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Nach dem Tagesbruch im Pöbeltal

Vor 200 Jahren gruben hier Bergleute nach Kupfer und Blei. Jetzt drohte eine Überschwemmung.

Von Franz Herz

Von der Pöbeltalstraße zweigt oberhalb der Gaststätte Putzmühle ein Forstweg ab und führt einen guten Kilometer am Pöbelbach entlang in den Wald. Dann stoßen Wanderer auf eine Baustelle der Bergsicherung Freital. Ihre Mitarbeiter sichern seit vergangenem Jahr den Magdalena-Stollen, der hier beginnt.

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Andreas Walther von der Bergsicherung Freital leuchtet den Bereich aus, in dem der Stollen gesichert wurde. Weiter hinten ist er teilweise verbrochen. Aber diese Stellen stören im Wald nicht.
Andreas Walther von der Bergsicherung Freital leuchtet den Bereich aus, in dem der Stollen gesichert wurde. Weiter hinten ist er teilweise verbrochen. Aber diese Stellen stören im Wald nicht.
Volkmar Scholz vom Oberbergamt Freiberg kontrolliert den Wasserabfluss aus dem Magdalena-Stollen, der in den Pöbelbach mündet. Das Mundloch ist im Hintergrund zu sehen.
Volkmar Scholz vom Oberbergamt Freiberg kontrolliert den Wasserabfluss aus dem Magdalena-Stollen, der in den Pöbelbach mündet. Das Mundloch ist im Hintergrund zu sehen.

Keiner weiß, wie alt der Gang in den Berg genau ist. Historisch belegt ist, dass dort um 1800 Blei- und Kupfererz abgebaut wurden, berichtet Volkmar Scholz. Und es war kein kleiner Stollen. „Wir haben ganz schön gestaunt, als wir auf einem Hohlraum gestoßen sind mit sechs Metern Breite, zwanzig Metern Länge und zwölf Metern Tiefe“, berichtet Volkmar Scholz. Er ist beim sächsischen Oberbergamt in Freiberg zuständig für Altbergbau in der Weißeritzregion. Das Amt hat die Sicherung in Auftrag gegeben, die rund 150 000 Euro kostet.

Normalerweise gibt der Freistaat Sachsen keine derartigen Summen für einen Tagesbruch mitten im Wald aus. Aber der Magdalena-Stollen hätte gefährlich werden können. Er führt westlich vom Pöbelbach in den Wald bis in eine Tiefe von über 400 Metern. Dort ist immer mal wieder eine Ecke eingebrochen. „Der Forst hat die verfüllt und das hat niemand gestört“, sagt Scholz. In dem Waldgebiet liegen auch eine Reihe kleiner Pingen. Darum stehen Zäune mit Warnschildern und das reicht normalerweise. Doch nach einem Tagesbruch im vergangenen Jahr am Magdalena-Stollen war das zu wenig.

Hier war auch die Wasserrinne aus dem Magdalena-Stollen zum Pöbelbach verschüttet, von Bergleuten Rösche genannt. Es hätte also passieren können, dass sich im Stollen Wasser staut, solange bis irgendwo die Erde nachgibt. Niemand weiß, welcher Wasserschwall dann hervorgebrochen wäre. „Hier führt der Pöbelbachweg entlang und der Eierkuchensteig kreuzt. Das sind beliebte Wanderwege. Außerdem sind hier Mitarbeiter vom Forst unterwegs“, sagt Scholz. Ein Wasserstau hätte also gefährlich werden können. Das musste das Bergamt ausschließen und hat daher der Bergsicherung Freital den Auftrag gegeben, den Magdalena-Stollen in Wegnähe zu sichern und für einen zuverlässigen Wasserabfluss zu sorgen.

Scholz schaut in den Wald, wo mehrere kleine Hügel hintereinander liegen. „Das sind alles Halden. Die zeigen mir deutlich, dass wir es hier mit Altbergbau zu tun haben“, sagt der Geologe. Er kennt die Gegend und auch die historischen Unterlagen dazu. Der Magdelena-Stollen führt in den Hang und kreuzt schließlich einen anderen Erzgang. Das ist daran zu erkennen, dass dort eine Reihe kleiner Pingen auf eingebrochene Schächte und Stollen hinweisen. Damit der Magdalena-Stollen nicht wieder direkt am Weg einbricht, hat die Bergsicherung nun den Stollen und die Weitung mit Spritzbeton und Stahlträgern gesichert. Sie sollten nun mindestens die nächsten hundert Jahre halten. Unter dem Pöbelbachweg liegen jetzt zwei Rohre mit 40 Zentimetern Durchmesser, damit das Wasser abfließen kann. Denn ohne Wasser bewegt sich auch die Erde unterirdisch weniger, es kommt also zu weniger Tagesbrüchen.

Wie alt der Bergbau hier ist, weiß bisher niemand. Aus den früheren Zeiten gibt es kaum schriftliche Überlieferungen. Aber Scholz wäre nicht überrascht, wenn unsere Vorfahren auch hier im oberen Pöbeltal schon im Mittelalter nach Erz gesucht haben. Schließlich waren sie in Dippoldiswalde und in Niederpöbel auch deutlich früher zugange, als man bis vor Kurzem angenommen hat.

Das obere Pöbeltal, wo heute nur Wald wächst, war seinerzeit auch interessant für die Rohstoffgewinnung. Östlich vom Pöbelbach in Richtung Schellerhau haben die Bergleute auf Eisenerz gegraben, das dann gleich in Schmiedeberg verhüttet wurde. Auf der Westseite des Baches fanden sie Bleiglanz oder Silber.