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Hat AfD-Kumpf Angst vor einem Vampir?

Der Abgeordnete aus dem Oberland rügt den Gebrauch eines Kinderbuchs an Grundschulen. Er fürchtet, dass es Kinder zu Gewalt aufruft - und mehr.

Mario Kumpf ist AfD-Abgeordneter des Wahlkreises "Görlitz 3", der unter anderem Löbau und das Oberland umfasst.
Mario Kumpf ist AfD-Abgeordneter des Wahlkreises "Görlitz 3", der unter anderem Löbau und das Oberland umfasst. © Matthias Weber

Die österreichische Kinderbuchautorin Renate Welsh schuf 1979 den wahrscheinlich liebenswertesten Vampir aller Zeiten. "Das Vamperl" ernährt sich nicht vom Blut seiner Opfer und verwandelt sie in Untote. Im Gegenteil verschafft das "Vamperl" Lebensfreude.

Wird ein Mensch böse oder zornig, kommt das "Vamperl", saugt ihm das "Gift" aus der Galle und verwandelt ihn wieder in einen warmherzigen Menschen. Ausgerechnet im "Vamperl" sieht der Ebersbacher AfD-Politiker Mario Kumpf nun eine Figur, mit dessen Hilfe Grundschüler zu Gewalt gegen Politiker aufgerufen werden.

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Wie an bundesweit vielen Grundschulen gehört das Buch "Das Vamperl" auch an der Grundschule am Löbauer Berg in Löbau-Ost zum Stoff des Deutschunterrichts in der 3. Klasse. Und wie zu vielen anderen Büchern gibt es auch zum "Vamperl" zahlreiche ergänzende Arbeitsblätter, um das Textverständnis von Schülern zu vertiefen.

Eines dieser in der Klasse 3b der Löbauer Grundschule ausgegebenen Arbeitsblätter mit dem Titel "Das Vamperl und die Galle" veranlasste den Landtagsabgeordneten Mario Kumpf und seinen Parteikollegen Rolf Weigand jüngst zu einer "Kleinen Anfrage" an die Landesregierung.

Minister muss Abgeordneten Begriffe erklären

Das Aufgabenblatt trägt die fiktive Zeitungsschlagzeile "Politiker von Vamperl gestochen". Die Schüler sollen mit Blick auf Schlagzeilen oder auch auf die TV-Nachrichten erklären, wem das "Vamperl" mal das Gift aus der Galle saugen müsste und warum. Garnieren sollen die Schüler das Arbeitsblatt mit ausgeschnittenen Fotos dieser Personen. Das Arbeitsblatt ist keine Selbstentwicklung der Schule, sondern ist von einem Fachverlag herausgegeben.

Möglicherweise fürchten Kumpf und Weigand, dass ihr Bild auf so einem Arbeitsblatt landen könnte. Sie wittern jedenfalls einen Rechtsverstoß. "Ist das verwendete Lehrmittel einem staatlich zugelassenen Lehrbuch oder Arbeitsheft entnommen?", fragen sie da und: "Ist der Inhalt des oben genannten Lehrmittels mit der Lehrmittelfreiheit von Lehrern gedeckt?" Kultusminister Christian Piwarz (CDU) ließ die "Kleine Anfrage" nicht unbeantwortet - und klärte die beiden AfD-Politiker erst mal über die richtige Begriffsverwendung auf.

"Mit den in den Fragestellungen verwendeten Begriffen Lehrmittel und Lehrmittelfreiheit sind offensichtlich Lernmittel und Lernmittelfreiheit gemeint", lässt der Minister die beiden wissen. Lernmittel nämlich seien Arbeitsmaterialien, die Schüler zur erfolgreichen Teilnahme am Unterricht benötigen - etwa Schulbücher und Lernmaterialien wie Zirkel oder Zeichengeräte. "Lehrmittel hingegen bezeichnen die zur Ausstattung der Schule gehörenden Unterrichtsmittel", schreibt Piwarz. Im folgenden erklärt der Minister den AfD-Abgeordneten die Geschichte vom "Vamperl" und deren Herkunft. "Es handelt sich weder bei dem Buch noch bei dem Arbeitsblatt um ein im Einzelnen staatlich zugelassenes Lernmittel, weil zulassungsfrei", so Piwarz. 

Spielerische Angriffe auf Politiker gelehrt?

Aber die Anfrage der AfD-Abgeordneten geht ja noch viel weiter. Sie sehen in dem Arbeitsblatt einen regelrechten Gewaltaufruf. "In welchem Rahmen ist im Lehrplan für die 3. und 4. Klasse an sächsischen Grundschulen der Lehrinhalt konkret enthalten, dass Schüler spielerische Angriffe auf Menschen/Politiker (Stich=Körperverletzung) behandeln sollen?", schreiben sie da und weiter: "In welchem Rahmen ist im Lehrplan für die 3. und 4. Klasse an sächsischen Grundschulen der Lehrinhalt konkret enthalten, dass Schüler sich mit politischen Vertretern auseinandersetzen sollen?" Die Abgeordneten befürchten, dass  durch die monierte Aufgabe bei den Schülern indirekt die politische Meinung des Elternhauses abgefragt wird. "Welche Maßnahmen ergreift die Staatsregierung, um eine indirekte Feststellung der politischen Meinung des Elternhauses durch Aufgaben im Kontext der politischen Bildung an Grundschulen zu verhindern?", fragen sie weiter. 

"Durch die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Sachverhalten fördern die jeweiligen Fächer das Interesse der Schüler an Politik und schaffen bei ihnen ein Bewusstsein für lokale, regionale und globale Herausforderungen ihrer Zeit", antwortet Minister Piwarz darauf zur Aufgabe des Lehrplans und: "Der Zusammenhang zwischen der Fragestellung und einer möglichen Datenerhebung zu weltanschaulichen Einstellungen oder politischen Meinungen des Elternhauses ist nicht gegeben."

Schulleiterin beruhigt Kumpf

Ortrun Kurth, Schulleiterin der Grundschule am Löbauer Berg kann die Aufregung der Politiker gar nicht nachvollziehen - und hatte auch noch gar nichts von deren "Kleinen Anfrage" an die Staatsregierung gehört. "Das Buch ,Das Vamperl' wird von den Fachberatern Deutsch empfohlen", sagt sie auf SZ-Anfrage. Man könne in jedes Arbeitsblatt etwas hineininterpretieren. Jegliche Angst von Mario Kumpf oder wem auch immer vor dem "Vamperl" hält die Schulleiterin für unbegründet. "Wenn Menschen alles gut und richtig machen, müssen sie sich ja nicht vor dem Vamperl fürchten", sagt sie.

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