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Narrenhäusel: Heim von Augusts Hofnarr

Joseph Fröhlich hatte am Hof für gute Stimmung zu sorgen. Das war so einträglich, dass er sich ein Haus bauen konnte.

Diese Postkarte zeigt das Narrenhäusel um 1935.
Diese Postkarte zeigt das Narrenhäusel um 1935. © Sammlung Holger Naumann

Für den Wiederaufbau des Narrenhäusels an der Neustädter Seite der Augustusbrücke fallen im neuen Jahr womöglich die Entscheidungen. Ursprünglich wollte der Investor das ehemalige Wohnhaus des Hofnarren Joseph Fröhlich so original wie möglich rekonstruieren. Jetzt liegen drei Entwürfe auf dem Tisch der Stadt. Vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war das Haus zuletzt eine Gaststätte. Das soll es auch wieder werden. Bei den Bauarbeiten an der Augustusbrücke wurden bei Ausgrabungen Reste des Mauerwerks gefunden.

Der legendäre Hofnarr Joseph Fröhlich, dem das Narrenhäusel den Namen verdankt, war gemeinsam mit seinem Kollegen Gottfried „Baron“ Schmiedel für gute Stimmung am Hofe August des Starken zuständig. „Bring mich einmal pro Tag zum Lachen oder zweimal zum Lächeln“, hatte August den Auftrag formuliert. Fröhlich war technisch und wissenschaftlich gebildet, konnte philosophieren und beherrschte Taschenspielertricks. Dessen scharfe Zunge war gefürchtet. Einzig der Generalleutnant Friedrich Wilhelm von Kyaw, der spätere Festungskommandant vom Königstein, soll es vermocht haben, ihm schlagfertig Paroli zu bieten, wird berichtet. Auch wenn die Wortgefechte mit dem Kurfürsten und König bisweilen eskalierten, der Hofnarr genoss dessen Achtung. Er durfte den Monarchen duzen und konnte ihm – rhetorisch geschliffen – die Meinung sagen. Immer wieder kritisierte er die Verschwendung bei Hofe.

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Auch unter Kurfürst Friedrich August II., dem Sohn August des Starken, konnte sich Fröhlich behaupten, bezog ein monatliches Salär von 30 Talern und wurde Königlich-Polnischer Mühlenkommissar, denn Fröhlich war gelernter Müller. 1753 übertrug der Kurfürst ihm und dessen ältesten Sohn eine Mühle samt Gastwirtschaft, Landwirtschaft und Backrecht in Marienmont bei Warschau. Und so konnte er es sich leisten, 1755 auf den Elbwiesen an der Augustusbrücke sein Wohnhaus bauen lassen, sein „Klein-Moritzburg“, wie das Haus wegen der zwei achteckigen Turmbauten an der Elbfront genannt wurde.

Im Volksmund "Brille" genannt

Im Volksmund wurde das Anwesen wohl der eigenwilligen Form wegen auch „Brille“ genannt. Den Boden hatte der Kurfürst geschenkt. Das Baufeld war frei geworden, nachdem ein alter Festungswall abgerissen worden war. Der Legende zufolge soll er damit seinem Nachbarn, dem Bildhauer Balthasar Permoser, zu dem er wohl nicht das beste Verhältnis pflegte, die Altstadt-Aussicht verbaut haben. Lange konnte sich Fröhlich seines neuen Wohnhauses nicht erfreuen. Als 1756 der Siebenjährige Krieg ausbrach, flüchtete er mit der Familie nach Marienmont bei Warschau, wo er am 24. Juni 1757 starb.

Das Narrenhäusel war ursprünglich ein zweigeschossiger Fachwerkbau, der verglichen mit dem Blockhaus an der anderen Seite des Brückenkopfes eher bescheiden wirkte. Dennoch hatte das Haus ein für damalige Verhältnisse modernes, französisches Mansarddach und Zierschornsteine. Die Mittelachse war leicht wie ein Erker ausgeprägt. Der Elbe zu gab es einen kleinen Lustgarten.

Am Anfang des 19. Jahrhunderts wurde das Haus auf vier Stockwerke aufgestockt. Das neue Dach war flacher. Später verfiel das Gebäude. Es soll als Lichtbad und später auch als Milchverkaufsstelle genutzt worden sein. Als die Augustusbrücke bei ihrem Neubau bis 1910 breiter wurde, ragte es in den Fußweg hinein.

"Eine Fülle von Nischen und Erkerchen"

Die Gastronomie zog nach rund einjähriger Bauzeit erst Pfingsten 1937 ein. Der Haupteingang befand sich an der Augustusbrücke. Ein großes schmiedeeisernes Wirtshauszeichen wies auf die neue Gaststätte hin. Über einen kleinen plattenbelegten Vorhof ging es hinein. Im Untergeschoss befanden sich die Weinstuben. Deren Zimmerdecken und auch teilweise die Wände waren mit ungebeiztem Lärchenholz ausgekleidet. Die zwei Rundräume verfügten über je 14 Gästeplätze. Dazwischen war eine etwas größere Bierstube. Während der warmen Jahreszeit war die große Freiterrasse bei Gästen sehr beliebt.

© Sammlung Holger Naumann

Im ersten Obergeschoss – ebenerdig zur Augustusbrücke – befanden sich gemütliche Caféräume. Die Darstellungen an den Zimmerdecken zeigten Szenen des ehemaligen höfischen Lebens in der Residenzstadt. Damit wollten die Bauherren auch an die Entstehung des Hauses anknüpfen. In den stilvoll eingerichteten Räumen der zweiten Etage schmückten Gemälde mit alten Dresden-Motiven die Wände. In der dritten Etage gab es einen kleinen Festsaal für größere Gesellschaften, gelegentlich kleinere Hauskonzerte und Tanzveranstaltungen. 

„Das ganze Haus hat eine Fülle von Nischen und Erkerchen, die nicht nur wie geschaffen sind zu besinnlichem Gespräch, sondern die auch zahlreich fesselnde Blicke zur Brühlschen Terrasse, zur Akademie, zum Schloss und auf das Leben und Treiben auf der Brücke gestatten“, hieß es damals in Berichten. Der Schriftsteller Kurt Findeisen schrieb Geschichten von den Stammtischrunden sowie der lachfreudigen Wirtin, einer Leipzigerin.

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Die Ruine des Hauses wurde 1950 abgebrochen. Später befand sich an der Stelle bis an die 1990er-Jahre ein provisorischer Flachbau, eine Gaststätte Namens „Narrenhäusel“. Eine Bronzeplastik von Heinrich Apel erinnert an den Hofnarren.

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