin, das Verfahren gegen eine Geldauflage in Höhe von 300 Euro zugunsten einer gemeinnützigen Einrichtung einzustellen. Und das Liederbuch bleibt in Staatsbesitz.

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