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Neue Bürgerinitiative wehrt sich gegen 5G

Es dauert zwar noch Jahre, bis es das superschnelle Netz flächendeckend im Kreis gibt, aber schon regt sich Widerstand.

Auf öffentlichen Gebäuden und Wohnhäusern stehen schon jetzt Hunderte Mobilfunkstationen im Landkreis. Mit 5G werden mehr nötig sein.
Auf öffentlichen Gebäuden und Wohnhäusern stehen schon jetzt Hunderte Mobilfunkstationen im Landkreis. Mit 5G werden mehr nötig sein. © Norbert Millauer

Riesa/Großenhain. Eine jährliche Abschlagszahlung von 1.200 Euro netto für die nächsten 15 Jahre wird einer Grundstückseigentümerin aus Weinböhla versprochen, wenn auf ihrer Wiese ein neuer Mobilfunkmast errichtet werden darf. „Überlegen Sie genau, ob Sie diese Verträge annehmen. Die damit verbundenen Haftungsrisiken und Gesundheitsschäden seien ungeklärt“, warnt eine neue Bürgerinitiative, die den Ausbau des 5G-Netzes in Weinböhla stoppen will – zumindest bis feststeht, dass es nicht gesundheitsschädlich ist.

Etwa zehn Mitglieder gehören zur Initiative. „Wir wollen die Leute zunächst informieren“, erklärt Hanno Liersch. In den Medien würden oft nur die Vorteile aufgezählt. Dazu soll es einen Infostand auf dem Marktplatz geben und Ende Januar eine Vortrags- und Diskussionsrunde im Zentralgasthof. Die Gesundheitsrisiken durch 5G-Sendeanlagen für Mensch und Tier sowie die Auswirkungen auf die Pflanzenwelt seien noch nicht ausreichend erforscht, so Liersch. Da es mehr Antennenstandorte geben wird, könne sich niemand mehr vor der Strahlung schützen. Weinböhla habe zudem keine Hightech-Industrie, die diese Technologie flächendeckend benötigt.

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Die 5G-Technologie soll nicht nur Daten, Audios und Videos übertragen, sondern auch Geräte verbinden. So werden zum Beispiel autonomes Fahren und eine bessere Telemedizin möglich sein.

Mittelfristig werden die Netzbetreiber eher alte 3G-Antennen abbauen, um Platz für die neue Technik zu machen. Die befindet sich häufig auf Aussichtstürmen, öffentlichen Gebäuden wie Rathäusern sowie Wohngebäuden. Es wird mehr Sendeanlagen geben, die näher an die Menschen rücken. Diese haben dafür eine deutlich geringere Reichweite.

Um zu klären, welche Wirkung die Nutzung des Mobilfunks auf den Menschen hat, wird schon seit Jahrzehnten international geforscht. 5G sei nicht gefährlicher als 3G oder 4G, sagt Professor Frank Fitzek, Leiter des Deutsche Telekom Chair of Communication Networks und 5G Lab Germany an der TU Dresden. Nach Einstufung der Weltgesundheitsorganisation ist Handystrahlung zwar „möglicherweise krebserregend“ – ebenso wie Autoabgase und Blei – aber es sei auch nicht nachweisbar. Hinter der Angst vor der angeblichen „Krebsstrahlung“ stecke eigentlich die Angst vor Digitalisierung, so Fitzek.

© SZ Grafik

Wann 5G im Landkreis Meißen ankommt und wie viele neue Funkstandorte dafür konkret nötig sein werden, verraten die Mobilfunkunternehmen nicht. Die Deutsche Telekom hat mit dem Ausbau in Großstädten begonnen. Im kommenden Jahr ist der Ausbau in den Landeshauptstädten geplant. „Der Großteil unserer LTE-Standorte ist bereits heute auf 5G vorbereitet“, sagt Unternehmenssprecher Georg von Wagner. Dennoch sei ein Neubau von Masten auch im Landkreis Meißen geplant.

Telefónica Deutschland baut erstmal LTE weiter aus. In den vergangenen Monaten seien im Landkreis Meißen unter anderem neue Stationen an bereits bestehenden Mobilfunkstandorten in Meißen, Radebeul, Klipphausen und Moritzburg errichtet worden, heißt es aus der Pressestelle. Mit dem 5G-Ausbau beginne man im ersten Quartal 2020. Allerdings nur in Großstädten. 

Vodafone ist da schneller. Sechs 5G-Standorte gibt es bereits in Sachsen. Darunter einen in Burkhardswalde zwischen Nossen und Wilsdruff. Im Landkreis betreibt Vodafone aktuell 90 Mobilfunkstationen, die in den nächsten Jahren weitgehend mit 5G-Technologie ausgestattet werden sollen. Dabei geht es darum, an den vorhandenen Stationen Schritt für Schritt auch 5G-Antennen anzubringen, erklärt Konzernsprecher Volker Petendorf. Vodafone werde auch bei der neuen Mobilfunkgeneration 5G an jedem Ort sicherstellen, dass die Bestimmungen zum Schutz der Bevölkerung vor Gesundheitsgefährdungen jederzeit eingehalten werden.

Die Bürgerinitiative will sich darauf nicht verlassen. Der nächste Schritt: eine Unterschriftensammlung. Damit wollen die Weinböhlaer erreichen, dass Gemeinderat und Bürgermeister den Ausbau stoppen. In anderen Orten, wie Brüssel und Genf, sei das schon passiert.

Das wird nicht gehen, sagt hingegen Bürgermeister Siegfried Zenker (CDU). „Wir entscheiden nicht, ob 5G kommt und können es als Kommune auch nicht verhindern.“ Bei Bauvoranfragen für neue Masten könnte der Gemeinderat diese zwar ablehnen, aber am Ende entscheide das Landratsamt und das würde sich auch nur an Gesetze halten. Und der Netzausbau ist beschlossene Sache, 5G sei wichtig für die Wirtschaft, so Zenker.

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