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„Mädchen für alles – na und?“

Zehn Bufdis sind derzeit im Verwaltungsverband im Einsatz. Kitas und Bauhöfe setzen fest auf ihre Unterstützung.

Von Rita Seyfert

Tee kochen, den Kindern bei den Hausaufgaben helfen oder Schnee schippen, die täglichen Aufgaben von Manuela Bork sind so bunt wie das Leben selbst. Seit November vergangenen Jahres absolviert die 45-Jährige als „Bufdi“ ihren Bundesfreiwilligendienst in der Kita „Brüderchen und Schwesterchen“ in Kodersdorf. Damit ist Manuela Bork eine von insgesamt zehn Bufdis – alle im Alter von 19 bis 76 Jahren, die aktuell in der Neißeaue, dem Schöpstal, Kodersdorf und Horka im Einsatz sind.

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Von wegen Hausfrauenjob: Die gelernte Textilreinigungsfacharbeiterin Silke Olbrich-Kartke betreut jetzt als Bufdi Kinder im Zodeler Hort. Foto: Nikolai Schmidt
Von wegen Hausfrauenjob: Die gelernte Textilreinigungsfacharbeiterin Silke Olbrich-Kartke betreut jetzt als Bufdi Kinder im Zodeler Hort. Foto: Nikolai Schmidt © nikolaischmidt.de

Nachdem der Kodersdorfer Bauhof, der Hort in Zodel und einige Kitas Bedarf angemeldet hatten, wurde der Bundesfreiwilligendienst über den Verwaltungsverband Weißer Schöps/Neiße beantragt. Die Bewilligung sei jedes Jahr ein „Windhundrennen“, wie es der Kodersdorfer Bürgermeister René Schöne nennt. Wie „Hans Dampf“ springen Bufdis in alle Lücken, die durch die Gemeinden kurzfristig nicht besetzt werden können. Den Bundesfreiwilligendienst schuf die Regierung nach der Aussetzung der Wehrpflicht 2011. Zugleich ersetzte der Bund damit den Zivildienst.

Bereits bevor Manuela Bork ihren Freiwilligendienst antrat, half sie als Ein-Euro-Jobberin für ein halbes Jahr in der Kodersdorfer Kita aus. Offenbar machte sie ihre Sache gut. Denn eine Mitarbeiterin der Gemeinde kam auf sie zu und fragte, ob sie an der „Maßnahme“ teilnehmen wolle. „Ich mache alles, was anfällt“, sagt Manuela Bork. Und das fünf Stunden täglich, von Montag bis Freitag. Aus gesundheitlichen Gründen musste sich die gelernte Landschaftsgärtnerin eine andere Tätigkeit suchen. „Da kam mir das gelegen“, sagt sie. Auch Kita-Leiterin Doris Hennig kann jede helfende Hand gebrauchen. Auf die hundert Kinder im Alter von ein bis sieben Jahren kommen nur 15 Erzieher. Ob sie Manuela Bork langfristig eine Perspektive bieten kann, ist jedoch ungewiss. „Das kann ich nicht entscheiden“, so die Kita-Chefin. „Begrüßen würde ich es“, sagt sie.

Die stellvertretende Kita-Leiterin, Sylvia Jacob sieht es ähnlich: „Bloß gut, dass wir sie haben“, sagt sie. Der Personalschlüssel sehe für sechs Krippen- beziehungsweise zwölf Kindergartenkinder je einen Betreuer vor. Das komme nicht immer ganz hin. „Ohne ihre Hilfe würden wir nicht über die Runden kommen“, sagt die Kollegin. Auch die Kinder haben Manuela Bork ins Herz geschlossen. „Die grüßen und winken auf der Straße“, erzählt die Kodersdorferin. Und finanziell lohne sich die Arbeit immerhin auch etwas. Obwohl die kleine Aufwandsentschädigung neben ihrem Hartz IV nur ein Taschengeld sei, könne sie sich dennoch ein bisschen mehr leisten.

Auch Silke Olbrich-Kartke ist nach ihrem Ein-Euro-Job im Zodeler Hort von der Gemeinde gefragt worden, ob sie dort ihren Bundesfreiwilligendienst leisten wolle. Und nun hilft sie täglich bei den Hausaufgaben, spielt Karten mit den Jungs oder zeigt den Mädels, wie man webt. „Mädchen für alles eben“, sagt sie schulterzuckend.

Als gelernte Textilreinigungsfacharbeiterin findet die 54-Jährige heute keine Stelle mehr. Ein paar Jahre habe sie sich im Bereich der Glasveredelung über Wasser gehalten. Auch eine Umschulung zum Handelsfachpacker stehe in ihrem Lebenslauf. Als Lagerarbeiterin packte sie auch körperlich an. Doch bevor die Frau aus Groß Krauscha nun zu Hause sitze und ihr die Decke auf den Kopf stürze, wolle sie ihren Beitrag für die Gesellschaft leisten. Über das Finanzielle denke sie nicht nach. „Das steht hinten an“, sagt sie. Helfen würde ihr das zusätzliche Taschengeld aber schon. Und auch von den Kindern komme was zurück. Einige Steppkes würden sogar Beweisfotos dafür verlangen, dass die gemalten Bilder jetzt wirklich in ihrer Stube hängen.

Die freiwillige Arbeit ist also gerade auch für die Engagierten ein großer persönlicher Gewinn. Wo jüngere Menschen praktische Erfahrungen sammeln, können ältere nicht nur ihre reichhaltige Lebenserfahrung weitergeben, sondern auch mitten im Geschehen bleiben. Der zwölfmonatige Dienst kann auf sechs verkürzt und maximal 24 Monate verlängert werden. Die Einsatzstellen zahlen die Beiträge für Renten-, Unfall-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung und entscheiden, wie hoch das Taschengeld ausfällt. Die Höchstgrenze liegt bei 372 Euro. Außerdem erhalten die Freiwilligen kostenlose Seminare.

Die ersten Workshops für die zehn Freiwilligen im Verwaltungsverband Weißer Schöps/Neiße beginnen in dieser Woche. Themen wie gesunde Ernährung, Holzbearbeitung oder Formschnitte für Hecken und Bäume stehen auf dem Programm. Insgesamt zwölf Bildungstage sind vorgesehen. Je nach ihren Interessen dürfen die Teilnehmer aus dem Kursangebot frei wählen. Nur die Erste Hilfe wollen alle zehn Bufdis gemeinsam belegen. Damit sie sich auch einmal kennenlernen.