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Museen dürfen wieder besucht werden

Dabei gelten in Weißwasser und Hoyerswerda strenge Vorschriften zum Corona-Schutz. Nicht alle können das umsetzen.

Andrea Prittmann vom ZCOM Hoyerswerda sitzt in dessen „Erfinderwerkstatt“. Im Museum besteht Maskenpflicht. Der Kauf ist an der Kasse möglich.
Andrea Prittmann vom ZCOM Hoyerswerda sitzt in dessen „Erfinderwerkstatt“. Im Museum besteht Maskenpflicht. Der Kauf ist an der Kasse möglich. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda/Weißwasser. Sachsens Museen dürfen wieder öffnen. Doch das ist einfacher gesagt als getan. Die Zoo, Kultur und Bildung gGmbH Hoyerswerda hat sich entschlossen, das Stadtmuseum im Schloss nicht zu öffnen. Museumschefin Kerstin Noack ist der Schritt nicht leichtgefallen. In den neugestalteten Ausstellungsbereichen hat vieles einen Mitmachwert, wurde interaktiv gestaltet. Es gibt Gucki-Kästen, Touchscreens sowie Hör-, Rate- und Spielstationen. Doch wie hier die Hygiene wahren? „Wir können nicht permanent alles desinfizieren.“ Andererseits macht der Museumsbesuch kaum Spaß, wenn man die interaktiven Angebote nicht nutzen kann. Die ursprünglich geplante Sonderausstellung ist abgesagt und man kann keinen eigentlichen Rundweg durch die Ausstellungen ausweisen, auf dem die derzeit geltenden Mindestabstände zueinander gewahrt bleiben. Allein schon das Treppenhaus als Haupterschließung ist ein Nadelöhr. Insofern hat die Brandschutzanforderung, dass im Gebäude noch ein zweites Treppenhaus installiert werden muss, auch diesbezüglich eine Bedeutung. Aber wann das geschieht, ist noch unklar. Die Zookultur ist mit anderen Museen in Kontakt, schaut, wie die ihre Bereiche präparieren und hofft auf weitere Lockerungen der Vorschriften.

Im Glasmuseum vorher anmelden

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Wieder geöffnet hat seit gestern das Glasmuseum in Weißwasser. Vorerst verkürzt von Dienstag bis Freitag jeweils 10 bis 16 Uhr. „Ich fühle mich irgendwie erlöst“, sagt Museumsleiterin Christine Lehmann. Die plötzliche Corona bedingte Schließung sei schon ein ziemlicher Schlag gewesen. Die Ankündigung dessen ereilte sie während eines Begleitvortrags zur Sonderschau über die archäologischen Funde aus 14.000 Jahren Tagebaugeschichte im Lausitzer Revier. Diese Sonderschau ist der absolute Renner. 761 Besucher wurden einschließlich der Vorträge bisher gezählt – so viele wie noch nie in Wintertagen. Sehr zur Freude (nicht nur) der Museumschefin wurde die Ausstellung bis 28. Juni verlängert. Danach wandert sie nach Knappenrode und wird dort als erste Schau in den neuen Räumen der Energiefabrik gezeigt.

Wer sie bis dahin in Weißwasser sehen will, muss sich entsprechend der Corona-Schutzmaßnahmen vorher telefonisch anmelden. Das Glasmuseum hat nur kleine Räume. Deshalb dürfen bis maximal vier Personen in die Sonderschau und neun in die Dauerausstellung eingelassen werden. Die Museumschefin vergibt ein Zeitfenster von jeweils einer Stunde. Nase-Mund-Bedeckung ist für Mitarbeiter und Besucher gleichermaßen Pflicht. Am Eingang sind Desinfektionsmittel zu nutzen. Der Eintritt wird in Handschuhen kassiert. Plakate weisen die Besucher auf die Einhaltung der strengen Hygieneregeln hin. Weil all das gar nicht so schnell zu organisieren war, ist das Glasmuseum Weißwasser erst seit Mittwoch wieder offen. Zwei Interessenten hatten auf die Ankündigung des Freistaats mit den Lockerungen für Museen ab 4. Mai vertraut und standen schon am Dienstag vor der Tür. Christine Lehmann musste sie unverrichteter Dinge wieder wegschicken.

Die Nutzung der interaktiven Angebote ist nicht erlaubt. Zwar sind in der Sonderschau die Filme zu sehen, die Texte aber nicht über Kopfhörer zu vermitteln. Sie wurden deshalb ausgedruckt.

Etwas Gutes habe die Schließung aber doch gehabt, sagt Christine Lehmann. Im Alltagsgeschäft bleibe ja viel liegen. Sie habe sich in der Zeit mit der Abrechnung der Fördermittel befasst – für den Kulturraum Oberlausitz-Niederschlesien, die Sparkassenstiftung im Landkreis Görlitz und für die Sächsische Landesstelle für Museumswesen. Letztere hat die Sonderausstellung „Steinschläger – Pechkocher – Herzensbrecher. 14.000 Jahre Fundgeschichten im Lausitzer Tagebaurevier“ des Landesamtes für Archäologie mitfinanziert.

Jetzt freut sich Christine Lehmann auf viele Besucher. Zugleich ist sie gespannt darauf, wie die Wiederöffnung des Glasmuseums angenommen wird – ob die Menschen neugierig sind oder aber Vorbehalte haben und deshalb doch lieber fernbleiben.

Eintritt im ZCOM reduziert

Nein, über Computerviren informieren kann man sich im Konrad-Zuse-Computermuseum in Hoyerswerda nicht, lacht Museumsleiterin Andrea Prittmann: „Das wäre sicher eine Sonderausstellung wert, obwohl es sicher wenig Objekte zum Zeigen gibt.“ Dieser Tage hat man auch im ZCOM natürlich mit reellen Viren genug zu tun. Seit 17. März war geschlossen. Doch während Besucher keinen Zutritt hatten, waren die Mitarbeiter durchaus beschäftigt. Museen stellen schließlich nicht nur aus, sondern zum Arbeitsgebiet gehören auch das Sammeln, Forschen und Dokumentieren. Es läuft in zwei Bereichen eine Ausstellungserweiterung und gemeinsam mit dem Förderverein, dem Konrad-Zuse-Forum, wurde unter anderem weiter an der geplanten Sonderausstellung zum 25. Museumsgeburtstag gearbeitet.

Seit Dienstag ist nun wieder geöffnet. Die zehnseitige Handlungsempfehlung der Landesstelle für Museumswesen war schnell umgesetzt. Das ZCOM ist weitläufig, die Lüftung besitzt eine geprüfte Filterung, der ohnehin aus dem Ausstellungs-Aufbau vorhandenen Besucherführung wurden noch einmal Pfeile hinzugefügt und alles, was man anfassen konnte, ist weggeräumt. Dem Museum kommt nun seine Mobilfunk-App „HörZu(se)!“ zugute. Über QR-Codes sind so Informationen aufs private Smartphone zu bekommen. Wer keines hat, kann sich ein Gerät leihen. Es gibt genug, um die Desinfektion sicherzustellen. Weil aber auch hier die meisten interaktiven Angebote nicht nutzbar sind, kostet der Eintritt derzeit nur vier statt wie üblich sechs Euro. „Wir freuen uns natürlich trotzdem über jede Spende.“ Ein Museum kostet eben Geld – auch die virtuellen Brillen, mit denen sich vielleicht einmal eine Computervirus-Ausstellung gestalten ließe – wenn die Sars-CoV-2-Viren sich verkrümelt haben.

Glasmuseum Weißwasser, Forster Straße 12: Wegen Corona verkürzt geöffnet von Dienstag bis Freitag jeweils 10 bis 16 Uhr. Anmeldung erforderlich Tel. 03576 204000

Konrad-Zuse-Computermuseum, Hoyerswerda, Dietrich-Bonhoeffer-Straße 1 -3, geöffnet Dienstag bis Sonntag jeweils 10 bis 17 Uhr Tel. 03571 209 60 80

Christine Lehmann bringt im Glasmuseum Weißwasser wie gefordert die Hinweise zum Verhalten der Besucher in Zeiten von Corona an.
Christine Lehmann bringt im Glasmuseum Weißwasser wie gefordert die Hinweise zum Verhalten der Besucher in Zeiten von Corona an. © Foto: Joachim Rehle
Kerstin Noack im Stadtmuseum im Schloss Hoyerswerda: Schon das Treppenhaus ist zu schmal, wenn man von 1,5 Metern Mindestabstand ausgeht.
Kerstin Noack im Stadtmuseum im Schloss Hoyerswerda: Schon das Treppenhaus ist zu schmal, wenn man von 1,5 Metern Mindestabstand ausgeht. © Foto: Uwe Schulz

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