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Mehr Flieger über Langebrück

Anwohner klagen über Fluglärm. Grund sind offenbar Lockerungen beim An- und Abflug.

Von Thomas Drendel

Die Maschine ist zunächst nur zu hören, dann taucht sie über Langebrück auf, mit einem lauten Dröhnen fliegt sie über den Ort. Offenbar kommen solche Situationen immer öfter vor. Denn in den zurückliegenden Wochen häufen sich die Beschwerden von Anwohnern. „Wir haben seit kurzer Zeit immer mehr Hinweise über Fluglärm“, sagt der Langebrücker Ortsvorsteher Christian Hartmann (CDU). „Die Langebrücker fragen sich, weshalb das so ist und ob das zu einer permanenten Mehrbelastung führt.“

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An einer gestiegenen Zahl von Flügen kann das nicht liegen. Sie ist in den vergangenen Jahren rückläufig, sagt Christian Adler, Sprecher des Dresdner Flughafens. „Im Jahre 2011 hatten wir noch rund 35 000 Flugbewegungen, 2012 waren es noch knapp 33 000 und im vergangenen Jahr knapp 29 000“, sagt er. Nach seinen Angaben hat unter anderem die Insolvenz von Cirrus-Air zu einer Verminderung der Flüge beigetragen. Für dieses Jahr will er noch keine Prognose abgeben. „Wir haben etliche neue Flugziele dazubekommen, beispielsweise nach Amsterdam und Zürich. So ist es schwer, die Zahl vorauszusagen“, sagte Christian Adler.

Nach Angaben von Christian Hartmann sind gelockerte Regelungen die Ursache für die vermehrten Überflüge über Langebrück. „Nach meinen Informationen sind die bisherigen Korridore aufgeweitet worden. Bei gutem Wetter können Flugzeuge auf Sicht den Flughafen ansteuern und müssen sich nicht mehr streng an die vorgegebenen Flugkorridore halten“, sagt Christian Hartmann. Gegenden, in denen es früher kaum Überflüge gab, sind jetzt öfter betroffen.

Ute Otterbein von der Deutschen Flugsicherung kann die sogenannten Sichtflüge erklären. Die Flugsicherung in Langen bei Frankfurt/Main regelt den Flugverkehr über ganz Deutschland. „Bei Sichtan- und abflügen halten die Piloten bei gutem Wetter Kontakt mit dem Boden. Sie müssen beim Fluglotsen beantragt werden. Die Flugkapitäne können dabei von den Hauptflugschneisen abweichen. Sie sparen Zeit und Kerosin kann gespart werden“; sagt sie. Auch die Flugsicherung hat Vorteile: Die Flüge müssen dann nicht weiter vom Tower überwacht werden. Allerdings gibt es diese Regelung in Dresden seit Langem. „Sichtflüge werden hier sehr oft praktiziert. In Frankfurt wäre das wegen des dichten Flugverkehrs nicht möglich.“

Nach Angaben von Bernd Pietzsch haben in der Vergangenheit die Sichtabflüge vom Dresdner Flughafen deutlich zugenommen. „Ich schätze, es sind im vergangenen Jahr um die 30 Prozent mehr gewesen“, sagt das Mitglied der Vereinigung gegen Fluglärm Dresden. Dass die Flugzeuge erheblichen Lärm verursachen können, weiß Bernd Pietzsch ganz genau. Die Vereinigung gegen Fluglärm betreibt in Dresden zwei Lärmmessstationen. Eine steht in Weixdorf, die andere in Rähnitz. In Weixdorf wurden beispielsweise am Dienstag Spitzenwerte von über 80 Dezibel erreicht. Zum Vergleich, Verkehrslärm verursacht etwa 75 Dezibel, ein Presslufthammer 80 Dezibel und ein vorbeifahrender Lastwagen 90 Dezibel. Bernd Pietzsch räumt ein, dass der Fluglärm in Weixdorf sich noch im gesetzlichen Rahmen bewegt. „Bei den 80 Dezibel handelt es sich um Spitzenwerte. Unzulässig wäre ein so hoher Schallpegel erst, wenn er dauerhaft auftritt. Wir sind anderer Meinung. Der Gesetzgeber übersieht, dass gerade das An- und Abschwellen des Lärms krankmachen kann.“

Christian Adler rät allen, die sich von Fluglärm belästigt fühlen, eine Beschwerde an die Landesdirektion in Dresden zu richten. „Angaben zu Zeit und Ort sollten dabei natürlich nicht fehlen“, sagt er.

Hinweise zu Fluglärm an die Landesdirektion Sachsen, Dienststelle Dresden, Referat 36, Stauffenbergallee 2, 01099 Dresden, 0351 825-3600