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Mit Schlagring in den Urlaub

Verbotene Dinge im Gepäck, fehlende Dokumente: Der Abflug ins Ausland hat seine Tücken. Vor allem für Familien.

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© Sven Ellger

Von Tobias Wolf

Die Geschäftsfrau hat es eilig, sie hält dem Bundespolizisten eine kleine Flasche hin: „Darf ich das mitnehmen?“ Der Beamte am Schalter nickt, die Frau kann zu ihrem Flugsteig gehen. Die Flasche mit der Kontaktlinsenflüssigkeit gilt als Medikament. Auch Kindernahrung wäre kein Problem, wenn der Nachwuchs auch mitfliegt.

Nicht immer ist es so einfach am Dresdner Flughafen. Messer, Nagelfeilen, Scheren: Über 1 000 mal sind im vergangenen Jahr verbotene Gegenstände im Handgepäck von Reisenden entdeckt worden. Vor allem in der Hauptreisezeit im Sommer. Auch jetzt machen sich wieder viele per Flug auf den Weg in den Urlaub. Die Tücken hat dabei nicht jeder im Blick, sagt Bundespolizeisprecher Holger Uhlitzsch.

Vollmacht sollte dabei sein

Deshalb will der 35-Jährige mit seinen Kollegen am Freitag die Passagiere am Flughafen sensibilisieren. Die Probleme beginnen mit den Reisedokumenten. Mancher muss zum Flug und der Pass oder Personalausweis ist abgelaufen. Hier können die Bundespolizisten schnell helfen und für acht Euro einen Reiseausweis ausstellen. „Da arbeiten wir wie eine Passbehörde“, sagt Uhlitzsch. „Das geht nur, wenn das alte Dokument vorliegt und mitgenommen wird.“ Auch andere amtliche Papiere wie ein Binnenschiffer-Ausweis sind geeignet, der Führerschein aber nicht. Der Ersatzausweis gilt für die Reisedauer, maximal vier Wochen. Alle EU-Staaten erkennen ihn an, außerhalb nur einige und nur zusammen mit dem abgelaufenen Pass, so Kanada, Schweiz, Kroatien oder die Malediven.

Aber auch der Ersatzausweis nützt bei mancher Familientour nichts. „Großeltern und Enkel haben oft verschiedene Nachnamen, da müssen wir aufpassen, damit Kinder nicht ohne Zustimmung der Eltern ausreisen oder gar entführt werden“, sagt Uhlitzsch.

Deshalb sollte immer eine Vollmacht mit der Unterschrift der Eltern dabei sein, am besten mit Ausweiskopien von Mutter und Vater. Sonst endet es unschön.

Wie bei der Familie aus Ostsachsen. Die Vorfreude auf den Türkei-Urlaub war groß, aber die Vollmacht fehlte. „Die Eltern haben wir telefonisch nicht erreicht, also haben wir Großeltern und Kind getrennt befragt, ob alles plausibel ist“, sagt der Bundespolizist. „Sie durften ausreisen.“

Großeltern mit Enkel abgeschoben

Vor lauter Aufregung verloren die Großeltern dann aber irgendwo zwischen Dresden und der Türkei ihre eigenen Pässe. Die Folge: 24 Stunden im Gewahrsam der türkischen Polizei und schließlich die Abschiebung nach Hannover. „So sollte kein Urlaub beginnen“, sagt Uhlitzsch. In einem anderen Fall seien die Eltern erst spät erreicht worden und der Flieger war weg. Eine Umbuchung auf einen anderen Flug kostet dann schnell ein paar Hundert Euro.

Im Grenzbereich nach der Passkontrolle gelten andere Regeln als im Inland. „Für uns dreht sich alles um die Luftsicherheit“, sagt der 35-Jährige. „Das versteht nicht jeder, der mit deutschen Gesetzen vertraut ist.“ Ins Handgepäck darf nichts, was als Waffe gilt oder so aussieht. Dennoch finden sich immer wieder verbotene Dinge. „Mancher Jäger hat sein Gewehr ordnungsgemäß aufgegeben und die Patrone in der Hosentasche vergessen, oft sind es auch Messer“, sagt Uhlitzsch. Bis zu einer Klingenlänge von sechs Zentimetern sind sie im Hauptgepäck erlaubt. Es gibt auch Ärger mit Fluggästen, die sich nicht daran halten.

Waffen zum Selbstschutz?

„Vor allem russische Passagiere haben oft Butterflymesser oder Schlagringe dabei – angeblich zum Selbstschutz“, sagt Uhlitzsch. „Finden wir so etwas, wird Strafanzeige erstattet.“ Nur wenn die Ertappten eine sogenannte Sicherheitsleistung sofort bezahlen, dürfen sie weiterreisen.

Eine Vitrine im Abflugbereich zeigt kuriose Funde: Silvesterböller und Raketen, echt aussehnde Spielzeugrevolver, Tauchermesser, Feuerzeugbenzin, aber auch Pfefferspray und Gas-Kartuschen zum Kochen.

„Viele, die in Skandinavien campen wollen, haben neben dem Zelt auch gleich den Gasvorrat dabei“, sagt der Bundespolizist. Solche Stoffe dürfen nicht an Bord, weil sie wegen des Luftdrucks im Flugzeug explodieren könnten. Das würde ein Riesenloch in die Außenwand reißen und der Absturz wäre programmiert.