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Mut zur Farbe

Heiko und Evelyn Kirschner haben ein Haus am Bischofswerdaer Markt hochwertig saniert. Der Aufwand zahlt sich aus.

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© Steffen Unger

Ingolf Reinsch

Das Gerüst ist seit einigen Tagen abgebaut: Ein weiteres Gebäude am Bischofswerdaer Altmarkt hat jetzt eine neue Fassade. Evelyn und Heiko Kirschner sind fast fertig mit der Sanierung ihres Hauses, das sie im Jahr 2006 aus der Insolvenzmasse der früheren Fleischerei Fengel erworben haben. Nur noch die Haustür wollen sie später durch eine neue ersetzen.

Hotel Goldener Engel: Das Hotel wurde 2012 von der Stadt für 52000 Euro ersteigert. Nach Jahren des Stillstandes soll sich jetzt eine Lösung abzeichnen. Der Vertrag mit einem Investor „steht unmittelbar vor der Unterzeichnung“, sagte OB Erler auf Anfrage.
Hotel Goldener Engel: Das Hotel wurde 2012 von der Stadt für 52000 Euro ersteigert. Nach Jahren des Stillstandes soll sich jetzt eine Lösung abzeichnen. Der Vertrag mit einem Investor „steht unmittelbar vor der Unterzeichnung“, sagte OB Erler auf Anfrage. © Ingolf Reinsch
Döner-Imbiss: Das Gebäude, das einst die Bierstube beherbergte, befindet sich in Privatbesitz. Der Eigentümer möchte es verkaufen. Die Betreiber des Lokals im Erdgeschoss sind Pächter im Haus. Wie die SZ vom zuständigen Hausverwalter erfuhr, gibt es Kaufi
Döner-Imbiss: Das Gebäude, das einst die Bierstube beherbergte, befindet sich in Privatbesitz. Der Eigentümer möchte es verkaufen. Die Betreiber des Lokals im Erdgeschoss sind Pächter im Haus. Wie die SZ vom zuständigen Hausverwalter erfuhr, gibt es Kaufi © Ingolf Reinsch
Ehemalige Bäckerei. Das Haus wurde verkauft. Neuer Eigentümer ist Orhan Ak. Er baute gerade ein Haus an der Bautzener Straße in Bischofswerda um. Sobald die Wohnungen dort vermietet sind, wolle er anfangen, das Haus am Markt zu sanieren, sagt er. Das Gesc
Ehemalige Bäckerei. Das Haus wurde verkauft. Neuer Eigentümer ist Orhan Ak. Er baute gerade ein Haus an der Bautzener Straße in Bischofswerda um. Sobald die Wohnungen dort vermietet sind, wolle er anfangen, das Haus am Markt zu sanieren, sagt er. Das Gesc © Ingolf Reinsch
Früherer Salon. Das Haus steht zum Verkauf. Eigentümer Ulrich Heymann beauftragte einen Makler in Bautzen, einen Käufer zu finden. Der aktuelle Kaufpreis beträgt 40000 Euro. Im ehemaligen Friseursalon ließe sich nach einem Umbau auch ein anderes Geschäft
Früherer Salon. Das Haus steht zum Verkauf. Eigentümer Ulrich Heymann beauftragte einen Makler in Bautzen, einen Käufer zu finden. Der aktuelle Kaufpreis beträgt 40000 Euro. Im ehemaligen Friseursalon ließe sich nach einem Umbau auch ein anderes Geschäft © Ingolf Reinsch

Das einst weiße Gebäude erstahlt jetzt in hellem Terrakotta. In einem ganz hellen Grau ist der Stuck an den Fenstern abgesetzt. Nur im Erdgeschoss über „Markos Imbiss“ waren die Schmuckelemente nicht mehr zu retten. Deshalb wurden die Ornamente durch den Geißmannsdorfer Maler Uwe Gloge-Häntschel nachempfunden.

Der Fassadenschmuck fällt im Stadtbild auf. Denn viele Häuser gibt es in der Bischofswerdaer Innenstadt nicht, die verziert sind. Begründet ist das im Stadtbrand 1813, dem nahezu alle Häuser zum Opfer fielen. In den Jahren nach dieser Katastrophe ging es für die Schiebocker ums nackte Überleben und darum, mit wenig Geld neue Wohnhäuser zu errichten.

Eines der ältesten Gebäude der Stadt

Rund 200 Jahre ist auch das Haus von Evelyn und Heiko Kirschner alt. Es ist damit eines der ältesten Gebäude der Stadt. Im Jahr 2011 ließen sie das Dach neu decken – denkmalgerecht mit Biberschwanzziegeln. Sie modernisierten die beiden 70 Quadratmeter großen Wohnungen in den oberen Etagen und bauten im Dachgeschoss eine dritte, 40 Quadratmeter große Wohnung aus. Alle drei Wohnungen sind hochwertig ausgestattet – mit Laminatfußböden, Ganzglastüren, modernen Bädern, Balkonen bzw. Dachterrasse zur Hofseite hin. Saniert wurde auch der Hinterhof und dabei eine alte Natursteinmauer erhalten. Gebaut wurde in Etappen, ohne Zeitdruck, dafür solide. Das zahlt sich aus. Denn die Wohnungen sind gefragt. „Wenn mal ein Mieter auszieht, bleibt die Wohnung nie lange leer“, sagt Heiko Kirschner.

Das Haus am Markt liegt mitten im Denkmalschutzgebiet Innenstadt. Daraus ergaben sich besondere Anforderungen an die Sanierung, wie zum Beispiel Holz- statt Plastefenster. Für die Trockenlegung des Gebäudes gab es einen geringen Zuschuss von der Denkmalschutzbehörde.

Zugesagte Förderung doch nicht erhalten

Auch bei der Fassadensanierung hatte Heiko Kirschner aufgrund des höheren Denkmalaufwandes auf einen Zuschuss gehofft. Doch die mündlich zugesagte Förderung sei kurzfristig zurückgenommen worden, berichtet er. Heiko Kirschner zeigt auf ein Nachbarhaus am Markt, wo mehrere Metallleuchten über dem Schild eines Imbisses angebracht sind, was weder dem Denkmalschutz noch der entsprechenden Bausatzung der Stadt entspricht. Diese schreibt für die Werbung an Fassaden in der Innenstadt nämlich einzelne Buchstaben statt kompakte Schilder vor. „Die Ämter sollten mit gleichem Maßstab messen“, wünscht sich Heiko Kirschner.

Der 49-Jährige ist Inhaber einer Holz- und Bautenschutzfirma in Putzkau mit 16 Mitarbeitern. Viele Arbeiten am und im Haus führte er mit der eigenen Firma aus. „Ich wollte immer schon mal ein Altstadthaus haben“, sagt Heiko Kirschner zur Entscheidung von vor knapp zehn Jahren, das Gebäude am Markt zu kaufen und zu sanieren. Seinen stillen Wunsch, irgendwann einmal selbst eine kleine Kneipe zu betreiben, hätte er sich in diesem Haus zwar erfüllen können. Doch es scheiterte an der Zeit, diesen Vorsatz umzusetzen.