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Mülldeponie wird zum Solarpark

Am Stadtrand von Bautzen soll noch 2010 der Bau einer Fotovoltaik-Anlage beginnen. Sie wird Strom liefern, zugleich aber auch der Wissenschaft dienen.

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Von Christoph Scharf

Stillgelegt wurde die Deponie Nadelwitz schon vor sechs Jahren. Aber betreut werden muss die großflächige Anlage an der Weißenberger Straße noch mehr als 30Jahre lang – erst dann werden die Prozesse im abgelagerten Müll so weit abgeschlossen sein, dass man die Fläche wieder für andere Zwecke nutzen kann. So lange wird sich ein Zaun um die mit einer Erdschicht bedeckten Halden ziehen.

Doch nun könnte sich hier bald wieder etwas tun: Die Stadt Bautzen will grünes Licht für einen auf der Deponie geplanten Solarpark geben. „Noch im August könnte dafür eine Baugenehmigung erteilt werden“, sagt Harald Weber, Leiter des Bauverwaltungsamts.

Hochschule ist mit an Bord

Bauherr ist die Dresdner Ingenieurgesellschaft CWH. Sie plant auf der Deponie zwei Flächen mit Solarmodulen – eine ist reichlich einen Hektar groß, die andere mehr als zwei Hektar (siehe Karte). Hier sollen für die nächsten etwa 25Jahre etliche Solaranlagen auf Betonfüssen aufgestellt werden, die Strom aus der Sonne liefern.

Die gewonnene Energie ist aber nur zweitrangig, sagt Harald Weber: „Vor allem geht es in einem Forschungsprojekt darum, zu erfahren, wie sich Solaranlagen auf Deponien verhalten.“ Denn einerseits besteht in ganz Deutschland großes Interesse daran, die weitläufigen Deponieflächen irgendwie sinnvoll zu nutzen. Andererseits ist eine geschlossene Deponie nicht gerade der einfachste Standort für technische Anlagen: Noch jahrelang kann sich der Boden senken, bilden sich im Inneren Gase, muss kontrolliert werden, wie viel Regenwasser in den Untergrund eintritt. Hier in Bautzen soll erforscht werden, wie das alles unter einen Hut gebracht werden kann.

Dazu wird die Hochschule Zittau/Görlitz langfristig den Praxisversuch begleiten. Fachleute messen, ob der Untergrund unter den Solaranlagen nachgibt, wie der Schatten der Anlagen auf das Gras darunter wirkt und ob es Probleme mit dem Abfluss des Regenwassers gibt. „Die Erkenntnisse daraus interessieren nicht nur den Abfallverband Ravon als Betreiber der Deponie, sondern auch viele andere Unternehmen in Deutschland“, sagt Harald Weber.

Wenig Baulärm zu erwarten

Die Auswirkungen für die Anwohner sollten sich dagegen in Grenzen halten. Mit nennenswertem Verkehr wird nur im geplanten Aufbau-Zeitraum Oktober/November gerechnet, danach kommen nur noch Wartungstechniker und Wissenschaftler. „Und selbst der Lkw-Verkehr beim Bau wird deutlich geringer sein, als während des früheren Deponie-Betriebs.“

Die Module selbst werden maximal drei Meter hoch sein, so dass sie nicht übermäßig das Landschaftsbild stören. Als Ausgleich für das Bauvorhaben wird am östlichen Rand des Geländes eine Streuobstwiese angelegt. Stehen bleiben soll die Solaranlage mindestens bis zum Jahr 2035 – aber maximal so lange die Deponie noch überwacht wird. Nach derzeitigem Stand wäre das das Jahr 2042.

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