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Nationalpark verschärft Schutz brütender Vögel

Besucher haben wiederholt in der Böhmischen Schweiz Falken beim Brüten gestört.  Das soll künftig hart bestraft werden.

Horstschutzzonen wie hier im Nationalpark Sächsische Schweiz werden auch in Böhmen eingerichtet.
Horstschutzzonen wie hier im Nationalpark Sächsische Schweiz werden auch in Böhmen eingerichtet. © Mike Jäger

Besucher im Nationalpark Böhmische Schweiz müssen sich im kommenden Jahr auf mehr Kontrollen gefasst machen. Zumindest jene, die sich auf unerlaubten Pfaden in der Nähe von Brutstätten streng geschützter Vögel befinden. Jedes Jahr von März bis Juni markiert der Nationalpark Zonen, zu denen der Zutritt verboten ist.

Die dort ansässigen Wanderfalken sollen in Ruhe brüten und ihre Jungen großziehen können. Für die Nistplätze von Schwarzstorch und Uhu gilt die Schonfrist sogar bis Ende Juli. Doch vor allem bei den Wanderfalken, die erst nach 1990 wieder in der Region angesiedelt werden konnten, verhilft die Sperrung der Gebiete nicht zum gewünschten Bruterfolg. Die Zahlen sind in den letzten Jahren sogar wieder rückläufig. In diesem Jahr wurden auf dem gesamten Gebiet des Nationalparks nur drei Jungtiere gezählt. Und das, obwohl sich mit sieben Brutpaaren so viele wie nie zuvor zusammenfanden. Auch im benachbarten Schutzgebiet „Elbsandsteingebirge“ wurden nur 13 Jungvögel gezählt. In den Jahren zuvor waren es deutlich mehr.

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70 Wanderer im gesperrten Gebiet

„Einen großen Anteil daran, dass die Brutzahlen gesunken sind, haben undisziplinierte Touristen, die das Zutrittsverbot in die gesperrten Gebiete missachten“, sagt Nationalparksprecher Tomáš Salov. In zwei Fällen fanden die Nationalpark-Ranger Spuren einer Raststätte nur wenige Meter von einem Falkennest entfernt. „Die Besucher hatten unter einem Überhang ein Feuer gemacht und übernachtet und damit das Falkenpaar aus seinem Nest vertrieben“, berichtet Salov. In den Tissaer Wänden verwiesen die Ranger sogar mehr als 70 Wanderer aus dem geschützten Gebiet. Bleiben die Falken zu lange weg, erkalten die Eier und sterben ab. Ein auch nur vorübergehend verlassenes Nest kann auch zum Verlust von Jungtieren führen, wenn diese schon geschlüpft sind. Dann droht ein Angriff von Raubtieren wie durch den ebenfalls geschützten Uhu oder den Fuchs.

In Zukunft sollen die Ranger in der Brutzeit rund um die Uhr in der Nähe der Brutstätten auf Streife gehen. Bisher kontrolliert der Nationalpark die Durchsetzung des Brutschutzes nur stichprobenartig. Für mehr Kontrollen fehlt das Personal. Der Nationalpark beschäftigt fünf festangestellte Ranger und 20 freiwillige. In Zukunft sollen auch Beschäftigte aus anderen Bereichen als Ranger eingesetzt werden. Außerdem plant man die Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen.

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Wenn Touristen in den gesperrten Gebieten erwischt werden, drohen empfindliche Strafen. In der Vergangenheit wurden bereits Strafgelder zwischen umgerechnet 40 bis 80 Euro kassiert. Auf die Sperrung machen mehrsprachige Schilder sowie Absperrbänder aufmerksam. Sie betreffen keine markierten Wanderwege.


Informationen zwischendurch aufs Handy: www.szlink.de/whatsapp-regio.

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