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Sachse in Spanien unter Betrugsverdacht verhaftet

Der Mann soll Chef einer 14-köpfigen Bande sein. Spuren des Falls führen auch nach Dresden und Chemnitz.

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Ein Bild der öffentlichen Facebook-Seite von Swen Uwe P. zeigt ihn vor einem Hotel in Madrid.
Ein Bild der öffentlichen Facebook-Seite von Swen Uwe P. zeigt ihn vor einem Hotel in Madrid. © Facebook

Von Ulrich Wolf und Martin Dahms, Madrid

Nach SZ-Informationen hatte P. in Sachsen eine polytechnische Oberschule besucht, sein Abitur gemacht und bis zu deren Auflösung in der Nationalen Volksarmee gedient. Nach der Wende versuchte er sein Glück zunächst als Versicherungsmakler und Anlageberater im Saarland.

2003 gründete er mit weiteren Gefolgsleute eine Vermögensverwaltung mit einem angeblichen Sitz in den USA und einer angeblichen Bilanzsumme von 10,2 Milliarden Dollar.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Köln ist in dem Fall vier Jahre lang verdeckt ermittelt worden. Man habe dazu unter anderem mithilfe von Eurojust, der Justizbehörde der EU, eine gemeinsame Ermittlungsgruppe mit italienischen Kollegen auf die Beine gestellt. In Italien läuft gegen die mutmaßliche Bande rund um Swen Uwe P. ein gesondertes Ermittlungsverfahren der Finanzpolizei Brixen sowie einer auf Internetkriminalität spezialisierten Polizeieinheit in Bozen.

Auch Schweizer Behörden sind involviert. Dort wurde „ein für die Ermittlungen wichtiges Konto“ eingefroren. Darüber hinaus ließen die Kriminalisten in der Schweiz Büros und Wohnungen durchsuchen. Nach SZ-Informationen geschah dies im Kanton St. Gallen, unter anderem bei einer Vermögensverwaltungsfirma, bei der eine aus Dresden stammende Frau zeitweise Geschäftsführerin war.

Weitere Durchsuchungen erfolgten in Recke bei Osnabrück, in Unterföhring bei München sowie in Ratingen, Düsseldorf und Mönchengladbach. Es seien mehrere Konten gepfändet sowie „Unterlagen in schriftlicher und digitaler Form“ beschlagnahmt worden, hieß es.

Zuchtpferde, Luxusautos, Schmuck

Im Gestüt von Swen Uwe P., das bei Ourense liegt (ebenfalls in Galicien), in seinem Appartement im Zentrum von Pontevedra sowie bei Durchsuchungen in Madrid und auf Mallorca konfiszierten die Ermittler nach eigenen Angaben unter anderem 14 Zuchtpferde, Luxusautos und Schmuck. Auf Mallorca hatte Swen Uwe P. vor drei Jahren Schlagzeilen gemacht, weil er dort einen Polo-Klub für fünf Millionen Euro errichten wollte. Als Beraterin für das Projekt stünde ihm die Tochter der Reiterlegende Josef Neckermann zur Seite, verkündete P. damals. Aus dem Klub wurde nichts, dafür kommen seine Pferde in Spanien mittlerweile bei allen bedeutenden Reitturnieren zum Einsatz. Die Facebook-Seite seines Gestüts zählt rund 510 000 „Gefällt mir“-Angaben.

Der Sachse lebt seit mindestens 2007 auf der Iberischen Halbinsel. Im Internet präsentiert er sich seit 2014 nicht nur als Anlageberater, sondern auch als Missionar einer evangelikalen Pfingstlerbewegung. Seine Weihnachtsgrüße im vorigen Jahr versah er mit einem Foto des Fürstenzugs in Dresden und schrieb: „Falls du mich jemals brauchst, rufe einfach laut mit all deiner Kraft und Güte im Inneren nach dem Heiligen Geist. Er wird es mir sagen.“

Im Mittelpunkt seines Unternehmensnetzwerks steht die Firma United Investment Federation (UIF). Außer P. gehören zwei weitere UIF-Vorstände aus Deutschland zu den Verdächtigen, auch sie wurden verhaftet. Einer von ihnen wurde aus gesundheitlichen Gründen bereits wieder entlassen. Sie sollen Anleger mit Investitionen in Rohstoffe in Dubai angelockt, deren Anzahlungen aber auf eigene Konten in Spanien, Portugal und die Schweiz transferiert haben. Die UIF sowie eine ihrer Vorgängerfirmen standen bereits im Fokus der Staatsanwaltschaften von Saarbrücken und Valencia, doch reichten die Ermittlungen dort offensichtlich nicht aus.

Auslieferung ist beantragt

Im Juni 2013 untersagte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht der UIF das Einlagen- und Kreditgeschäft, im April 2016 folgte die spanische Finanzaufsicht. Dennoch ging das Einsammeln von Kapital offensichtlich weiter. Zuletzt warb P. im August 2017 für Investitionen in ein 350 Millionen Euro schweres Geothermie-Projekt, für das er „eine Jahresrendite von 20 Prozent ohne Bank oder Finanzkonzern“ in Aussicht stellte.

Vor neun Jahren kehrte P. nochmals nach Sachsen zurück. Er erwarb hier die Chemnitzer Vermögensverwaltungs- und Energiehandelsfirma First Take Off-Handels GmbH. 2014 verkaufte er das Unternehmen jedoch an einen Berliner Geschäftsmann. Swen Uwe P. und ein weiterer in Spanien festgenommener Deutscher sollen nun ausgeliefert werden. Das hat die Staatsanwaltschaft Köln beantragt.