SZ +
Merken

Möbel nach historischem Vorbild fürs Haus Schminke

Löbau. Das Bild zeigt ein beeindruckendes Möbelstück: Ein Sofa, mehrere Meter lang, eigens für diesen Raum angefertigt und so ausladend, dass eine ganze Großfamilie darauf Platz hat. Solch ein Sofa besaß...

Teilen
Folgen

Von Gabriel Wandt

Löbau. Das Bild zeigt ein beeindruckendes Möbelstück: Ein Sofa, mehrere Meter lang, eigens für diesen Raum angefertigt und so ausladend, dass eine ganze Großfamilie darauf Platz hat. Solch ein Sofa besaß die Familie Schminke, für die der Architekt Hans Scharoun das spektakuläre Haus in der Kirschgasse gebaut hat. Das Haus erfreut sich wieder steigendem Interesse, doch von der originalen Innenausstattung fehlt sehr viel. Die Stiftung Haus Schminke versucht derzeit einiges, um dies zu ändern, und sie hat wichtige Hilfe erhalten: Der Löbauer Unternehmer Reinhart Keßner hatte die Gäste seines 150. Firmenjubiläums zu Monatsbeginn gebeten, statt Geschenken für das Haus Schminke zu spenden. Am Freitag überreichte er Claudia Muntschick nun 7 200 Euro an Spendengeldern, die bislang eingegangen sind. Zudem hat es nach Angaben von Keßner auch rund 1 600 Euro Spenden für das Gipfelbuch auf dem Löbauer Turm gegeben. Ein Teil dieses Geldes soll jetzt verwendet werden, um entstehende Kosten für das Gipfelbuch auszugleichen.

Vor allem im Haus Schminke kann mit dem Geld aber nun einiges passieren, und Vorstellungen fürs Verwenden gibt es reichlich. Zunächst war geplant, ein historisches Regal wieder herzustellen, erläutert Frau Muntschick. Dieses ist auf alten Fotografien zu sehen, hat die Zeit aber nicht überdauert. Dies ließe sich mit relativ wenig Aufwand nachbauen, schätzt die Architektin ein. Ein größeres Projekt ist das große Familiensofa. Mit dieser Summe sei es möglich, beim Denkmalschutz weitere Fördergelder zu beantragen, um dieses Möbelstück originalgetreu nachzubauen. Schon in wenigen Tagen wird Ulrich Rosner vom Landesamt für Denkmalpflege im Haus Schminke erwartet. Mit ihm will Frau Muntschick besprechen, was möglich ist.

Das historische Sofa besaß zudem eine weitere Besonderheit: Es war zwar in einer sehr hellen Farbe gehalten und mit Stoff aus weißen und silberfarbenen Fäden bezogen. Dieser spezielle Stoff war gleichzeitig wasserabweisend, Flüssigkeiten konnten damit rückstandslos abgewischt werden. Dies käme der aktuellen Nutzung des Hauses Schminke sehr entgegen, sagte Frau Muntschick am Freitag. Denn das Haus steht nicht nur für Führungen offen, sondern kann auch von Gästen zum Übernachten gemietet werden.

Zu den prominenten Namen im Gästebuch gehört seit Kurzem auch Reinhold Messner. Der bekannte Bergsteiger war zum Firmenjubiläum von Stempel-Keßner in Löbau gewesen und hatte auch einen öffentlichen Vortrag in der Messehalle gehalten. Danach übernachtete er im Haus Schminke – und zeigte sich als Kenner moderner Architektur, wie Claudia Muntschick berichtet: Das Löbauer Gebäude sei ihm sofort ein Begriff gewesen, er sei Fan der modernen Architektur und habe vor Kurzem erst die Bauhaus-Stadt Dessau besucht. Messner hat, ähnlich wie im Gipfelbuch am Gusseisernen Turm, einen tibetischen Spruch hinterlassen: „Hier ist gut sein“, notierte er auf eine freie Seite.

Reinhart Keßner entschied sich zu seinem Firmenjubiläum fürs Unterstützen des Hauses Schminke, weil er zu diesem Gebäude eine lebenslange Verbindung hat. Schon sein Vater habe mit den Schminke-Kindern gespielt, er selbst sei acht Jahre lang zum Schach-Spielen in das Gebäude gegangen, heute ist er Mitglied im Förderverein vom Haus Schminke. Der veranstaltet in diesem Jahr auch wieder ein Sommerfest: am 29. August.