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Wildtiere sorgen für Müllplage in Löbau

Wenn morgens Abfall in der Stadt herumliegt, war's häufig der Waschbär. Die Tiere räumen Papierkörbe aus. Dem Problem Herr zu werden, ist nicht einfach.

Waschbären inspizieren eine Mülltonne: auch in Löbau keine Seltenheit mehr.
Waschbären inspizieren eine Mülltonne: auch in Löbau keine Seltenheit mehr. © dpa/Symbolfoto

Dietmar Buchholz geht zeitig ins Büro. Daher weiß der Löbauer Oberbürgermeister (parteilos) auch, was sich früh morgens in seiner Stadt abspielt. Und das ist wahrlich nicht lustig, wie der OB jetzt im Stadtrat beschrieb: "Wenn ich früh um sieben zur Arbeit komme, sind die Papierkörbe regelmäßig ausgeräumt, der Müll liegt breit. Um den Brunnen herum sieht das verheerend aus", schildert er die Situation auf dem Altmarkt. 

Die Verursacher: Krähen und Waschbären. Abends und nachts kriechen sie in die Papierkörbe auf der Suche nach Nahrung, wühlen im Müll herum und werfen alles auf den Platz. Stadtrat Ingo Seiler hat dasselbe Problem am Rosengarten beobachtet. Dort auf dem Spielplatz und am benachbarten Parkplatz gibt es noch die alten Müllkübel aus Stein, die oben eine große Öffnung haben. Da machen sich regelmäßig Krähen am Abfall zu schaffen und räumen die Papierkörbe aus, so Seiler. Gerade den Rosengarten-Parkplatz würden viele Löbau-Touristen nutzen. "Das gibt kein schönes Bild ab, wenn da der ganze Müll rumliegt." Sein Vorschlag: Moderne Müllkörbe mit Deckel könnten Abhilfe schaffen. 

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Das ist keine Lösung, sagt hingegen Oberbürgermeister Buchholz. Denn anderswo in der Stadt, auf dem Altmarkt zum Beispiel, gebe es Papierkörbe mit Dach über der Öffnung. "Das bringt nichts." Die Tiere seien so wendig, dass sie trotzdem unter den Rand greifen und den Müll rausholen. 

Buchholz: Biotonnen regelmäßig rausstellen

Das Verhalten der Tiere in Löbau ist laut Naturschutzbund (Nabu) recht normal.  Waschbären werden demnach vornehmlich in der Dämmerung aktiv und kommen dann aus ihren Verstecken. Und sie sind sehr anpassungsfähig. Während es im Wald, ihrem ursprünglichen Lebensraum, oft Nahrungsknappheit gebe, fänden die Tiere in menschlicher Nähe reichlich Futter. Essensreste im Müll und auf dem Kompost, Fallobst und gefüllte Futternäpfe für Haustiere kämen für den Waschbären einer Einladung gleich, informiert der Nabu. Als lernfähiges Tier hat er somit in Parks und Grünanlagen keine Probleme mit dem Überleben.

Doch was tun gegen die lästige Müllplage? OB Buchholz appelliert an die Bürger zu Ordnung und Sauberkeit. So sollten die Biotonnen regelmäßig zur Leerung rausgestellt werden, damit nichts lange darin herumgammelt und man die Tiere so in die Stadt zieht. Der Nabu empfiehlt, keine Nahrungsreste in öffentliche Papierkörbe zu werfen. Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Brot und Obst sollten zudem nicht auf dem Kompost entsorgt werden, sondern in der Tonne. Futter für Haustiere sollte man nicht über Nacht im Garten oder auf der Terrasse stehen lassen. Und auch vom Umweltamt des Landkreises heißt es: "Es sollte dafür Sorge getragen werden, dass keine Nahrungsmittel, in Bio- oder Restmülltonnen sowie Abfallkörben oder Tiernahrung wie Katzenfutter frei zugänglich sind."

Schießen verboten - fangen erlaubt

Fühlen sich die Tiere bereits im Stadtgebiet wohl und werden zur Plage, sollte am besten der zuständige Jagdpächter informiert werden. Er kann die Tiere zum Beispiel mit Lebendfallen fangen. Denn gejagt, also geschossen werden, dürfen Waschbären zwar. In Innenstädten darf aber prinzipiell natürlich nicht einfach auf Tiere geschossen werden. Die Jagdbehörde kann Ausnahmen gestatten, sodass auch in bebauten Gebieten gejagt werden darf. Dazu muss ein Jäger einen Antrag stellen. Laut Umweltbehörde dürfe darüber hinaus jeder Grundstücksbesitzer bestimmte Wildtiere fangen. Dazu gehören neben Waschbären zum Beispiel auch Dachse, Füchse, Iltisse und Wildkaninchen. Jagdverbände warnen davor, Hunde auf Waschbären zu hetzen. Das könnte gefährlich enden - für den Hund. Waschbären seien Wildtiere und könnten sehr aggressiv werden. 

Waschbären und andere Wildtiere in Städten - das ist inzwischen kein seltenes Problem mehr. Bekannt geworden als "Hauptstadt der Waschbären" ist Kassel. In der hessischen Stadt tummeln sich seit Jahren besonders viele Waschbären. Sie auszurotten, ist inzwischen nicht mehr möglich, haben die Behörden dort resigniert festgestellt. Man könne das Problem lediglich noch eindämmen, indem man es den Tieren so ungemütlich wie möglich in der Stadt macht. Heißt: keinen Müll herumliegen lassen und jegliche Unterschlupfmöglichkeiten in Häusern verschließen. 

Bauhof räumt auf

So drastisch ist es in Löbau und dem Landkreis noch nicht. Wie viele Waschbären im Kreis Görlitz leben, lässt sich allerdings nur schwer schätzen, teilen Umwelt- und Forstamt des Landkreises auf Nachfrage mit. Anhand der Abschusszahlen ist aber zu erkennen, dass es in den letzten Jahren deutlich mehr geworden sind. So wurden in der Saison 2019/2020 im Kreis 1.706 Waschbären erlegt. Zehn Jahre zuvor waren es nur 234. Einzelne Waschbären sind auch schon im Stadtgebiet von Görlitz aufgetaucht. Aus anderen Orten hat der Landkreis keine Meldungen.  

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Übrigens beseitigen die Löbauer Bauhofmitarbeiter auf dem Altmarkt regelmäßig am frühen Morgen die Hinterlassenschaften der Tiere rund um die Mülleimer, erklärt OB Buchholz. Noch bevor Löbauer oder Besucher der Stadt den unschönen Anblick zu sehen bekommen.  

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