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Lösung für den Fensterstreit

Hinterm Kulturpalast kann jetzt doch auf der Schloßstraße gebaut werden. Damit es voran geht, legen die Investoren zusammen.

© René Meinig

Von Bettina Klemm

Ausdauernd ist er. Bei Berndt Dietze gibt es da keinerlei Zweifel. Der Geschäftsführer der Baywobau Dresden wollte sich nicht damit abfinden, dass hinter dem Kulturpalast die Fenster in den Wohnungen nicht geöffnet werden dürfen. Eine Festverglasung, wie es im Beamtendeutsch heißt, hatte die Stadt in der Baugenehmigung für den „Jüdenhof“, unmittelbar hinter dem Kulturpalast, angeordnet.

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Die Fenster im Bereich der Galeriestraße, der Rosmaringasse und der Schössergasse dürfen aus Schallschutzgründen nicht geöffnet werden. Das betrifft damit auch die benachbarten Bauprojekte der USD und der Baywobau. So sollen die künftigen Bewohner und Hotelgäste vor zu großem Lärm geschützt werden. Dieser würde entstehen, wenn beispielsweise zu nächtlicher Stunde nach Rock-Konzerten im Kulturpalast die Technik abgebaut und abtransportiert wird.

Die Stadt erneuert den Kulturpalast für knapp 90 Millionen Euro und errichtet in dem denkmalgeschützten Gebäude einen neuen Konzertsaal. Zudem ziehen die Städtischen Bibliotheken ein. Die Stadtverwaltung fühlt sich im Recht, schließlich habe der Kulturpalast Bestandsschutz. Sie lehnt es ab, für Lärmschutz zu sorgen.

Für den 73-jährigen Dietze stand schnell fest, unter diesen Bedingungen ist sein geplantes Bauprojekt an der Schloßstraße nicht zu verwirklichen. Wer kauft schon Wohnungen, bei denen er die Fenster nicht öffnen kann? Andererseits hatte die Baywobau Dresden bereits den ersten Gebäudekomplex gegenüber vom Residenzschloss errichtet und will nun gern den Straßenzug vollenden.

So suchte sich der gebürtige Sachse Verbündete wie den Chef des städtischen Betriebes Kommunale Immobilien Dresden (KID), Axel Walther, sowie den Architekten Christian Hellmund. Beide sind für den Kulturpalast-Umbau zuständig. Schnell stand eine Art Großgarage als Lösungsvorschlag fest. Ähnlich wie an der Vorderseite des Kulturpalasts wird auch an der Rückseite die Brüstung erweitert. Damit entsteht eine Überdachung der Anlieferzone.

Bei Bedarf werden Ein- und Ausfahrtstore heruntergelassen. Unter diesem Lärmschutz wird der Truck mit Konzerttechnik nachts beladen. Dafür wurden gleich vier Varianten erarbeitet, überprüft und zur Diskussion gestellt. Mit den Denkmalschützern von Stadt und Land diskutierte die Dresdner Baywobau über die Gestaltung dieser Großgarage. Sie wird später von der KID übernommen. Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) unterstützte das Vorhaben.

Das Umweltamt überprüfte die Lärmrichtwerte, die Gutachter ermittelt hatten. Das ganze Unterfangen wird, so rechnet Dietze, mehr als eine halbe Million Euro Zusatzkosten verursachen. Den größten Teil trägt die Baywobau. Mit jeweils 100 000 Euro wollen sich die Investoren USD und Kimmerle-Bau beteiligen.

Nun hofft der Dresdner Baywobau-Chef, dass nach nunmehr zwei Jahren der Fensterstreit zu Dresden beendet ist. Dieser Tage schaffen Arbeiter der Firma Dreßler-Bau sieben etwa 60 mal 60 Zentimeter große Fundamente hinter dem Kulturpalast. Auf ihnen werden später die Säulen für den Anbau aufgerichtet. „Damit können die Außenanlagen für den Kulturpalast gestaltet werden. Später muss dann nur das Straßenpflaster wieder aufgenommen werden“, sagt Dietze.

Auf der Fläche an der Schloßstraße sind die archäologischen Grabungen bereits gut vorangekommen. Parallel läuft ein Wettbewerb zur Gestaltung der künftigen Fassaden. Fünf Architekturbüros sind dazu eingeladen. Anschließend wird der Bauantrag erarbeitet. Im nächsten Frühjahr will die Baywobau mit den eigentlichen Arbeiten auf der Fläche zwischen der Schloßstraße und dem fast vollendeten Jüdenhof beginnen. Für rund 35 Millionen Euro entstehen 69 Wohnungen und elf Geschäfte. Zum Ensemble gehört das Cäsarsche Haus mit seinen reichen Rokoko-Verzierungen als Leitbau. Beim Fürstlichen Haus wird die Fassade nach historischem Vorbild errichtet. Ende 2018 soll dann die Schloßstraße vollendet sein.