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Militärisches Manöver und barockes Fest an der Elbe in Dresden

Die Teilnehmer des 3.Barockfestes zeigten höfisches Leben und stellten die Beschießung Dresdens durch die Preußen vor 250 Jahren nach.

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Von Bettina Klemm

Die Kanonenschüsse hallen durch die Innenstadt. Am Sonnabend Nachmittag haben Soldaten der preußischen Armee vor dem Narrenhäusel auf die Sachsen am anderen Elbufer geschossen. „Wir stellen die Beschießung Dresdens vom Juli 1760 nach. Dazu kam es, weil sich die Monarchen nicht über einen Frieden einigen konnten“, erläutert Olaf Kommol, der in die Robe von Otto Heinrich Freiherr von Friesen geschlüpft ist. Er ist Veranstalter des 3. Barockfestes, bei dem sich am Wochenende mehr als 250 Leute in höfische oder militär-historische Kleidung gehüllt haben.

Neben ihm steht auf der Brühlschen Terrasse Jutta Nestler. „Vier Jahre lang haben wir daran gearbeitet, dass das Manöver da unter richtig läuft“, sagt sie als Henriette Charlotte Gräfin von Rogucka. Sie spielt die Regimentsinhaberin des churfürstlich-sächsischen 3. Kreisregiments. Ihr helles Kleid aus Damaststoff mit dem reichen Perlenschmuck hat sie selbst genäht. „Ich nähe alles selbst und haben schon 20 derartige Kleider. Ich bin da etwas süchtig“, gesteht Jutta Nestler, die im normalen Leben in der Festung Dresden arbeitet. In ihrer Freizeit gehört sie zum Traditionsverein Dresdner Barock und ist mit ihm zwölf bis 15 Mal im Jahr an den Wochenenden unterwegs.

Auch dieses Mal schlief sie mit ihren Vereinsmitgliedern im Zelt vor dem Japanischen Palais. „Bei dem Mistwetter sind wir eingeregnet. Als ich um halb Drei wach wurde, stand das Zelt knöcheltief unter Wasser“, schildert sie. Glücklicherweise habe sie die wertvolle Kleidung oben ans Zelt gehängt. Ein barockes Kleid koste komplett 600 bis 700 Euro, wenn man es selbst näht.

In Korsage und Reifenrock tritt Studentin Madeleine Taraba auf. Die 24-Jährige spielt Anna Katharina Gräfin Orczelska. Sie stamme aus einer Liebschaft Augusts des Starken mit der Tänzerin Henriette Renard. Auch Madeleine Taraba näht ihre Kleider gern selbst. Sie ist durch die Tanzgruppe Les Amis de la Danse baroque zum dem ungewöhnlichen Hobby gekommen.

Veranstalter Olaf Kommol plant schon das nächste Spektakel. Darüber werden sich wie in diesem Jahr unzählige Dresdner und Touristen freuen. 2011werde wie 2009 wieder die Musik im Mittelpunkt stehen.