merken
PLUS Bautzen

Modernes Wohnen im alten Möbelmarkt

Stadtgefühl auf dem platten Land verspricht ein Projekt in Kleinpraga. Die Adresse ist in der Region gut bekannt.

Eigentümerin Kathrin Cuomo-Sachsse und Verwalter James Hemmings sind froh. Nach der Schließung von Möbel Jelden wird ein Teil des Vierseitenhofes endlich wieder einer neuen Nutzung zugeführt.
Eigentümerin Kathrin Cuomo-Sachsse und Verwalter James Hemmings sind froh. Nach der Schließung von Möbel Jelden wird ein Teil des Vierseitenhofes endlich wieder einer neuen Nutzung zugeführt. © SZ/Uwe Soeder

Göda. Kathrin Cuomo-Sachsse ist gespannt. Sie hat selbst noch nicht gesehen, wie das hellbeige Feinsteinzeug an der Wand im Bad aussieht. In dem entstehenden Raum ist es dunkel. Objektverwalter James Hemmings hilft mit dem Licht seines Smartphones aus. Kurz darauf zeigt sich Erleichterung im Gesicht von Kathrin Cuomo-Sachsse: Die Wahl war richtig. Die Fliesen gefallen ihr.

"Alle Wohnungen und Zimmer werden mit den gleichen Feinsteinfliesen ausgestattet", sagt sie. Noch braucht es einiges an Fantasie, um sich vorzustellen, wie einer der Trakte des Vierseitenhofes nach dem Umbau aussehen wird. Bis zum Februar 2016 befand sich in dem weitläufigen Bau eine Filiale von Möbel Jelden. Seit der Eigentümer das Geschäft aus gesundheitlichen Gründen schließen musste, standen die Räume leer. Eigentümerin Cuomo-Sachsse, deren Vater aus der Region stammt, die aber in der Schweiz lebt, machte sich auf die Suche nach gewerblichen Nachmietern: "Es ist aber sehr schwierig, verlässliche Kandidaten für die großen Hallen zu finden. Beworben haben sich auch einige Start-Ups und Selbstständige mit unklaren Finanzierungsplänen", sagt sie. Letztlich entschied sie sich gegen die gewerbliche Weiternutzung und für die Umgestaltung des ehemaligen Stalls zu Privatwohnungen. 

Anzeige
Wir gegen Corona!
Wir gegen Corona!

Gemeinsam mit den Landkreisen und kreisfreien Städten hat die Staatsregierung weitere Maßnahmen gegen die Corona-Pandemie beschlossen.

Sechs neue, offen gestaltete Wohnungen entstehen nun auf 800 Quadratmetern Fläche. Die kleinste von ihnen wird 60, die größten 130 Quadratmeter groß sein. Bei Raumaufteilung und Ausstattung legte Cuomo-Sachsse Wert auf ein mondänes Raumgefühl. "Die Idee war, Wohnen im ländlichen Raum nach urbanen Standards anzubieten. Die Zimmer sind groß und offen und haben Fußbodenheizung. Die Materialien, die wir verbauen, sind hochwertig", erklärt Cuomo-Sachsse. Damit, glaubt sie, bedient sie eine interessante Nische: "Immer mehr Leute wollen raus aus dem Trubel der Stadt, aber auch auf dem Dorf städtischen Wohnkomfort genießen."

Die modernen Wohnungen, die nach diesen Vorstellungen nun in Kleinpraga entstehen, haben "avantgardistischen Charme", wie Kathrin Cuomo-Sachsse es nennt: Da die alten Rundbogenfenster erhalten wurden, aber weitere hinzukamen, gibt es in einzelnen Zimmern Fenster mit verschiedenen Formen. In anderen schließt das Fenster unmittelbar an die Wand an. Erhalten blieben die historischen Gewölbedecken in den 3,15 Meter hohen Räumen. Eine bestehende Treppe dient als neuer Wohnungsaufgang. "Wir wollen schließlich auch kosteneffizient bauen, müssen deshalb also praktisch denken", sagt sie. Wo möglich, ließ Cuomo-Sachse in der Gestaltung der Räume auch Spielereien zu: Die Wohnungen im Erdgeschoss verfügen über imposante Stahlsäulen. Im Obergeschoss bleibt das alte Gebälk sichtbar.

Eine Million Euro kostet der Umbau der großen Halle, der im Frühjahr diesen Jahres abgeschlossen sein soll. Für etwa 6,50 Euro pro Quadratmeter will Kathrin Cuomo-Sachsse die Räume dann vermieten. Das ist etwa ein Euro mehr als die regional üblichen Mieten. Dennoch: Das Angebot findet Anklang. "Etwa die Hälfte der Wohnungen sind schon reserviert, zwei mit Vertragsabschluss. Für die anderen gibt es Interessenten", sagt James Hemmings.

Cuomo-Sachsse und Hemmings freuen sich auf den Moment, in dem die ersten Mieter einziehen können. Die Bauphase hatte ihre Tücken. "Wir bauen nachhaltig und beheizen die Wohnungen, von denen jede eine eigene Wärmepumpe hat, mit Erdwärme. Das Bewilligungsverfahren für die Erdsondenbohrungen war langwierig. Neben der Wasserbehörde hatte sich nun auch das Bergamt und schließlich sogar das Berliner Entsorgungsamt eingeschaltet. Am Schluss mussten wir 150 Meter tief bohren, und da habe ich schon um jeden Meter gekämpft ", sagt Kathrin Cuomo-Sachsse. Einige Tausende Euros mehr hat das gekostet und viele Nerven. Denn nicht nur die Ausgaben stiegen, auch die Dauer der Antragsbewilligung verzögerte sich. "Zeitweilig hatte ich das Gefühl, wir bauen ein Atomkraftwerk. Man muss doch belohnt werden, wenn man in alternative Energien, die ansonsten gefördert werden, investiert", so die Eigentümerin des Hofes. Ihr Heimatkanton in der Schweiz sei da schon einen Schritt weiter: "In Basel muss man Wärmepumpen nicht mehr genehmigen lassen, sondern nur noch melden." Letztlich bat sie beim Landkreis Bautzen um Unterstützung. Das half: "Landrat Harig zeigte Verständnis für unsere Situation, und die Wasserbehörde war behilflich und proaktiv."

Druck wird es auf der Baustelle in den kommenden Monaten weiterhin geben. Die Wohnungen befinden sich derzeit noch im Rohbau. Sobald die Räume bezugsfertig sind, will Cuomo-Sachsse sich an die Umgestaltung der Außenbereiche machen. Anschließend will sie Mieter für die beiden weitgehend leerstehenden, anderen Trakte suchen. "Wir wünschen uns hier stilles Gewerbe", sagt James Hemmings. Für Kathrin Cuomo-Sachsse ist klar, dass sie noch einiges an Zeit und Kreativität in die Weiterentwicklung der Hofanlage stecken muss, da diese sich "jetzt im Wandel befindet."

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier. 

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier. 

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Bautzen