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Wie kommt das Auto von Prag nach Zittau?

Dietrichs waren auf Mauritius im Urlaub und kamen wegen Corona per Rückholflug heim. Ihren Toyota brachten zwei fremde Frauen aus Tschechien zurück.

Heike Dietrich freut sich, das ihr Toyota wieder vor der Tür steht.
Heike Dietrich freut sich, das ihr Toyota wieder vor der Tür steht. © Matthias Weber/photoweber.de

Heike Dietrich ist froh, dass sie und ihr Mann Steffen wieder ganz selbstverständlich in ihren Toyota Avensis einsteigen können. Denn eigentlich stünde das nicht mehr ganz nagelneue Auto in Prag im Flughafenparkhaus. Dass sie es jetzt doch in Zittau vor der Tür haben, verdanken sie zwei jungen Frauen, einer Menge Glück und einer großen Portion Mut.

Die beiden Zittauer waren am 7. März nach Mauritius in den Urlaub aufgebrochen. Der Flug ins afrikanische Inselparadies ging ab Prag. Dort wollten die beiden auch am 24. März wieder landen und mit ihrem Toyota nach Hause fahren. Doch das Coronavirus machte diese Pläne zur Makulatur. "Die ersten  beiden Wochen war im Urlaub alles gut", schildert Heike Dietrich. Doch dann geriet auch Mauritius in den Virus-Ausnahmezustand und die beiden Zittauer kamen drei Tage später als geplant wieder in Deutschland an.

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Keine Chance an der Grenze

Als sie endlich zurück in Zittau waren, hatte Tschechien die Grenzen zugemacht -  auch für die Auto-Rückholer vom Flughafen Prag, die eine Extrafrist bekommen hatten. "Wir sind mit unserem Wohnmobil, das wir noch haben, trotzdem an die Grenze nach Neugersdorf gefahren, aber da gab es kein Durchkommen mehr", schildert die 55-Jährige. Doch einer der tschechischen Grenzpolizisten gab ihr einen Tipp: Ob sie nicht jemanden hätten, der ihnen das Auto bis zur Grenze bringen könne ...

Nun sind Steffen und Heike Dietrich zwar Fernreise erfahren, aber Bekannte in Tschechien haben die beiden nicht. "Deshalb habe ich noch einmal Konsulat, Botschaft und tschechisches Innenministerium angeschrieben und als das nichts brachte, einen Hilferuf auf Facebook abgesetzt", schildert Heike Dietrich. Das soziale Netzwerk auf diese Art zu nutzen, war für sie auch neu und trug ihr skeptische Kommentare ein, wie man so leichtsinnig sein kann. "Aber ich war vor allem überwältigt, wie viel Resonanz es gab und wie viele helfen wollten", sagt sie.

Schlüssel und Papiere an wildfremde Menschen

Das Hilfsangebot, das die Dietrichs dann angenommen haben, kam von einer Tschechin namens Gabi aus der Nähe von Czeska Lipa. Sie bot an, mit ihrer Freundin Katka das Auto zu holen. "Ich hatte bei den beiden gleich ein gutes Bauchgefühl", sagt Frau Dietrich. Am vergangenen Mittwoch fuhren die Zittauer dann zur Grenze nach Jonsdorf, übergaben den Frauen Autoschlüssel, Papiere und das Parkticket vom Prager Flughafen. "Dort hatte ich vorher alles abgesprochen, damit es keine Missverständnisse gibt", erklärt die Zittauerin, die sich mehr Sorgen darum gemacht hat, dass die beiden jungen Frauen unterwegs irgendwie Ärger kriegen könnten.

"Nach der Arbeit sind Gabi und Katka mit dem Bus nach Prag gefahren und dort mit der Metro zum Flughafen", schildert Frau Dietrich die Rückholaktion. Sie weiß das so genau, weil ihr die beiden Frauen von unterwegs mehrfach Fotos per Facebook geschickt haben. Auch am Flughafen lief dann alles glatt und schon waren die Frauen im Auto mit dem deutschen Kennzeichen unterwegs: "Das war so ein bisschen wie ein schwarzes Schaf unter all den tschechischen Wagen", vergleicht Heike Dietrich mit Augenzwinkern.

Grenzer spontan Handy in die Hand gedrückt

Doch dann gab es am Donnerstagabend noch einmal einen kribbeligen Moment: Gabi war aus Versehen nach Seifhennersdorf gefahren, die Dietrichs warteten aber in Neugersdorf. "Wie sollten wir ihr jetzt erklären, wo sie in Tschechien langfahren sollen", erinnert sich Frau Dietrich an den ersten Schreck. Dann hatte sie eine Idee: "Ich habe dem tschechischen Grenzbeamten das Telefon in die Hand gedrückt und dann hat er ihr den Weg gleich auf Tschechisch erklärt", schildert die Zittauerin.

Als ihr Auto mit den beiden Helferinnen eintraf, war es schon dunkel. Da die Grenzbeamten Dietrichs noch von den Tagen zuvor kannten, klappte dann die Übergabe reibungslos. "Wir sind noch immer überwältigt, dass man so völlig uneigennützig und aus Hilfsbereitschaft so etwas auf sich nimmt wie die beiden Frauen", fasst Heike Dietrich zusammen. Dass sich Gabi und Katka generell für ein stärkeres  deutsch-tschechisches Miteinander einsetzen, haben die Zittauer erst nach und nach erfahren. Dennoch sind sie froh, dass sie am Ende mit ihrem Bauchgefühl recht behalten haben: "Wo kommen wir denn hin, wenn wir uns gegenseitig gar nicht mehr trauen?", fragt die Zittauerin.

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Bei den zwei Tschechinnen wollen sich die beiden jedenfalls noch einmal auf ganz persönliche Weise bedanken: "Wir kennen einen netten Platz an einem See zum Grillen, da werden wir sie einladen, wenn wieder alles normal ist", sagt Heike Dietrich. Auch für sie ist trotz erfolgreicher Autoüberführung noch nicht alles normal: "Ich habe mit meinem Arbeitgeber vereinbart, dass ich noch nicht gleich wieder arbeiten komme - aus Sicherheitsgründen", sagt sie.

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