merken
PLUS

Mindestlohn spaltet Dresdner Dienstleister

Taxifahrer und Gastronomen bangen vor der Einführung. Viele Friseure haben ihn schon – mit Folgen für die Kunden.

Von Christiane Raatz

Am Mindestlohn führt kein Weg vorbei. Meint zumindest Heike Eichler, Geschäftsführerin der Friseurgenossenschaft Figaro Dresden. Sie hat ihn in den elf Filialen zum 1. September 2013 eingeführt – freiwillig. Zwar geht es auch um den Aspekt, dass Unternehmen nachzahlen müssen, wenn erst einmal die Allgemeinverbindlichkeit kommt. Aber Heike Eichler ist überzeugt, dass sich in der Friseurbranche einiges ändern muss in Sachen Lohn. Alle 80 Mitarbeiter bekommen nun mindestens 6,50 Euro pro Stunde. „Das kam bei allen positiv an.“ Schon vorher herrschte in der Genossenschaft das Prinzip Bezahlung nach Leistung. Jeder Mitarbeiter konnte seinen Grundlohn mit einer Leistungsprämie aufstocken. Auch künftig wird guter Umsatz honoriert. Bis 2015 soll der Tariflohn stufenweise weiter auf 8,50 Euro pro Stunde steigen.

TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen

Was ist los in Sachsen und Umland? Wo gibt es was zu erleben? Unsere Top-Veranstaltungen der Woche!

Die Kosten musste das Unternehmen an die Kunden weiterreichen. Die Preise für das Haareschneiden, Färben und Föhnen sind im Schnitt zwischen 10 und 15 Prozent gestiegen. Das macht bei einem Damenschnitt etwa drei bis vier Euro aus. „Ein wenig Herzklopfen und Sorge hatten wir, wie die Kunden darauf reagieren“, räumt Heike Eichler ein. Sie wurde positiv überrascht. Die meisten waren bereit, für eine bessere Bezahlung der Friseure tiefer in die Tasche zu greifen. „Solange es Mitbewerber gibt, die einen Haarschnitt schon für 10 Euro anbieten, wird es immer Kunden geben, die sparen wollen“, sagt Heike Eichler. Mit der Konkurrenz müsse man leben. Dennoch steht sie zu dem Konzept Mindestlohn. „Wer leistungsgerecht bezahlt wird, geht motiviert an seine Arbeit.“ Das spiegelt sich in der Qualität wider.

Auch die Friseurkette Klier, die in Dresden elf Salons betreibt, hat den Mindestlohn zunächst getestet und die Einführung mit dem Projekt „Faire Preise – Faire Löhne“ vorangetrieben. In Dresden sind die Preise für einen Haarschnitt um drei bis vier Euro gestiegen. „Die meisten Kunden haben das mitgetragen, weil sie wissen, dass es den Friseuren zugute kommt“, sagt ein Sprecher.

Haareschneiden wird teurer

Gewerkschaften und Friseure hatten sich im Juni erstmals auf einen Tarifvertrag zur Einführung eines bundesweiten Mindestlohns verständigt. Die Regelung gilt seit dem 1. August für tarifgebundene Betriebe. Derzeit prüft das Bundesarbeitsministerium, ob der zugrunde liegende Tarifvertrag repräsentativ – und damit verbindlich für alle Betriebe der Branche ist.

Tatsächlich ist die Lohnerhöhung auf den ersten Blick kräftig: Seit 2004 ist in Sachsen kein neuer Tarifvertrag abgeschlossen worden. In dem alten steht noch ein Mindestlohn von 3,82 Euro für Anfänger. So niedrige Tarife seien in der Branche längst nicht mehr üblich, sagt Rudolf Rehn, Obermeister der Dresdner Friseurinnung. „Es gibt eine ganze Menge von Unternehmen, die mehr als die geforderten 6,50 Euro zahlen.“ Üblich seien Grundlohn und vom Umsatz abhängige Prämien. Allerdings gebe es auch im Friseurhandwerk schwarze Schafe, die Haarschnitte für Dumpingpreise anbieten. Der Mindestlohn könnte für eine Marktbereinigung sorgen, meint Rehn. Wenn auch die Gefahr besteht, dass die Schwarzarbeit zunimmt. Wie viele der rund 100 in der Dresdner Innung organisierten Mitglieder bisher einen Mindestlohn eingeführt haben, kann der Innungsmeister nicht sagen. „Wir haben aber allen Mitgliedern empfohlen, die 6,50 Euro zu zahlen. „Ansonsten drohten den Unternehmen Nachzahlungen zum 1. August 2013. Einem bundesweit einheitlichen Mindestlohn steht Rehn skeptisch gegenüber. Er spricht sich stattdessen für Tarifautonomie aus. „Vor allem regionale Gegebenheiten sollten beachtet werden.“

Die Dresdner Taxigenossenschaft sorgt sich wegen einer Einführung eines Mindestlohns. „Das ist im Moment für uns einfach nicht möglich“, erklärt Vorstand Henry Roßberg. In der Taxi-Genossenschaft sind rund 480 Fahrzeuge vertreten. Anders als Friseure könnten die Taxifahrer die zusätzlichen Kosten nicht auf die Fahrpreise umlegen. Erst zum 1. September sind diese in Dresden gestiegen. Klettern die Preise in die Höhe, könnten die Kunden wegbleiben – oder umsteigen, so die Befürchtung. Ähnliche Probleme sieht auch Dehoga-Dresden-Geschäftsführer Gerhard Schwabe auf die Hotel- und Gastronomiebranche zukommen. Komme der flächendeckende Mindestlohn, müssten Unternehmen etwa bei den Sozialabgaben entlastet werden. Andernfalls drohten vielerorts Entlassungen. „Jeder sollte von seinem Lohn leben können“, betont Schwabe. Die Tarife sollten allerdings auf die Region zugeschnitten sein. „Nur das ist sinnvoll.“