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Weißwasser

Wie Weißwasser der lokalen Wirtschaft hilft

Die Stadt kurbelt nach dem Corona-Stillstand den Betrieb in Läden und Gaststätten an. Mit einer besonderen Aktion, für die sie Geld im Haushalt findet.

Als einer der ersten Geschäftsinhaber stellte Tobias Hemmo (links), Schuh- und Lederwaren, Gutscheine zur Verfügung. Einen Teil davon sogar auf eigene Kosten. Daniel Piche (rechts) vom Bistro und Hotel Kristall, beteiligt sich an der Aktion, damit die Vie
Als einer der ersten Geschäftsinhaber stellte Tobias Hemmo (links), Schuh- und Lederwaren, Gutscheine zur Verfügung. Einen Teil davon sogar auf eigene Kosten. Daniel Piche (rechts) vom Bistro und Hotel Kristall, beteiligt sich an der Aktion, damit die Vie © Constanze Knappe

City-Gutscheine oder Corona-Gutscheine, da ließe sich so Einiges hineininterpretieren, findet Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Die Stadt kauft Gutscheine und verteilt sie an Vereine. Damit soll nach dem wochenlangen Stillstand die lokale Wirtschaft in Weißwasser angekurbelt werden. 

So simpel das auch klingen mag, bei der Umsetzung galt es doch, so einiges zu bedenken. Etwa, wer mit der Aktion bedacht und vor allem, wie sie finanziert werden soll. „Ein kleines Kreativteam der Stadt“ hat sich die Sache überlegt. Schnell war man sich darin einig, dass nur Firmen gefördert werden, die wegen Corona schließen mussten. Apotheken, Bäcker oder Fleischer bleiben somit außen vor. 

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Unterstützt werden ortsansässige und inhabergeführte Geschäfte, womit Filialen von Handelsketten ebenfalls raus sind. Nach einer durchaus heftigen Diskussion wurde entschieden, nicht nur die Innenstadt, sondern das ganze Stadtgebiet zu betrachten. So werden rund 60 Händler und Dienstleister einbezogen wie auch an die 30 Gastronomen. Pro Geschäft oder Gaststätte kauft die Stadt zehn Gutscheine zu je 10 Euro, also im Gesamtwert von 100 Euro. Die Gewerbetreibenden stellen die Gutscheine zur Verfügung – „mit viel Liebe und Harmonie eingetütet“, so der OB schmunzelnd. 

Zusammen mit der Rechnung sind sie in den Briefkasten der Stadtverwaltung einzuwerfen. Denn wegen der nach wie vor geltenden Hygienevorschriften und Kontaktbeschränkungen dürfe im Rathaus nichts persönlich abgegeben werden. Die Stadt bezahlt die Rechnung, so kommen die Betreffenden recht schnell zu ihrem Geld.

Weißwasser stellt für das Projekt „Gutscheine für Lebensqualität“ maximal 10.000 Euro bereit. Im Haushaltsplan ist die Summe so nicht enthalten. Dafür sind im Bereich Wirtschaftsförderung Teilnehmergebühren sowie Fahrt- und Übernachtungskosten zu Messen eingestellt, die ja bis auf Weiteres nicht stattfinden. Außerdem werden Mittel genutzt, die für andere städtische Aktivitäten vorgesehen waren, aber wegen der aktuellen Beschränkungen nicht gebraucht werden. Der Stadtrat Weißwasser tagt wegen Corona nicht. Ein Beschluss im Umlaufverfahren sei aber nicht nötig, da er eine Ausgabe in dieser Höhe als OB selbst entscheiden könne, erklärt Torsten Pötzsch. Zwar sei im Stadtrat schon um wesentlich niedrigere Beträge gestritten worden, aber die Diskussion müsse man aushalten, sagt er.

Verteilt werden die Gutscheine an Vereine und da wiederum an die, die unter den Corona-Beschränkungen besonders leiden mussten, deren Feste, Ehrungen oder andere Aktionen im kulturellen, sportlichen und sozialen Bereich ausfallen mussten. Sie können die Gutscheine als kleines Dankeschön an Mitglieder weitergeben – und als Anreiz, sich in der Stadt zu engagieren.

Vielfalt in der Stadt erhalten

In den sozialen Medien wurde die Ankündigung der Aktion nicht nur positiv aufgenommen. Kritisiert wurde, ob die Stadt nichts anderes zu tun habe, aber auch, wieso die Aktion erst jetzt stattfindet, wo doch die Läden wieder offen sind. „Mit einem genehmigten Haushalt wäre es viel schneller gegangen“, hält Torsten Pötzsch dagegen. Zudem würde das Vereinsleben ja erst jetzt langsam wieder hochfahren.

Ganz anders die Reaktion bei den Gewerbetreibenden. Daniel Piche vom Bistro und Hotel Kristall in Weißwasser findet die Aktion toll. „Die 100 Euro werden nicht der Heilsbringer sein, aber es ist ein Ausdruck der Wertschätzung und ein Beitrag, dass die Vielfalt in der Stadt erhalten bleibt“, erklärt er. Außerdem sei es ein Anstoß, dass die Menschen die Region wieder bewusster wahrnehmen, dass in Läden und Gaststätten Mitarbeiter dahinterstehen und die Schließung ganze Familien betrifft.

„Ein schöner Nebeneffekt könnte sein, dass neue Kunden in die Geschäfte kommen“, so der OB. Trotz der Lockerungen für den Handel seien die Kunden noch zurückhaltend. Insofern sei die Gutschein-Aktion als Initialzündung zu verstehen. Vonseiten der Wohnungsbaugesellschaft Weißwasser mbH (WBG) wurde bereits Zustimmung signalisiert. Man könne sich vorstellen, Mieter zu Jubiläen statt mit Blumen mit einem Gutschein zu überraschen, hieß es. Dass die WBG die Gutscheine bei Gewerbetreibenden bezieht, die bei ihr eingemietet sind, ist nachvollziehbar.

„Trittbrettfahrer sind erwünscht“, betont Torsten Pötzsch. Das meint andere Unternehmen in der Stadt, aber vor allem auch Bürger, die beispielsweise zu Weihnachten Gutscheine verschenken könnten. „Je mehr sich beteiligen, umso besser“, bekräftigt Citymanager Frank Lublow.

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