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Mal was anderes: ein Bad in der Neiße

Der Fluss bietet bei genügend Wasserstand Erfrischung und Vergnügen. Naturerlebnisse gibt es gratis dazu.

Die Schwimmbrücke an der Kulturinsel Einsiedel bei Zentendorf ist eine beliebte Badestelle.
Die Schwimmbrücke an der Kulturinsel Einsiedel bei Zentendorf ist eine beliebte Badestelle. © Archivfoto: André Schulze

Von einem Zimmer seiner Wohnung im dritten Stock aus hat Alexander Enz einen wunderschönen Blick auf die Neiße in Görlitz. Er wohnt mit seiner Familie in Ufernähe. An einen besonderen Tag in diesem Jahr erinnert er sich noch heute: „Am Karfreitag spiegelte sich die Sonne im Fluss. Dieser Anblick war so bildschön und hat mich total gereizt, in der Neiße zu schwimmen“, erzählt Alexander Enz. In der Nähe der Auto-Stadtbrücke in Görlitz ging er also am Karfreitag ins Wasser. „Es war zwar sehr frisch, aber ein tolles Erlebnis“, erinnert er sich. Zweimal sei er in diesem Jahr schon dort an der Brücke geschwommen – unter den staunenden Blicken so mancher Zuschauer, die kaum glauben konnten, dass sich da überhaupt jemand in die Neiße traut. Das Wasser an der Brücke ist so tief, dass man schwimmen kann – wenn der Fluss nicht gerade Niedrigwasser führt, erklärt der Neißeschwimmer.

Mit dem Schwimmen im Fluss macht der Görlitzer nichts Unerlaubtes. „Baden gehört zum Gemeingebrauch und ist an natürlichen Gewässern wie der Lausitzer Neiße gesetzlich erlaubt“, bestätigt Kreissprecherin Julia Bjar. Allerdings erfolge das Baden auf eigene Gefahr, ergänzt sie. Ein Rettungsschwimmer wie im Freibad, der im Notfall eingreifen könnte, ist nicht vor Ort. Baden könne man an jeder beliebigen Stelle der Neiße, soweit nicht Rechte anderer dem entgegenstehen oder „der Eigentümer- und Anliegergebrauch anderer nicht beeinträchtigt werden.“ Da die Neiße kein Badegewässer im Sinne der entsprechenden EU-Richtlinie ist, unterliegt der Fluss nicht den üblichen Überwachungskriterien. Das Gesundheitsamt des Landkreises untersucht daher keine Wasserproben aus der Neiße und kann somit auch nichts sagen zur Badequalität des Wassers. Ob viele Menschen in der Neiße baden, ist dem Landratsamt nicht bekannt, „dazu liegen keine Zahlen vor“, informiert Frau Bjar. An die Einrichtung offizieller Badestellen denkt das Landratsamt nicht. „Das ist aus derzeitiger Sicht nicht vorgesehen“, erklärt die Sprecherin.

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Entlang der Neiße gibt es etliche, meist versteckte Badestellen. Eine Sandbank bei Nieder Neundorf ist so ein Geheimtipp. Eine beliebte Badestelle gibt es in Zentendorf am Schwimmsteg der Kulturinsel. Von ihr betrieben wird sie aber nicht. Eugen Valtin von der Freizeiteinrichtung weiß, dass Gäste aus dem Kulturinselcafé am Neißestrand zu finden sind und der Strand gut genutzt wird. „Als sichere Alternative empfehle ich die neugestalteten Wasserspiele auf der Kulturinsel“, sagt er. Dort gehen Schwimmer den Gefahren aus dem Weg, die beim Bad in der Neiße lauern. Vor allem an den Wasserkraftanlagen wie in Lodenau sowie an Wehren in Görlitz, Nieder Neundorf Steinbach, Klein Priebus und anderen. Die und Engstellen, wo bei erhöhter Wasserführung die Strömung stark sein kann, sollten Neißeschwimmer meiden. Zu schnell könnten sie von der Strömung mitgerissen werden. Auf eine weitere Gefahr verweist die Sprecherin: Bei geringer Sichttiefe könnten Badende Tiefstellen sowie Müll und Treibgut unter der Wasseroberfläche nicht deutlich erkennen. Tino Kittner von Neißetours ergänzt: „Gerade deswegen sollte man niemals in die Neiße springen.“

Alexander Enz jedenfalls war bei seinen „Abstechern“ in die Neiße erstaunt über das saubere Wasser. „Es riecht nicht unangenehm, auch Verfärbungen wie früher häufiger habe ich in diesem Jahr nicht festgestellt“, sagt er. Lediglich wenn man die Füße beim Schwimmen dem Grund entgegenstreckt, steht man schnell im Schlamm. „Das ist weniger schön“, erklärt er. Von der Iller sei er das anders gewöhnt, sagt der gebürtige Schwabe. Dort sei er viel öfter im kühlen Nass gewesen. Bei seinem letzten Bad im Neißewasser Mitte Juli hatte Enz festgestellt, dass der Fluss recht wenig Wasser führt, das zudem „gefühlt 25 Grad Celsius warm war“, berichtet er und vermutet, dass beides – Wasserstand und Wärme – den Fischen nicht gut bekommt.

Den Pflanzen, die derzeit für eine Begrünung der Neiße sorgen, bekommt der niedrige Wasserstand jedoch prächtig. Sie gedeihen gut und sind Folge des anhaltenden Niedrigwassers durch die Trockenheit. Denn jetzt können sich Sedimente leichter absetzen und werden nicht mit der Strömung fortgetragen. Die darin enthaltenen Nährstoffe und die sommerlichen Temperaturen begünstigen das Pflanzenwachstum im Fluss.

Schwimmer in der Neiße können sich bei entsprechender Wasserführung des Flusses nicht nur erfrischen, sondern auch die Natur genießen – vorausgesetzt, sie verhalten sich ruhig. Am Fluss sind nämlich zahlreiche Libellenarten zu Hause. Die sieht man nicht jeden Tag, und in der Stadt schon gar nicht. „Durch moderaten Verkehr von Booten und die Aktivität durch Badegäste und Schwimmer sehe ich die am Flusslauf von Zittau bis Bad Muskau vorkommenden Libellen nicht gefährdet“, sagt Jörg Müller vom Senckenberg Museum für Naturkunde. Als bodenständige Libellenarten nennt er die Blaue Federlibelle, die Gebänderte Prachtlibelle, die Gemeine Keiljungfer und die Grüne Flussjungfer. Das Vorkommen der Arten sei eine Folge der Wasserqualität, „die hat sich in den letzten Jahrzehnten verbessert“, freut sich Jörg Müller. Die Flussjungfer ist jetzt sogar nicht nur an der Neiße, sondern auch an Mandau und Pließnitz verbreitet anzutreffen. Dennoch sind sie auf der Roten Liste mit 3 als „gefährdet“ eingestuft.

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