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Mozarts Nörgelei über Dresdens Frauen und Musiker

Vor 225 Jahren besuchte der geniale Komponist Dresden. Er amüsierte sich – doch davon schrieb er seiner Constanze nichts.

Von Monika Dänhardt

Dresden war im 18. Jahrhundert beliebtes Reiseziel vieler Künstler. Auch Mozart weilte hier, allerdings nur wenige Tage. In der Familie Mozart war das Geld fast immer knapp, vor allem, seit der geniale Komponist 1781 seine feste Stelle in Salzburg gekündigt hatte. Seitdem lebten er, seine Frau und die Kinder in Wien. Mozart hielt die Familie durch Konzerte und Auftragswerke über Wasser. Kein leichtes Unterfangen, denn die Wiener bevorzugten damals leichte Unterhaltungsmusik, konnten mit seinen Werken wenig anfangen.

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Dafür hatte der Komponist im Ausland einen bedeutenden Namen. So hoffte Mozart bei jeder Reise, seine finanzielle Lage durch Konzerte oder ein Engagement verbessern zu können. Im Frühjahr 1789 reiste er deshalb, dazu eingeladen von seinem Freund Fürst Lichnowsky, nach Berlin, um vielleicht am Hof Friedrichs Wilhelm II. von Preußen eine Anstellung zu bekommen. Auf Sachsen setzte er in dieser Beziehung nicht, denn hier waren mögliche Stellen besetzt. Außerdem litt der Sächsische Hof finanziell noch unter den Folgen des Siebenjährigen Krieges (1756–1763). Trotzdem gehörten Dresden und Leipzig zu Zielen während der Fahrt nach Berlin.

Mozart kam am 12. April, Ostersonntag, in Dresden an. Viel zu spät, wie er in einem Brief an sein „Liebstes, bestes Weibchen“ schreibt: „Wir glaubten Samstag nach Tisch in Dresden zu sein, kamen aber erst gestern Sonntags um 6 Uhr Abends an; – so schlecht sind die Wege.“ Die Gäste aus Wien logierten im Hotel de Pologne, dem damals vornehmsten Hotel Dresdens. Es befand sich an der nördlichen Ecke der Schloßstraße und der Großen Brüderstraße. Noch am Ankunftstag ging er, wie im Brief an Constanze nachzulesen, zu „Neumanns (Kriegsraths-Secretär), wo Mad. Duschek wohnt, um ihr den Brief von ihrem Mann zu geben.“ Die Sängerin und Pianistin Josepha Duschek war die Frau des böhmischen Komponisten Franz Xaver Duschek. Mozart war schon lange mit ihr befreundet. 1787 vollendet er, als er bei der Familie in Prag zu Gast war, seine Oper „Don Giovanni“. Seine Freundin Duschek, aber auch die Neumanns machten Mozart mit den verschiedensten Persönlichkeiten der damaligen Musikszene in Dresden bekannt. Natürlich kannten die musik- und kunstinteressierten Dresdner Mozart. Verschiedene Theatertruppen hatten seine Opern aufgeführt, unter anderem die „Entführung aus dem Serail“. Und die kurfürstliche Familie, Sachsen wurde damals von August Friedrich III. regiert, war ihm auch verbunden. Mozart hatte zur Hochzeit des Bruders des Kurfürsten in Prag eine Vorstellung von „Le Nozze di Figaro“ (Figaros Hochzeit) dirigiert. Außerdem kannte sich der Kurfürst in Mozarts Instrumentalwerken bestens aus. Er musizierte sie in Bearbeitungen sogar selbst.

Ob Dresden als Stadt Mozart gefiel, geht aus den Briefen an seine Frau kaum hervor. Dafür lässt er sich wenig enthusiastisch über seine Musikerlebnisse aus. Durch seine Freundin Duschek lernt Mozart den Hofkapellmeister Johann Gottlieb Naumann kennen. Dessen Kompositionen, die Mozart bei einer Messe in der Hofkirche hörte, nennt er „mittelmäßig“. Eine Vorstellung der Dresdner Italienischen Oper bezeichnet er als „wahrhaft Elend“. Auch die Dresdner Frauen gefielen dem Gast aus Wien nicht: „Die Gesellschaft war groß und bestund aus lauter meist häßlichen Frauenzimmern, …“ Oder wollte er nur seine Constanze nicht eifersüchtig machen? In den Jugenderinnerungen des Kunsthistorikers Gustav Parthey liest sich Mozarts Blick auf die Dresdner Frau etwas anders.

Kriegssekretär Neumann hatte Mozart Christian Gottfried Körner vorgestellt, in dessen Haus sich öfters Musik- und Kunstfreunde trafen. Mozart soll dann mehrmals im Hause Körner zu Gast gewesen sein. Vor allem, wenn Körners Schwägerin, die Malerin Dorothea Stock anwesend war. Parthey schreibt: „Für die reizende und geistvolle Doris stand er in hellen Flammen und sagte ihr mit süddeutscher Lebhaftigkeit die naivsten Schmeicheleien.“ Bei einem der Besuche schuf die Malerin ein sehr eindrucksvolles Porträt von Mozart.

Natürlich musizierte Mozart in Dresden auch. So bekam er eine Einladung zu einem Hofkonzert an den Sächsischen Hof, auf die er stolz war, denn er schreibt an seine Frau: „Das ist ganz was außerordentliches für hier; denn hier kommt man sonst sehr schwer zu gehör; und du weißt, daß ich gar keinen Gedanken hier hatte.“ Musiziert wurde am 14. April ab „halb 6 Uhr abends“ im Zimmer der Kurfürstin im ersten Stock des Westflügels, wo auch sonst die Hofkonzerte stattfanden. Sein Auftritt brachte ihm eine „recht schöne Dose“ ein. Ob sie mit Geld gefüllt war, schreibt er seiner Frau nicht – und so blieb es sein Geheimnis.

Große Aufmerksamkeit in der Dresdner Musikwelt fand ein Orgelwettstreit, den Mozart am 15. April mit dem Organisten Johann Wilhelm Häßler austrug. Zunächst spielten sie – wahrscheinlich – auf der Silbermannorgel in der Hofkirche. Nach dem Orgelkonzert gab es im Haus des russischen Gesandten noch ein weiteres Wettspiel „damit mich Häßler auf dem forte piano hört; – Häßler spielte auch.“ Häßler war damals ein geschätzter Musiker. Mozart sieht dies, zumindest in seinem Brief nach Wien, etwas anders: „Nun mußt Du wissen, daß hier ein gewisser Häßler (Organist von Erfurt) ist; dieser war auch da; … er ist ein Schüler von einem Schüler von Bach. – Seine force ist die Orgel und das Clavier (Clavichord). …Ich setzte mich also zur Orgel und spielte. – Der Fürst Lichnowsky (weil er Häßler gut kennt) beredet ihn mit vieler Mühe, auch zu spielen; … übrigens hat er nur Harmonie und Modulationen vom alten Sebastian Bach auswendig gelernt und ist nicht imstande, eine Fuge ordentlich auszuführen – und hat kein solides Spiel ...“

Am 18. April reist Mozart dann weiter nach Leipzig. In der „Musikalischen Real-Zeitung“ wird über Mozarts Dresdenbesuch unter anderem geschrieben: „Den 14ten April hat sich der berühmte Tonsetzter Hr. W. A. Mozart von Wien bei Sr. Kurfürstlichen Durchlaucht auf dem Fortepiano hören lassen – außerdem hat er noch hier in Dresden in vielen herrschaftlichen und Privathäusern mit dem gränzenlosesten Beifall gespielt; seine Fertigkeit auf dem Klavier und dem Fortepiano ist ganz unaussprechlich … Auch auf der Orgel hat er eine grose Geschiklichkeit in der gebundene Spielart beweisen …“

Mehr Infos gibt es bei der Sächsischen-Mozart-Gesellschaft e. V.

Sächsisches Mozartfest vom 9. bis 25. Mai 2014 mit Veranstaltungen u. a. in Chemnitz und Dresden

www.mozart-sachsen.de