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Mehr als nur ein Ferienjob

Im Urlaub können Schüler und Studenten nicht nur ihr Taschengeld aufbessern. Mitunter winkt eine Lehrstelle. Doch es gibt auch Fallstricke.

© Steffen Unger

Von Hannes Koch und Michael Rothe

Eigentlich wollte Stephan Schöne Fußball-Profi werden. Doch als er sich in den Schulferien beim Kunststoffverarbeiter Gerodur in Neustadt sein Taschengeld aufbesserte, gefiel es ihm so gut, dass er sich dort auch für eine Lehrstelle beworben hat. Heute ist der 19-Jährige angehender Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik. Nächstes Jahr wird er fertig, und der führende europäische Hersteller von Kunststoffrohren mit Sitz in der Schweiz hat eine Fachkraft mehr. „Wer gut ist, wird in der Regel übernommen“, heißt es bei dem führenden europäischen Kunststoffrohr-Hersteller, der in der Sächsischen Schweiz fast 200 Mitarbeiter beschäftigt. Zum Jahresumsatz von rund 80 Millionen Euro tragen auch Ferienarbeiter bei. Und die stellen dann – ganz nebenbei – die Weichen für ihre Zukunft.

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Wie aber finden Schüler und Studenten am besten einen Ferienjob, und was gilt es zu beachten? Die Sommerferien stehen vor der Tür. Für viele Jugendliche steht das Geld im Vordergrund, wenn sie sich erstmals für kurze Zeit auf dem Arbeitsmarkt umschauen. Aber auch andere Motive spielen mit: das Interesse zu erfahren, wie es im wirklichen Leben zugeht, der Wunsch, sich selbst in neuen Situationen auszuprobieren. Dazu gibt Heinz-Jürgen Guß einen Rat. Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Essen ist er für Aus- und Weiterbildung zuständig. Guß sagt: „Wir empfehlen, dass junge Leute Ferienjobs auch zur Berufsorientierung nutzen.“ Ein Ferienjob kann dann eine Kombination sein aus Taschengeld-Beschaffung und Praktikum.

Denn die Firmen, die Schülern Ferienjobs anbieten, suchen ja in der Regel auch Auszubildende und Beschäftigte. Wer das verstanden hat, kann die Arbeit in den Schulferien als zwanglosen Berufstest in eigener Sache betrachten. Welche Tätigkeiten passen zu mir, was macht mir Spaß, in welchen Strukturen will ich später auf keinen Fall tätig sein? Solche Erwägungen brauchen vorerst gar nicht zum Ergebnis zu kommen, sie mögen aber Mosaiksteine darstellen, aus denen sich schließlich der Berufswunsch zusammensetzt.

15- oder 16jährige Jugendliche können auch einen Schritt weiterdenken. „Indem Schüler Firmen ansprechen, stellen sie eventuell schon einen Kontakt zu ihrem späteren Ausbildungsbetrieb her“, sagt IHK-Vizechef Guß. Wer bereits einen persönlichen Plan für seine Berufsausbildung hat, kann sich mittels Ferienjob bei den potenziellen Arbeitgebern bekanntmachen.

Heikles Thema: Bezahlung

Regionalvertretungen der Bundesarbeitsagentur helfen ebenfalls, wenngleich die Vermittlung von Ferienjobs nicht zu ihren Kernaufgaben gehört. Dennoch bietet die Jobbörse auf der Internetseite der Agentur Kontakte zu geringfügigen Beschäftigungen, die manchmal für Schüler geeignet sind. Dort findet sich eine Suchmaske, die solche Tätigkeiten nach Städten sortiert ausweist. Reinigungen und Gärtnereien suchen Helfer, Apotheken Boten, in Büros kann man als Datenerfasser arbeiten.

Meist findet die Suche nach Ferienjobs aber auf privaten Kanälen statt. Deshalb ist es aussichtsreich, im Umfeld der Eltern, Verwandten und Freunde Personen ausfindig zu machen, die Beziehungen zu Firmen haben. In manchen Geschäften und Supermärkten gibt es Aushänge, mit denen Betriebe aus der Nachbarschaft Ferienarbeiter suchen. Auch Eigeninitiative kann zum Ziel führen: „Wer frühzeitig weiß, welche Tätigkeit er machen möchte, sollte auf eigene Faust aktiv werden. Mit einem kleinen persönlichen Bewerbungsflyer im Briefkasten des Unternehmens ist der Wunschjob so gut wie in der Tasche“, rät die Arbeitsagentur Herford.

Ferner findet man Stellenanzeigen in Tageszeitungen, deren Online-Ausgaben und Stadtmagazinen. Im Internet bieten private Jobvermittlungen ihre Dienste an.

Heikel ist manchmal die Bezahlung. Denn Firmen versuchen, die Unerfahrenheit der Schülerjobber auszunutzen. Da wird ein fürstliches Gehalt ausgelobt, tatsächlich aber nur auf Provisionsbasis entlohnt. Ferienarbeiter, die die im Kleingedruckten des Vertrags festgelegte Leistung nicht schaffen, gehen auch mal leer aus. Wer die Erfahrung vermeiden möchte, sollte sich vorher genau mit den Konditionen des Arbeitgebers auseinandersetzen.

Und auch in anderer Hinsicht lohnt sich genaue Erkundigung: Minderjährige Schüler dürfen nicht jeden Job machen. Nachtarbeit etwa ist verboten. Das Wissenswerte über die rechtlichen Rahmenbedingungen und viele Tipps hat die Arbeitsagentur Herford in ihrem Leitfaden „Sommer, Sonne, Ferienjob“ zusammengefasst.