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Mit Geld vom Golf für das Auto der Zukunft

Stuttgart. Daimler rüstet sich mit dem neuen Großinvestor aus Abu Dhabi für die Zukunft und will mit frischen Milliarden die Entwicklung von alternativen Antrieben vorantreiben. Vorstandschef Dieter Zetsche...

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Stuttgart. Daimler rüstet sich mit dem neuen Großinvestor aus Abu Dhabi für die Zukunft und will mit frischen Milliarden die Entwicklung von alternativen Antrieben vorantreiben. Vorstandschef Dieter Zetsche sagte gestern in Stuttgart, der Einstieg der staatlichen Investmentgesellschaft Aabar sei ein Zeichen der Stärke. Der Chef von Aabar, Khadem Al Qubaisi, sagte, man wolle sich langfristig engagieren. „Es ist am besten zu kaufen, wenn Panik herrscht auf dem Markt.“

Zetsche nannte Aabar als einen „Schlüsselinvestor“, mit dem der Konzern auch seine Kapitalsituation verbessere. Die Investmentgesellschaft mit Sitz in Abu Dhabi beteilige sich über eine Kapitalerhöhung mit 9,1 Prozent der Anteile, teilte Zetsche mit. Für den Einstieg der Investmentgesellschaft erhöht Daimler das Grundkapital um zehn Prozent, die neu ausgegebenen Aktien gehen zum Preis von 20,27 Euro an Aabar. Damit fließen dem Unternehmen 1,95 Milliarden Euro an neuem Eigenkapital zu.

Mit dem Investor schützt sich Daimler nicht vor feindlicher Übernahme. Mit Kuwait und Aabar besitzen arabische Staatsfonds künftig 16 Prozent der Anteile. Zetsche sagte, die Gefahr sei nicht höher oder niedriger als vor einem Jahr. Der neue Großaktionär schloss eine Erhöhung des Anteils nicht aus.

Aabar ist in Deutschland schon an der MAN-Dienstleistungssparte Ferrostaal beteiligt. Die Investmentgesellschaft steckt ihr Geld in unterschiedliche Branchen, die Energie, Infrastruktur, Immobilien sowie Automotive und Financial Service-Firmen einschließen. Aabar wird von der International Petroleum Investment Company (IPIC) kontrolliert, die sich im Besitz der Regierung des Emirats Abu Dhabi befindet. Das Emirat versucht so, seine Abhängigkeit vom Öl zu verringern.

Der Einstieg des Emirates stabilisiert nach Ansicht des Autoexperten Willi Diez den von der Absatzkrise gezeichneten Stuttgarter Hersteller. Mit dem Staatsfonds Aabar habe das Unternehmen einen langfristig orientierten strategischen Partner gefunden, sagte der Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen-Geislingen gestern der dpa. „Das ist unter langfristigen Gesichtspunkten wichtig, weil Daimler der deutsche Autohersteller mit der unsichersten Aktionärsstruktur ist“, sagte Diez. „Auch das Geld tut Daimler gut.“

Das frische Kapital müsse vor allem in Zukunftstechnologien gesteckt werden. „Daimler muss massiv in neue Antriebstechniken investieren“, sagte Diez. Dabei gehe es um die Optimierung von Verbrennungsmotoren bis hin zum Elektroauto. Infrage kämen die kleineren Modelle wie A- und B-Klasse. Der Einstieg des Golfstaats minimiere die Gefahr, dass Hedge-Fonds, die kein langfristiges strategisches Interesse haben und Daimler schaden könnten, einsteigen. „Daimler ist der Autohersteller, der an der Börse am stärksten unterbewertet ist“, so Diez. Im Vergleich zum Herbst 2007 ist die Marktkapitalisierung um drei Viertel eingebrochen.

Zwischenzeitlich waren die Stuttgarter an der Börse weniger als 20 Milliarden Euro wert. (AP/dpa)