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Mieterparadies Görlitz

Obwohl es immer weniger Wohnungen gibt, klettern die Preise kaum. Doch mittlerweile gibt es auch Ausnahmen.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ingo Kramer

Für die Vermieter ist es ein Fluch, für die Mieter ein Segen: Die Mietpreise in Görlitz sind weiterhin sehr konstant. Das sagt zumindest der Preisspiegel, den der Immobilienverband Deutschland (IVD) jedes Jahr für Sachsen und Sachsen-Anhalt herausbringt. Demnach kostet in Görlitz eine bis 1948 erbaute Altbau-Wohnung mit einfacher Ausstattung 2,90 Euro je Quadratmeter, mit durchschnittlicher Qualität 3,80 Euro, mit guter Qualität 4,20 Euro und mit sehr guter Qualität glatte sechs Euro.

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Görlitzer Vermieter bestätigen diese (Nicht-)Entwicklung teilweise. „Ja, wir bewegen uns hier auf konstant niedrigem Niveau“, sagt beispielsweise Frank Marx von Marx Immobilien. Allerdings gebe es ein paar Ausreißer nach oben: Vor allem gut sanierte Villen lassen sich inzwischen deutlich über dem Schnitt vermieten. Die allgemeine Situation hingegen hänge mit Angebot und Nachfrage zusammen. „Der Abriss in jüngster Zeit hat nicht viel verändert, der Leerstand ist immer noch sehr hoch“, so Marx. Das stelle Eigentümer vor Probleme: Sie wissen, dass sie investieren müssten, um mehr Wohnungen zu vermieten. Weil aber die Mieteinnahmen gering sind, geben ihnen die Banken keine neuen Kredite. Er sieht nur einen Weg aus dem Teufelskreis: „Görlitz bräuchte mehr Zuzug.“

Renata Urdas von Urdas Immobilien nennt noch einen anderen Weg, der zumindest punktuell Erfolg bringt: „Man kann einem Mieter zwei bis drei Monate Mietfreiheit gewähren, wenn er zum Beispiel selbst Laminat verlegt.“ Das habe schon einige Male geklappt. Aktuell hat sie eine Zweiraum-Wohnung in der Bautzener Straße im Angebot, bei der sie auf diesen Weg setzt. Prinzipiell aber kann sie dem IVD-Preisspiegel nicht so recht zustimmen: „Bei schlecht sanierten Wohnungen in der falschen Lage gehen die Preise sogar noch weiter nach unten, bei neu sanierten Wohnungen hingegen lassen sich jetzt sechs Euro je Quadratmeter ansetzen“, sagt Renata Urdas. Noch vor ein bis zwei Jahren habe die Grenze bei fünf Euro gelegen.

Rolf Wiedemann von Immobilien Haa.se & Part hat die Görlitzer Zahlen für den IVD-Preisspiegel zusammengetragen. „Für Görlitz sind dort nur die Werte von mir und meinem Kollegen Andreas Lauer eingeflossen“, erklärt er. Allerdings ist Wiedemann durchaus der Meinung, dass die Zahlen repräsentativ für die gesamte Stadt sind. „Das Hauptproblem“, so Wiedemann, „ist der große Leerstand.“ Zudem sei die Kaufkraft in Görlitz niedrig – und das schon seit 20 Jahren: „Daran wird sich auch in nächster Zeit nichts ändern.“

Frank Heuer von der Gemeinnützigen Wohnungsbaugenossenschaft (GWG) sieht die Lage anders. Zwar hätten Wohnungen, die nicht saniert werden, einen konstanten Preis, „aber viele Wohnungen werden gedämmt und modernisiert, und dann steigt auch der Preis“, sagt er. Zum Glück habe die GWG bei sanierten Wohnungen einen guten Vermietungsstand: „Dort nehmen wir 4,80 bis fünf Euro je Quadratmeter ein und können weiter modernisieren.“ Ein Problem sieht er jedoch beim Landkreis. Der zahlt Hartz-IV-Empfängern schon seit 2009 konstant 3,82 Euro je Quadratmeter für die Kosten der Unterkunft (KdU). „Trotz unserer Hinweise hat der Kreis die Summe nicht erhöht“, beklagt Heuer. Die Zahl sei 2009 in Ordnung gewesen, aber bei steigenden Kosten heute nicht mehr gerechtfertigt. Landkreis-Sprecherin Marina Michel bestätigt die Zahl und erklärt, dass sie anderswo höher ist, in Löbau und Zittau etwa bei 4,05 Euro, in Niesky bei 3,95 Euro.

KdU-Ausgaben erfasst der Landkreis nicht nach Gemeinden getrennt. Für den Gesamtkreis aber gibt es Zahlen. 2012 und 2013 hat der Landkreis jeweils 57,5 Millionen Euro aufgebracht, 2014 werden es voraussichtlich knapp 56 Millionen Euro sein. Gleichzeitig ist die Zahl der Bedarfsgemeinschaften gesunken: Von 19 174 (2012) auf 17 992 (2014). An einer Änderung der KdU-Kosten, die der Landkreis bezahlt, wird laut Marina Michel schon lange gearbeitet. Allerdings sei das sehr aufwendig. Das letzte Wort habe der Kreistag. „Ich denke aber, dass in den nächsten Monaten eine Änderung beschlossen wird“, sagt sie. Die Görlitzer Vermieter warten gespannt darauf. Auf ein Wort