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Modernes Wohnen im alten Gehöft

Der frühere Kuhstall auf dem Vierseithof in Canitz-Christina ist saniert. Die Schweizer Besitzer haben aber viel mehr investiert.

© Uwe Soeder

Madeleine Siegl-Mickisch

Geschafft: Nun ist auch die letzte Wohnung auf dem großen Vierseithof in Canitz-Christina fertig. Besitzerin Kathrin Cuomo-Sachsse ist froh – und auch ein wenig stolz. „Diese Wohnung ist wirklich exklusiv“, ist sie fast ein wenig neidisch auf die künftigen Mieter. Nicht nur wegen der modernen Bäder und der bereits eingebauten Küche. Die 130 Quadratmeter, die sich über zwei Ebenen erstrecken, sind komplett mit Fußbodenheizung ausgestattet. Geheizt wird mittels Wärmepumpe, welche der Mieter ebenso wie die Belüftungsanlage selbst regulieren kann. Auch zwei benachbarte, bereits im vorigen Jahr bezogene Wohnungen wurden auf diese Weise ausgerüstet. „Die Mieter sind sehr zufrieden“, sagt Verwalter James Hemmings, der sich auf dem Hof um alles kümmert.

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Schon 40 Leute wohnen hier

Immerhin wohnen auf dem Areal, zu dem auch zwei benachbarte Häuser gehören, mittlerweile rund 40 Personen – von der jungen Familie bis zur Seniorin. Das ist fast die Hälfte der Einwohner des kleinen Ortes in der Gemeinde Kubschütz. Angesichts vieler Höfe, die in so manchem Dorf leer stehen und verfallen, freut sich Bürgermeister Olaf Reichert (parteilos) über die positive Entwicklung des Vierseithofes in Canitz-Christina. Zu verdanken ist sie Klaus Sachsse. Der heute 75-Jährige wurde auf dem Hof geboren und erinnert sich noch gut an seine Kindheit. Doch schon mit 17 verließ er die Oberlausitz. Weil es ihm als Sohn eines Großbauern in der DDR nicht möglich gewesen wäre, zu studieren, ging er in den 1950er-Jahren zunächst nach Westberlin. An der Uni in Gießen studierte er dann Tiermedizin, danach arbeitete er in der Forschung. In der Schweiz baute er ein eigenes Institut auf und gründete später ein Unternehmen. Vor ein paar Jahren hat er es verkauft .

Über all die Jahre blieb der familiäre Kontakt nach Canitz-Christina bestehen. So ist auch Tochter Kathrin zum Teil hier groß geworden. Von klein auf verbrachte sie jedes Jahr ein paar Wochen bei den Großeltern. Seit damals hat sie hier eine gute Freundin. Heute kommt sie mehrmals im Jahr aus der Nähe von Basel, wo sie lebt und im Bereich Kommunikation/Marketing selbstständig ist, in die Oberlausitz. In letzter Zeit war sie besonders oft da – meist für Absprachen mit Handwerkern. Denn auf dem Gehöft wurde der alte Kuhstall umgebaut. Kathrin Cuomo-Sachsse führt das weiter, was ihr Vater begonnen hat.

Bundespolizei in der Scheune

Gleich nach der Wende fing er an, zu investieren. „Wir haben als Erstes das Ausgedingehaus abgerissen und dort ein Fertighaus gebaut“, erinnert sich Klaus Sachsse. Bis heute kommt er immer wieder nach Canitz und interessiert sich dann unter anderem auch dafür, was auf den zum Hof gehörenden und an die Budissa AG verpachteten Feldern wächst. Anstelle der ehemaligen Brennerei am Ortseingang steht seit den 1990er-Jahren ebenfalls ein Neubau. Auf dem Vierseithof selbst wurde die Bausubstanz bis auf einige Anbauten erhalten und Stück für Stück saniert – sowohl das Wohnhaus als auch der ehemalige Pferdestall. Kleine und größere Wohnungen entstanden. In einen Teil der früheren Scheune zog der Bundesgrenzschutz, die heutige Bundespolizei, ein. Im größeren Teil ist noch Platz. Der Parkettleger, der sich in den 1990er-Jahren dort niederlassen wollte, kam dann doch nicht. Zwischenzeitlich wurde die Fläche von einem Unternehmen als Lager genutzt, zurzeit stehen einige Autos drin. Aber auch eine gewerbliche Nutzung, welche die Mieter nicht stört, wäre willkommen.

Auch in Kleinpraga einen Bauernhof saniert

Mit gewerblichen Mietern kennen sich Sachsses aus. Denn auch in Kleinpraga bei Göda haben sie einen Bauernhof, von dem Klaus Sachsses Mutter stammte, saniert. Dort sind seit vielen Jahren ein mexikanisches Restaurant und ein Möbelgeschäft ansässig. In reichlich 20 Jahren wurden insgesamt mehr als fünf Millionen Euro investiert. „Ich habe ein Stipendium bekommen, das ich damals nicht zurückzahlen musste“, blickt Sachsse auf den Start seiner beruflichen Karriere zurück. „Nun gebe ich es sozusagen auf diese Weise zurück.“

In Canitz wurde 2012 als Letztes der alte Kuhstall in Angriff genommen. Von außen sah er zwar in Ordnung aus. „Aber die Statik war grenzwertig“, sagt Verwalter Hemmings und zeigt alte Fotos. Stück für Stück mussten neue Träger rein, um das Gebäude erhalten zu können. Nun ist alles fertig – und die größte der drei neu entstandenen Wohnungen wartet noch auf Mieter.