SZ +
Merken

Mit der Straßenbahn in den Hauptbahnhof Chemnitz

Für 110 Millionen Euro entsteht hier ein moderner Bahnknoten. Das bringt Einschränkungen mit sich.

Teilen
Folgen

Von Brigitte Pfüller, Chemnitz

Der Hauptbahnhof Chemnitz ist gegenwärtig eine riesige Baustelle. Zwar können Reisende die Eingangshalle ohne Probleme betreten, aber wenn sie auf die Bahnsteige wollen, müssen sie an Baustellen vorbei oder Umwege gehen. Die Züge fahren von anderen Bahnsteigen ab, mancher wird zum Bus. „Es wird in den nächsten Monaten noch oft Schienenersatzverkehr geben“, sagt Projektingenieur Harald Dix, der den Umbau des Eisenbahnknotens Chemnitz für die DB Projektbau GmbH betreut.

Die Bahn investiert hier mehr als 110 Millionen Euro. Damit soll in Chemnitz bis 2013 ein modernes Eisenbahnkreuz entstehen. Das allerdings bedingt manchen Einschnitt für die Reisenden, denn der laufende Betrieb wird praktisch von der einen auf die andere Hälfte des Bahnhofs verlagert. Dabei verschwinden alte Gebäude, Gleise und Bahnhofsanlagen. Einige Gleise verschwinden ganz, sodass sich die Zahl der Bahnsteige um zwei auf 14 verringert. Zugleich werden Brücken, Weichen, Signalanlagen und Gleise erneuert.

Auch im Bahnhof werden neue Schienen verlegt und Bahnsteige umgebaut. Zugleich wird Chemnitz mit der zentralen Stellwerkssteuerung in Leipzig verbunden. Am vergangenen Wochenende sah der Bahnhof deshalb 56 Stunden lang keinen einzigen Zug. Mehrere alte Stellwerke wurden abgerissen.

Deutlichste Veränderung im Hauptbahnhof aber ist der Umbau für das sogenannte Chemnitzer Modell. Künftig werden Straßenbahnen direkt in den Hauptbahnhof fahren. Dann setzen sie ihre Fahrt auf Eisenbahngleisen ins Umland fort, zum Beispiel nach Hainichen oder Burgstädt. Ein Teil der seitlichen Bahnhofsfassade wurde bereits abgerissen, um freie Fahrt für die „Straßenbahnzüge“ zu schaffen.

Die erste Pilotstrecke, Chemnitz–Stollberg, die vor zehn Jahren in Betrieb ging, hat ihre Bewährungsprobe bestanden. In der Innenstadt fährt sie auf den Gleisen der Straßenbahnlinie 6 vom Vorplatz des Hauptbahnhof bis Altchemnitz und von dort auf Eisenbahngleisen nach Stollberg. Die Fahrgastzahlen stiegen seit 2002 auf mehr das Sechsfache. Künftig wird die regionale City-Bahn im Hauptbahnhof die Gleise 1 bis 4 für ihren Kombiverkehr erhalten. Die Gleise 5 bis 14 bleiben bei der Deutschen Bahn AG. Sie werden von der DB Regio oder regionalen Bahntöchtern wie der Erzgebirgsbahn genutzt. Überregionale Verbindungen gibt es von Chemnitz aus nur noch auf der Sachsenmagistrale nach Dresden oder nach Hof sowie nach Leipzig. Eine DB-Direktverbindung der Bahn nach Berlin soll es nicht wieder geben. Die Linie wird nur zweimal am Tag von der privaten Vogtlandbahn bedient.

Auch fürs Innere des Hauptbahnhofes gibt es noch Hoffnung. Im März soll ein Konzept dafür vorliegen. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass sich auch die Außenwirkung und das Parkplatzproblem verbessern lassen. „In Dresden-Neustadt gibt es eine Möglichkeit, für drei Euro am Tag zu parken. So etwas wäre auch für Chemnitz wünschenswert“, sagt Dietmar Lippert, Leiter des Bahnhofsmanagementes. Etwa 30000 Reisende pro Tag nutzen den Hauptbahnhof.

Fahrplanänderungen:

www.bahn.de/bauarbeiten