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Mühlentag läuft wie geschmiert

Im Kreis öffnen Pfingstmontag Müller, Vereine und Privatleute ihre Denkmale – und feiern diesmal besonders kräftig.

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© SZ Thomas Eichler

Von Anja Beutler

Müllermeister Dirk Schmidt ist neugierig auf Pfingstmontag. Denn dann präsentiert er in der Rennersdorfer Neumühle seine neueste Errungenschaft: „Wir haben uns eine Ölmühle zugelegt und produzieren seit einem Vierteljahr Lein-, Raps- und Sonnenblumenöl“, sagt er. Das frische Öl, das man in kleinen Flaschen kaufen kann, hat schon erste Liebhaber gefunden – und beim Deutschen Mühlentag können gern weitere dazukommen. Auch auf der neu entstandenen Internetseite sind die Mühlenprodukte inzwischen zu haben. „Wir wollen auch die jungen Leute ansprechen“, erklärt der Müllermeister. Die kommen freilich auch zum Mühlentag, denn in Rennersdorf ist der stets familiär. „Die Leute besuchen uns jedes Jahr wieder – erklären können wir uns das nicht, aber wir freuen uns natürlich sehr“, sagt Dirk Schmidt.

In der Tat läuft seit nunmehr 23 Jahren am Pfingstmontag alles wie geschmiert beim Mühlentag. Und das soll in diesem Jahr in Kottmarsdorf in besonderem Maße so sein: Bernd Dreßler und seine Mitstreiter der Natur- und Heimatfreunde Kottmarsdorf feiern nämlich den 60. Geburtstag des Vereins an und mit der Mühle. Wie jedes Jahr ist der Mühlentag in Kottmarsdorf eine Art Volksfest, nicht nur für die Einheimischen, sondern auch für viele Gäste. Dieses Fest fällt in diesem Jahr eben eine Nummer größer aus als sonst: Erwartet wird unter anderem das Hessische Musikcorps aus Ufhausen zum Mühlen-Konzert.

Der Volksfestcharakter ist wohl auch ein Grund dafür, dass der Mühlentag nach wie vor so beliebt ist. „Die Leute wollen Pfingsten wieder raus in die Natur, etwas erleben, sich treffen“, schätzt Dreßler ein. Deshalb gebe es momentan auch keinen Grund, den Mühlentag neu zu erfinden: „Der ist auch im 23. Jahr ein Selbstläufer“, sagt er. Zwar werden die Besucherzahlen von 1995, als die Kottmarsdorfer die bundesweite Auftaktveranstaltung für den Mühlentag ausrichteten, wohl kaum zu toppen sein. Aber das fast ausgestorbene Handwerk und die alte Technik lockt Fans und Neugierige an. Manche Gäste wandern von Kottmarsdorf traditionell bis nach Oderwitz zu den Mühlen weiter. Ein gutes Dutzend Kilometer sind das schon. Und natürlich öffnen auch im Mühlendorf Oderwitz drei Mühlen ihre Türen: die Berthold-, die Birk- und die Neumann-Mühle in Oberoderwitz. Auch sie warten mit kleinen Festen und frischen Leckereien auf Gäste. Mit dabei in diesem Jahr ist auch die Niedermühle in Lawalde und – zumindest nach eigenen Angaben auf Facebook – auch die Hetzemühle in Leutersdorf, die von einem Verein betreut wird. Für die Lawalder Niedermühle ist es der einzige wirklich feste Öffnungstag im Jahr. Denn Besitzer Frank Ritter kann sich aus zeitlichen Gründen nicht öfter dem Erbe widmen. Eine Lösung für diese Lage hat er derzeit nicht parat – den Mühlentag will er beibehalten. „Die Leute sehen gern, wie die Technik wackelt und rapert“, sagt er.

Viele Mühlen bleiben inzwischen aber auch geschlossen oder schauen in eine ungewisse Zukunft – wie die Neundorfer Mühle. Die Bockwindmühle im Großhennersdorfer Ortsteil war im Juli 2014 verkauft worden und sollte binnen zwei Jahren wieder flottgemacht werden. Davon – und auch von den beabsichtigten Führungen – ist derzeit allerdings nach Angaben von Anwohnern noch nichts zu sehen.

www.muehlen-dgm-ev.de/dmt