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Musiker üben das Blasen im Laufschritt

Den Spielleuten darf beim Marschieren nicht die Puste ausgehen. Bei ihrer traditionellen Wanderübung trainieren sie das.

Von Elke Braun

„Glück auf, Glück auf, der Steiger kommt!“ schallt es morgens durch Etzdorf. Doch die Steiger sind es nicht, die durch die Straßen ziehen. So mancher Anwohner wundert sich und eilt an den Gartenzaun, schaut und freut sich über die Abwechslung. „Das macht ihr super!“, ruft einer. Andere applaudieren. Das wiederum freut die Roßweiner Spielleute. Für sie ist das ihre alljährliche Wanderübungsstunde und auch ein kleines bisschen Vergnügen. Denn so einfach, wie es aussieht, wenn ein Spielmannszug vorüberzieht, ist es nicht.

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„Das Musizieren und Laufen im Gleichschritt will gelernt sein. Und jeder muss auf die Zeichen des Stabführers achten“, sagt Ronny Priebe, der Vereinsvorsitzende. Und so marschieren die Spielleute vom Kind bis zum Rentner rund um Roßwein.

Zuerst geht es zielstrebig zum Böhrigener Aussichtsturm. Dort ist Mittagspause. Es gibt Gulaschsuppe und Wiener. Zuvor hatte das Team vom DRK-Ortsverein Roßwein schon für eine Stärkung bei der Rast gesorgt. Zurück geht es mit Kaffeepause auf dem Hof von Bauer Klose. „Insgesamt sind es elf Kilometer Strecke, fünf Kilometer hin und sechs zurück“, erzählt Ulrich Priebe, Pauker und eines der Urgesteine des Spielmannszuges. Er organisiert schon seit vielen Jahren akribisch die Wanderübungsstunden, macht einen genauen Plan über die Route und läuft sie vorher auch ab. Bis zuletzt wird das Ziel geheim gehalten. Es soll eine Überraschung sein. „Ganz nebenbei lernen wir so auch noch unsere schöne Gegend kennen“, sagt Ronny Priebe.

Erst am Abend sind die Spielleute wieder in ihrem Domizil am Feuerwehrgerätehaus angelangt. Viele haben rote Gesichter. Die Sonne hat unterwegs gebrannt. Aber das hat keinem die gute Laune verdorben. Im Hof der Feuerwehr wird noch gegrillt. Ganz ohne Musik geht auch das nicht, denn nach dem Essen greifen alle nochmals zu ihren Instrumenten, flöten, trommeln und spielen, was das Zeug hält. Da werden auch die ganz alten Lieder noch einmal hervorgekramt, die schon lange nicht mehr gespielt worden sind. Doch zur Freude aller klappt das prima.

Steffen Gierth, der sonst eigentlich Becken schlägt, wagt sich ausnahmsweise noch mal an die Trommel. „Die habe ich 20 Jahre lang gespielt und siehe da, es klappt noch. Man verlernt es nicht. Das ist wie Fahrrad fahren“, sagt er. Eine der jüngeren Teilnehmerinnen ist Pia Wunderlich. Mit ihren elf Jahren ist sie das zweite Mal mitgelaufen. Angestrengt hat es sie – überraschenderweise – nicht. „Wir haben ja viele Pausen gemacht. Und der Blick vom Aussichtsturm hat mir am besten gefallen.“ Dass das Musizieren im Gleichschritt reine Übungssache ist, kann auch sie schon bestätigen. Obwohl sie erst ein Jahr dabei ist, kann sie das aber schon ganz gut.

Insgesamt haben 55 Spielleute an der Übung teilgenommen. Mit dabei waren auch einige des befreundeten Spielmannszuges aus Leuben-Schleinitz.