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Mehr Platz für Lama, Ziege und Esel

Der Verein Wunderland eröffnet in Wachau ein Freigehege. Streicheln ausdrücklich erlaubt.

© Thorsten Eckert

Von Thomas Drendel

Wachau. War das ein Gewusel: Ziegen, Schafe, Esel und sogar ein Lama liefen an dem Tag aufgeregt über das Gelände. So als hätten sie lange darauf gewartet. Endlich ist der Freilauf geöffnet.

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Daniel Hammer und andere Mitstreiter von Verein Wunderland haben ab Spätherbst 2017 kräftig rangeklotzt: Hinter dem Stall wurde ein Zaun gezogen, Bäume und Sträucher vor den hungrigen Tiermäulern geschützt und auch die Bio-Schilfkläranlage abgesperrt. Vom Stall aus brachen sie eine Mauer durch, sodass die Tiere ganz ohne Hilfe nach draußen gelangen können. Ein dicker Plastevorhang schützt vor Zugluft. Jetzt können sich die Vierbeiner auf dem Areal austoben. Heu liegt bereit. „Demnächst werden wir noch einen Kletterparcours aus Kisten und Paletten für die Ziegen aufbauen. Diese Tiere sind gern auf solchen Hindernissen unterwegs. Überhaupt trägt das Freigehege zu einer besseren und artgerechteren Haltung der Tiere bei“, sagt Daniel Hammer. Doch nicht nur die Vierbeiner profitieren, auch die Besucher des Streichelparadieses. „Das ist schon ein besonderes Erlebnis, die Tiere nicht nur durch ein Gitter hindurch zu berühren, sondern direkt neben sich zu haben“, sagt er. Zu den ersten Gästen gehörten Bewohner aus der durch den Pflegedienst AIR betreuten Wohngemeinschaften aus Liegau. Für sie wurde eine Kaffeetafel in dem weitläufigen Gehege im Stallgebäude aufgebaut. Draußen wäre es einfach zu kalt gewesen. Schafe und Ziegen beschnupperten die Gäste. Die Bewohner der betreuten Wohngemeinschaften reichten den hungrigen Mäulern Leckerlis und streichelten sie nach Herzenslust. Die Nähe der Tiere und die Berührungen: All das bereitete den Betroffenen viel Freude. „Um den von uns betreuten Bewohnern möglichst oft solche Momente zu schaffen. Sie leben dabei sichtlich auf“, sagt Daniel Hammer, Pflegedienstleiter und Prokurist von AIR und Namensvetter von Daniel Hammer vom Verein Wunderland. Im vergangenen Jahr war der Verein mit Schaf „Kanzi“ sogar in der von AIR betreuten Wohngruppe in Liegau. Auch damals war wunderbar zu sehen, wie sich die Bewohner über den Besuch gefreut haben. Vor allem Menschen, die aufgrund ihrer schweren Behinderung sonst kaum eine Regung zeigen. „Da früher viele selbst Schafe auf dem Hof hatten, war diese Begegnung damals und ist auch der Besuch hier im Stall in Wachau sehr emotional.“ Durch die enge Verbindung zum Verein hat der Pflegedienst auch beim Aufbau des Freigeheges geholfen. Für die Errichtung des Zaunes gab es eine Spende.

Futterautomat geplant

Bereits jetzt kommen zahlreiche Wachauer oder auch Besucher aus Radeberg und der Umgebung in den Stall. Für sie soll es künftig noch leichter sein, in das Freigehege zu gelangen. „Wir werden eine Schleuse einrichten, die die Tiere nicht passieren können.“ Zusätzlich ist ein Futterautomat geplant. „Die meisten Besucher wollen die Tiere auch füttern, haben aber nichts dabei. Manche geben ungeeignete Dinge zu fressen. Sie können zu Koliken führen. So ist sicher gestellt, dass nur geeignetes Futter gereicht wird“, sagt der Wachauer. Besonders an den Wochenenden ist der Stall gut besucht. Bis zu 20, 30 Menschen sehen sich die Tiere an. Wunderland sieht diese Arbeit gewissermaßen als Vereinsauftrag an. „Der Verein wurde ja auch zu dem Zweck gegründet, um die Wunder, die hier auf dem Land erlebbar sind, allen ein Stück weit nahezubringen. Dazu trägt natürlich auch unser Stall bei“, sagt Daniel Hammer.

Das Streichelparadies ist der vorläufige Höhepunkt einer ganzen Reihe von Projekten des Vereins. Wunderland wurde 1992 von Familien gegründet, die von der Stadt auf das Land zogen. Kinder vom Fernseher wegholen und ihnen etwas bieten, lautet das Motto. In einem winzigen Stall im Haus am Schlosspark Wachau fingen sie an. Da es immer mehr Mitglieder und auch Tiere wurden, zog der Verein ins Seifersdorfer Rittergut. Später konnte in Wachau eine große Halle gekauft werden. Sie ist inzwischen zur Reithalle umgebaut. Wenig später kamen die benachbarten Ställe dazu, an denen jetzt das Streichelparadies entstand. Für das Engagement ist Wunderland 2014 als „Verein des Jahres“ in der Kategorie „Soziale Region Dresden“ ausgezeichnet worden. Der Wettbewerb wird jedes Jahr von der Ostsächsischen Sparkasse und der SZ ausgerichtet. Wunderland wurde dabei vom Publikum mit rund 1 000 Stimmen Vorsprung vor dem Zweitplatzierten gewählt.