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Radeberg

Nach dem Wolfsriss wächst die Sorge

Auf einer Weide in Lotzdorf wurde ein Kalb von einem Wolf getötet. Der Landwirt erklärt, warum der Schutz seiner Tiere so schwierig ist.

Landwirt Matthias Hennig ist in Sorge: Er hält in Lotzdorf 50 Mutterkühe und 42 Kälber. Am Dienstagvormittag fand er eines seiner Kälber tot auf der Weide. Es wurde höchstwahrscheinlich von einem Wolf gerissen.
Landwirt Matthias Hennig ist in Sorge: Er hält in Lotzdorf 50 Mutterkühe und 42 Kälber. Am Dienstagvormittag fand er eines seiner Kälber tot auf der Weide. Es wurde höchstwahrscheinlich von einem Wolf gerissen. © Foto: Steffen Unger

Radeberg. Saftiges grünes Gras gespickt mit den gelben Blüten des Löwenzahns, ein kleiner Teich und das alles eingebettet in eine hügelige Landschaft. Die Weide in Lotzdorf, auf der Matthias Hennig seine Kühe und ihre Kälber grasen lässt, sieht aus wie aus der Werbung. Doch die Idylle trügt. 

In der Nacht zu Dienstag hat der Wolf die Herde angegriffen und ein zwei Tage altes Kalb gerissen. Das liegt am Mittag noch immer auf der Wiese. Schließlich musste es vom Rissgutachter des Landkreises noch untersucht werden. Das Ergebnis ist eindeutig. „Die vorgefundenen Umstände lassen auf einen Wolf schließen“, teilt Kreissprecherin Sarah Günther mit. Für den Wolf als Verursacher sprechen der Kehlbiss und eine mehrere Meter lange Schleppspur über die Wiese.

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Kommt der Wolf wieder?

Aus heiterem Himmel kommt der Wolfsangriff für Hennig nicht. Bereits in den letzten Tagen sei er morgens mit gemischten Gefühlen zur Weide gefahren, um zu kontrollieren, ob alles in Ordnung sei, erzählt er. „Mir wurde gesagt, dass die Tiere nachts unruhig waren“, sagt der 52-jährige Landwirt. Dabei seien diese sonst ganz ruhig, wenn nicht gerade ein Kalb geboren werde. Schließlich hätten sie auf der Weide alles, was sie brauchen. „Es kommt einer Katastrophe gleich, dass der Wolf jetzt auch auf Kühe geht“, sagt Hennig. 

Seine Sorge: Das Raubtier könnte jede Nacht wiederkommen und ein neues Tier reißen. Schließlich sei so ein Kalb leichter zu erbeuten als ein Wildtier oder eine ausgewachsene Kuh. Letztere bringen immerhin 600 bis 650 Kilogramm auf die Waage und seien äußerst wehrhaft. Die Kälber sind das natürlich noch nicht. Sie könnten nur durch die Mutterkühe beschützt werden, aber das hätten diese nicht gelernt. Er selbst könne sich auch nicht Tag und Nacht hinstellen und die Tiere bewachen, sagt Hennig.

Keine speziellen Schutzmaßnahmen

Ohnehin sei es schwierig, die Tiere zu schützen. Man ziehe mit den Tieren von einer Weide zur nächsten, weshalb umfangreiche Schutzmaßnahmen nicht machbar seien, sagt der Landwirt. Die Tiere seien Sommer wie Winter draußen und auch die Kälber würden auf der Weide geboren. 

„Das ist eine naturnahe Weide- und Freilandhaltung, wie sie jeder will“, erklärt Hennig. Anders als für Schafe und Ziegen gibt es für Rinderherden auch keine speziell vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen. Weil der Gutachter den Wolf als Verursacher nicht ausschließen konnte, kann Hennig für den Verlust des Tieres entschädigt werden. Wie der Landkreis mitteilt, trifft die Entscheidung hierzu letztendlich die Landesdirektion.

„Ich bin nicht generell gegen den Wolf“

Den Wert des kleinen Bullen beziffert Matthias Hennig auf etwa 500 Euro. Ausgewachsen wäre es das Dreifache gewesen. Eine Entschädigung sei aber nicht Sinn der Tierhaltung, sagt er. Deshalb müsse beim Thema Wolf eine Lösung gefunden werden. „Ich bin nicht generell gegen den Wolf“, stellt Hennig klar. Tiere, die sich Wohnbebauung nähern und Nutztiere reißen, müssten jedoch vergrämt werden. Schließlich ist ein Wolfsriss nicht nur für die Kühe selbst gefährlich. 

Wenn die Herde aus 50 Mutterkühen und 42 Kälbern in Panik gerate und irgendwohin renne, wo sie nicht hin soll, könne sie großen Schaden anrichten. Die Bahnlinie sei von der Weide beispielsweise nur 300 Meter entfernt. In etwa 500 Meter Entfernung befinden sich Gärten und die ersten Wohnhäuser.

Erst vor wenigen Tagen wurde von einem Anwohner in einem Wald bei Lotzdorf ein totes Reh gefunden, das vermutlich von einem Wolf gerissen wurde. Nach Angaben des Waldbesitzers lag das Reh nur geschätzt 150 Meter von Häusern entfernt. Zwischen Liegau und Lotzdorf wurden bereits mehrfach Wölfe von Anwohnern gesichtet.