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Mädchen in schusssicheren Westen

Am Donnerstag gab es den 15. Girls Day. Zum Beispiel im Polizeirevier in Kamenz. Wird der Streifendienst zur Frauensache?

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© René Plaul

Von Frank Oehl

Junge Frauen sind eine ganz besondere Zielgruppe. Vor allem am „Girls Day“, der am Donnerstag bereits zum 15. Mal stattfand. Am Anfang hatte er noch etwas Exotisches, geradezu Undenkbares: Braucht es wirklich einen besonderen Tag in der Berufsfindung, der nur Mädchen vorbehalten ist? Heute wird er vor allem in technisch-gewerblichen Ausbildungsberufen gern genutzt, um das sogenannte „schwächere Geschlecht“ in die Fachkräftelücke zu locken. Der „Gender-Mainstream“ zielt auf die Chancengleichheit von Frau und Mann. Angesichts der geburtenschwachen Jahrgänge sind wir ihr so nahe wie noch nie ...

40 Mädchen zwischen 12 und 15 Jahren wollten am Donnerstag einen Tag im Polizeirevier Kamenz erleben. Revierleiterin Susann Benad-Uslaub: „So viele Bewerber gab es noch nicht!“ Also wurde ausgewählt, denn mehr als halbwegs überschaubare 20 sind nicht zu verkraften. Sie kamen aus Kamenz, Ottendorf-Okrilla, Radeberg, Hoyerswerda, Bernsdorf, Großröhrsdorf – kurzum aus dem gesamten Landkreis. Die Mädchen konnten sich im Revier umsehen und wurden in einige Details der Polizeiarbeit eingeführt. Man habe genügend „Man-Power“, um den Schnuppertag abzusichern, so Benad-Uslaub. Wobei Man-Power in diesem Fall ja auch Woman-Power bedeutet. Immerhin 35 Frauen arbeiten im Revier, was fast einem Viertel entspricht.

Die Einsatzkleidung ist ziemlich schwer

Unter ihnen ist Polizeioberkommissarin Manuela Voigt – als Bürgerpolizistin im Raum Königsbrück auch für die Präventionsarbeit zuständig. In Kitas und Schulen, wo sie auch mal auf die Puppenbühne zurückgreifen kann, mit der Polizeiobermeister Uwe Mittag unterwegs ist. Oder auf Poldi, das Polizeimaskottchen. Eigentlich war der pummelige Saurier schon dem Aussterben geweiht – aber vor allem auf dem Lande ist er gefragt wie noch nie. Diesmal war vor allem die Bürgerpolizistin selbst gefragt. Sie führte den Mädchen am „Girls Day“ zum Beispiel den interaktiven Streifenwagen vor. „Fragt bitte nicht wie die Jungs nach den PS. Die weiß ich nämlich nicht“, sagte die Oberkommissarin mit robuster Stimme. Dafür wurde die digitale Funktechnik präsentiert – und das neue, schrille Signalhorn nach amerikanischem Vorbild. Da zuckte nicht nur das schwache Geschlecht kurz zusammen.

Besonders viel auf sich nehmen musste die eher zierliche Nicole Uhlemann aus Hermsdorf. Die Oberschülerin wurde auserkoren, die Einsatzmontur der Bereitschaftspolizei auszuprobieren. Mit allem Drum und Dran sind das etwa 20 Kilogramm, die ein Polizist mit sich herumschleppt, wenn es zum Beispiel gegen Hooligans oder Hausbesetzer geht. Die schusssichere Weste war zwar noch deutlich zu groß geraten, aber der Helm mit dem unkaputtbaren Visier saß schon ziemlich gut. „Ich möchte mal zur Reiterstaffel der Polizei“, sagte Nicole. Die 12-Jährige mag Pferde, aber würde sie auch die schwere Einsatzkleidung im Sattel mögen? Na klar, warum denn nicht.

Schon lange kein Männerberuf mehr

Die Mädchen waren überaus interessiert. Sogar schon mit Blick auf eine mögliche Bewerbung in ein paar Jahren. „Werden auch unsere sportlichen Leistungen getestet“, wollte eine wissen. Aber klar, so Voigt. „Unsere Normen, die etwa denen des Sportabzeichens entsprechen, müssen alle drei Jahre bestätigt werden.“ Dafür gebe es ja extra auch eine Stunde pro Woche, in der jedem Polizisten das Sporttreiben in der Dienstzeit ermöglicht wird.

Die Revierführerin ordnete das Girls-Day-Geschehen in größere Zusammenhänge ein. „Der Polizist ist schon lange kein Männerberuf mehr“, so Benad-Uslaub. Die junge Polizeirätin, verheiratet und Mutter zweier Kinder, ist ja das beste Beispiel für diese Behauptung. Sie sieht vor allem die kommunikativen Fähigkeiten der Frauen als großen Vorteil an – also ihr Einfühlungsvermögen in schwierigen Situationen. Gerade auch im Streifendienst. „Wenn wir zum Beispiel zu Familienstreitigkeiten gerufen werden, kann die weibliche Seite einer Polizistin sehr hilfreich sein.“ Oder, wenn es um „weibliche Beschuldigte“ geht. In jede Dienstgruppe gehören mindestens zwei Polizistinnen, sagt die Revierleiterin. „Frauen sind am Start – auch bei der Polizei.“ Der Girls Day war dafür mehr als ein Fingerzeig ...