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Mit Millioneninvestition an die Spitze

Pirna. In 15 Jahren ist aus der Copitzer Gießerei ein hochmoderner Betrieb geworden.

Von Peter Hilbert

Wenn die Familie Schmees nicht gekommen wäre, wäre der Betrieb heute weg vom Fenster.“ Dessen ist sich Jürgen Plattner sicher. 47 Jahre war der Pirnaer in der früheren Gießerei und den späteren Edelstahlwerken Schmees beschäftigt, lange Zeit als Werkleiter. Der heute 67-jährige Ruheständler weiß, dass Anfang der 1990er Jahre die Zukunft des Betriebes auf Messers Schneide stand. Die Treuhand wollte ihn 1992 schließen.

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Dann kam die Unternehmerfamilie Schmees aus dem rheinländischen Langenfeld und wollte den Betrieb übernehmen. Nach zähen Verhandlungen stand am 13. Oktober 1992 die Unterschrift unter dem Kaufvertrag für das marode Unternehmen. „Das war für uns ein Glück“, resümiert Plattner noch heute.

Geschäftsführer Clemens Schmees, der das Familienunternehmen von seinem Vater Dieter übernommen hat, erinnert sich an seinen ersten Besuch in Pirna Anfang 1992. Werkleiter Plattner habe ihm damals den maroden Betrieb gezeigt. Der Pförtner war nur damit beschäftigt, Wassereimer hinaus zu schleppen. Denn die Dächer waren an allen Ecken und Enden undicht. „Als wir uns verabschiedet hatten, habe ich zu meinem Vater gesagt: Hoffentlich sehen wir die Bude nie wieder“, erinnert sich der heute 50-Jährige Firmenchef.

Doch es kam anders. Im Mai 1992 brannte es in den Langenfelder Edelstahlwerken. Da erinnerte sich Clemens Schmees wieder an die Pirnaer. Ein Anruf bei Jürgen Plattner genügte. Noch am gleichen Tag war ein Hilfsteam aus Pirna 600Kilometer ins Rheinland gekommen. „Nach zwei Tagen lief unser Betrieb wieder. Von dem Zeitpunkt an waren wir den Pirnaern zu Dank verpflichtet“, sagt Schmees. „Wir dachten, wenn wir jetzt nach Pirna gehen, können wir keinen Reinfall erleben.“

Nach der Übernahme ging es Schlag auf Schlag voran. Die anfangs 59 Mitarbeiter zogen kräftig mit. „Zu tun gab es genug, um das Werk in Schuss zu bringen“, weiß Firmenchef Schmees. Wurde im alten Betrieb „Wald- und Wiesenguss“ hergestellt, sollte schnell Edelstahl die Betriebstore verlassen. Schon im April 1993 wurde ein hochmoderner Mittelfrequenz-Tiegelofen, der eigentlich für Langenfeld bestimmt war, nach Pirna geliefert. Aufträge wurden vom rheinländischen Stammsitz nach Pirna übertragen, damit der Betrieb anläuft. Das erste Edelstahlgussstück war eine Kutterschüssel zur Fleischverarbeitung.

15,5 Millionen Euro wurden seitdem investiert. „Bis auf den alten Lichtbogenofen, einige Kranbrücken und Mauern ist alles neu“, sagt der Firmenchef. Der Laden brummt. Die Mitarbeiterzahl ist auf 258 gewachsen. Wurden 1993 noch 500 Tonnen Stahl hergestellt, so werden es dieses Jahr 3500Tonnen. Der Anteil hochwertiger Edelstähle ist auf 40 Prozent gestiegen.

Turbinengehäuse für das weltgrößte Wasserkraftwerk am Jangtse in China und Pumpengehäuse für Meerwasserentsalzungsanlagen sind nur einige der Großerzeugnisse, die in Pirna hergestellt werden. Der Betrieb habe sich zu einem Spitzenunternehmen der Branche entwickelt.

Besonderen Herausforderungen stellte sich die Firma bei der Fertigung mehrerer Kunstwerke. Davon kann der Pirnaer Werkleiter Johann Unglaub ein Lied singen. „Gegossene Kunst stellt höchste Anforderungen an das Können des Gießers“, weiß er. Dennoch wagte sich das Team daran. Mittlerweile finden sich die in Pirna hergestellten Edelstahl-Kunstwerke an vielen prominenten Plätzen wieder.

Das jüngste Werk ist die vom Bremer Künstler Thomas Kuby entworfene Edelstahlskulptur „Flexion“ (Foto l.). Seit vergangenem Jahr steht sie vor der Zentrale der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in Eschborn bei Frankfurt/M. und kündet vom Können der Pirnaer Edelstahlwerker.