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Millioneninvestitionen trotz Corona

Riesas größter Vermieter baut weiter. Unterbrochene Lieferketten in der EU haben aber auch Folgen für hiesige Baustellen.

Hochhaus von oben: In das Objekt Chemnitzer Straße 2 investiert die WGR fünf Millionen Euro. In der Bildmitte ist die Chemnitzer Straße zu sehen, dahinter der Einkaufsmarkt an der Rostocker Straße.
Hochhaus von oben: In das Objekt Chemnitzer Straße 2 investiert die WGR fünf Millionen Euro. In der Bildmitte ist die Chemnitzer Straße zu sehen, dahinter der Einkaufsmarkt an der Rostocker Straße. © Foto: Lutz Weidler

Riesa. Ein Hochhaus ist das größte Projekt der Wohnungsgesellschaft Riesa (WGR) auch im Jahr 2020: In das Gebäude Chemnitzer Straße 2 werden fünf Millionen Euro investiert. Eigentlich sollte das Projekt in Weida nach einem guten Jahr Bauzeit Ende Mai 2020 fertig werden. Jetzt steht fest: Das klappt nicht. Aktuell geht man von Juli 2020 aus. „Die eine oder andere Materiallieferung verzögert sich in diesen Zeiten doch“, sagt WGR-Chef Roland Ledwa.

Zwar hätten die Firmen rechtzeitig Stahl bestellt. Aber Sonderfertigungen etwa kommen teils doch aus Ländern, die noch stärker als Deutschland von Corona-Restriktionen betroffen sind. Und bei Fliesen sei zwar verfügbar, was auf Lager ist – aber nicht das, was etwa aus Italien geliefert werden sollte.

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Ein Blick aus Richtung Innenstadt auf Weida. Vorn das Haus Chemnitzer Straße 2, dahinter die Wohnblöcke auf Greifswalder- und Schweriner Straße.
Ein Blick aus Richtung Innenstadt auf Weida. Vorn das Haus Chemnitzer Straße 2, dahinter die Wohnblöcke auf Greifswalder- und Schweriner Straße. © Foto: Lutz Weidler

„Außerdem können manche Firmen nur eingeschränkt arbeiten, weil Mitarbeiter wegen der Betreuung von Kindern zuhause bleiben müssen“, sagt Ledwa.

Dennoch sei die Verzögerung um zwei Monate noch im Rahmen. Man werde auch nicht gleich Vertragsstrafen an die Firmen verhängen. Die Baukosten sollen nach wie vor bei fünf Millionen Euro bleiben.

Bei der Sanierung des Hochhauses steht der Brandschutz im Mittelpunkt, außerdem bekommt das markante Gebäude eine neue Fassade, Balkone werden erweitert und der Betreuungsbereich umgestaltet. Dort mietet sich das Riesaer Pflegeunternehmen PBZ ein.

Corona-Sperre hilft dem Rasen

Ebenfalls in Weida liegt ein zweiter Investitions-Schwerpunkt der WGR. An der Glauchauer Straße wurden gerade erst 450.000 Euro für die Neugestaltung des Wohnumfelds ausgegeben. Seit April 2019 wurden neue Stellflächen angelegt, Spielplätze und Aufenthaltsbereiche erneuert. Zwar ist der neue Spielplatz wegen der Corona-Ausgangssperren derzeit mit Flatterband abgesperrt. „Aber das verschafft dem neuen Rasen die Gelegenheit, besser anzuwachsen“, sagt Roland Ledwa.

Noch geplant ist dort der Bau einer Carportanlage: Bei den fertiggestellten Stellflächen habe es großen Bedarf gegeben, obwohl im Umfeld ja mehrere Häuser abgerissen wurden. „Wir hoffen jetzt nur noch, dass auch die beiden Stellflächen für Elektroautos in den nächsten Jahren angenommen werden“, sagt Ledwa. Während die normalen Parkplätze kostenfrei genutzt werden dürfen, wird für die geplante Carport-Anlage ein monatlicher Mietpreis anfallen. 15 Plätze soll sie bieten – und sich mit einem begrünten Dach gut in die Umgebung einfügen.

Die Grünflächen und Spielplätze werden übrigens gut von Kindergruppen aus der Grundschule Weida und den benachbarten Kindergärten angenommen, sagt WGR-Prokurist Reiner Striegler.

Ein ganzer Block muss weg

Wenige Hundert Meter von der Glauchauer Straße liegt die nächste geplante Großbaustelle der WGR: Im Herbst soll der Wohnblock Segouer Straße 2-16 abgerissen werden. Das kostet etwa eine Million Euro und ist der weiteren Einwohnerentwicklung Riesas geschuldet. Auch der zweitgrößte Riesaer Vermieter, die Wohnungsgenossenschaft Riesa, hatte gerade erst einen Wohnblock abgerissen. Da nach wie vor deutlich mehr Riesaer sterben, als geboren werden, dürfte sich das auch nicht von heute auf morgen ändern.

Im Karree Karl-Marx-Ring/Klötzerstraße wurden die meisten Blöcke der WGR schon verkleinert und modernisiert (Foto). Ab Mai soll mit dem Karl-Marx-Ring 18-24 der letzte Block folgen.
Im Karree Karl-Marx-Ring/Klötzerstraße wurden die meisten Blöcke der WGR schon verkleinert und modernisiert (Foto). Ab Mai soll mit dem Karl-Marx-Ring 18-24 der letzte Block folgen. © Lutz Weidler
Der Abriss des Blocks Segouer Straße 2-16 ist im Herbst 2020 geplant. Das wird voraussichtlich eine Million Euro kosten.
Der Abriss des Blocks Segouer Straße 2-16 ist im Herbst 2020 geplant. Das wird voraussichtlich eine Million Euro kosten. © Lutz Weidler
An der Glauchauer Straße hat die WGR fast eine halbe Million Euro in die Gestaltung des Wohnumfelds investiert. Wegen der Corona-Verbote ist allerdings auch dieser neue Spielplatz gesperrt.
An der Glauchauer Straße hat die WGR fast eine halbe Million Euro in die Gestaltung des Wohnumfelds investiert. Wegen der Corona-Verbote ist allerdings auch dieser neue Spielplatz gesperrt. © Lutz Weidler
Dutzende neuer Stellflächen hat die WGR an der Glauchauer Straße geschaffen. Sie werden auch gut angenommen. Nun kommt noch eine Carport-Anlage dazu. Die kostet allerdings Miete.
Dutzende neuer Stellflächen hat die WGR an der Glauchauer Straße geschaffen. Sie werden auch gut angenommen. Nun kommt noch eine Carport-Anlage dazu. Die kostet allerdings Miete. © Lutz Weidler

Einen anderen Weg geht die WGR am Karl-Marx-Ring: In dem Wohnblock-Karree dort hatte der Großvermieter bereits vier seiner fünf Blöcke durch die Demontage der oberen Geschosse verkleinert und die verbliebenen Wohnungen umgebaut und saniert. Dieses Jahr soll mit dem Haus Karl-Marx-Ring 18-24 der Letzte der fünf Blöcke umgebaut werden. 

Dort hatte man bereits im April 2019 angefangen, die oberen Geschosse leerzuziehen. Im Mai soll nun der Rückbau der beiden oberen Etagen mit insgesamt 16 Wohnungen beginnen. Bis Dezember 2020 soll das Haus komplett saniert und damit ähnlich schick wie seine Nachbarn werden. 

Das kostet allerdings – rund drei Millionen Euro. „Ein Teilrückbau ist etwa zweieinhalb Mal so teuer wie ein Komplettabriss“, sagt Reiner Striegler. „Schließlich muss da viel vorsichtiger abgerissen werden.“ Damit macht man bei der WGR ähnliche Erfahrungen wie bei der Genossenschaft. Die sanierten Wohnungen in Innenstadtnähe sind allerdings gefragt.

Noch eine größere Baustelle plant die WGR an der Grenze von Gröba zu Merzdorf: Der Block Heinz-Steyer-Straße 4a-d wird mehrere Aufzüge außen dran gebaut bekommen. Damit das nicht so klobig aussieht, werden die Anbauten verglast. 

Weil die Kosten zum Teil auf die Miete umgelegt werden, gab es zuvor eine Mieterversammlung mit allen Mietern – und „im wesentlichen“ Zustimmung, so die WGR. „Schon vor Jahren hatten einige Mieter nach Aufzügen gefragt“, sagt Roland Ledwa. „Weil sie gerne in ihren Wohnungen alt werden möchten.“

Hundertprozentig barrierefrei werden die Wohnungen durch die Aufzüge allerdings auch nicht: Weil sie jeweils an die Treppenabsätze des Treppenhauses anbinden, bleibt für die Bewohner immer noch eine halbe Treppe zum Steigen übrig. Allerdings dürfte es schon einen Unterschied machen, ob man wenige Stufen zu Fuß erklimmen muss – oder ganze fünf Etagen.

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Dazu kommen in diesem Jahr wie immer die Kosten für die allgemeine Instandhaltung. Klingt banal, kann aber im Einzelfall auch schnell mal eine Viertelmillion Euro ausmachen – wie am Wohnblock Hohe Straße 26: Dort werden bis Oktober 2020 das Dach und die Fassade erneuert. Anschließend soll sich der Block Baujahr 1988, der eine Lücke zwischen Gründerzeit-Bebauung schließt, etwas harmonischer in die Umgebung einfügen: Die Fassade wird farblich so gestaltet, dass der Block nicht mehr ganz so wuchtig wirkt.

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