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Mit Bobo durchs Schloss

Wer in der Gaststätte Meja in Radibor eine Veranstaltung bucht, bekommt dort nicht nur etwas zu essen.

© Uwe Soeder

Von Kerstin Fiedler

Radibor. Nein, als Schlossherr fühlt er sich nicht. Aber es ist eine coole Sache, so durchs Schloss schlendern zu können. Der das sagt, heißt Bobo Wenzel, wohnt in Camina, ist 23 Jahre und Mitglied im Jugendclub Radibor. Sein richtiger Vorname soll nicht in der Zeitung stehen, weil den sowieso keiner kennt, sagt er verschmitzt. Bobo ist ein Spitzname, der aus dem Sorbischen stammt. Woher genau? Bobo zuckt die Schultern. „Ich heiße schon immer so.“

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Es wird langsam dunkel in Radibor, als Katrin Wandelt von der Gaststätte Meja mit Glühwein ins Schloss kommt. Dort wartet sie auf eine Gruppe, die gerade noch Schulungen in der Meja hatte. Mitarbeiter der Firma Retschke & Zschornack aus Camina gönnen sich als Ausgleich eine Schlossbesichtigung. Es sind einige dabei, die das Schloss von früher kennen. Firmenchef Thomas Retschke schaut sich um und staunt. Und ist sauer, dass nach der Wende alles rausgerissen wurde. Im Erdgeschoss erklärt jemand, dass dieser Raum das Speisezimmer war, und dass dort ein Klavier stand. Erinnerungen werden wach. Und Bobo hört genau zu. Denn die Geschichte des Schlosses ist ihm noch ziemlich unbekannt. „Werd ich mich wohl mal mit beschäftigen müssen“, überlegt er.

Dass er einen Schlüssel zum Schloss besitzt, hat damit zu tun, dass die Mitglieder des Jugendclubs schon seit Jahren dem Schlossherrn Erwin Feurer helfen. „Na ja, als Nachbarn macht man das doch“, sagt Bobo. Er erinnert sich noch gern an die Anfangszeit, als hier ganz viel passiert ist. „Wir haben auch eine alte Mauer abgerissen und eine neue gesetzt“, sagt Bobo. Er findet das Schloss toll. Gerade das alte Bild in dem großen Raum im ersten Geschoss, das Bauern aus den Anfängen der DDR bei der Arbeit zeigt. Und er ist begeistert, wenn die Sonne das Schloss anstrahlt. In der alten Turnhalle hat Bobo eine kleine Werkstatt. „Wenn ich von dort auf die Mauern schaue und die Sonne scheint, dann strahlt die gelbe Farbe richtig“, schwärmt er.

Mini-Schlössertour

Wenn er es einrichten kann, lässt er Gruppen, die sich vorher anmelden, auch ins Schloss. So war mal eine Abschlussklasse mit Lehrern hier, die im Schloss noch unterrichtet haben. Aber ansonsten ist der Servicetechniker für Melkanlagen auch viel unterwegs – auch mal am Wochenende oder nachts. „Die Arbeit ist super interessant, und ich komme viel rum“, sagt Bobo. Gemeinsam mit Katrin Wandelt wird er nun die Besichtigungen machen, wenn es von den Gästen der Meja gewünscht wird.

Katrin Wandelt freut sich, für die Meja noch etwas Zusätzliches anbieten zu können. Im neuen Jahr will sie mit Erwin Feurer reden, in welcher Form man das ausbauen kann. Derzeit gibt es die Besichtigungen nur über die Gaststätte. „Es ist oft so gewesen, dass zwischen Kaffee trinken und Abendbrot Luft war. Da ist dieses Angebot super“, findet Katrin Wandelt. Mit ihrem „schwunghaften Gemüt“, wie sie es selbst bezeichnet, hat sie auch schon neue Ideen für die Meja. Die Gaststätte hat sich neben dem Catering vor allem auf Feiern spezialisiert. Mit einer Hochzeit im Oktober fingen die Schlossbesichtigungen an. Nun sollen auch Busreisen nach Radibor kommen. „Wir wollen eine Mini-Schlössertour anbieten von Radibor nach Milkel und Spreewiese“, sagt Katrin Wandelt. Und die Verpflegung übernimmt das Team der Meja. „Mit Spreewiese pflegen wir eine tolle Zusammenarbeit zum Beispiel bei Hochzeiten, die dort im Schloss stattfinden“, sagt Katrin Wandelt.

Für Bobo, der während der Besichtigung auch den alten Schallplattenspieler anwirft, war dieser Besuch sehr lehrreich. Er würde gern weiterhin Interessenten das Schloss zeigen. Und sich bis dahin auch mit der Geschichte beschäftigen.