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Neue Heimat in Bienerts Mühle

In zwei Jahren soll der Komplex an der Weißeritz fertig saniert sein. Dabei drohte dem heutigen Denkmal einst der Abriss.

© Sven Ellger

Von Annechristin Bonß

Dreihundert Jahre Wettiner, einhundert Jahre Bienert, zehn Jahre Stillstand – der markante Mühlenkomplex in Altplauen direkt an der Weißeritz hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Eine, der in den 1990er-Jahren beinahe ihr letztes Kapitel mit dem endgültigen Abriss gedroht hätte. Nach der Wende hatte ein Münchner Investor das Ensemble erworben. Er plante großzügige Neubauten. Die heute denkmalgeschützte Mühle sowie die Industriellen-Villa wären verschwunden. Dazu kam es nicht. Nach der Weißeritzflut 2002 begann die Rettung. Seitdem hat sich viel getan. Bis 2018 sollen die letzten Arbeiten erledigt sein. „Dann wird hier nur noch gelebt und gearbeitet“, sagt Carsten Hoffmann, der einzelne Objekte der Mühle verwaltet und die Stiftung Hofmühle betreut.

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Leben in der Mühle:Räume für Bistro und Mini-Kita

Viele der Mieter treffen sich mittags im Bistro des Bioladens. Seit 2012 nutzt das Geschäft die Räume im Erdgeschoss. Der einzige Bioladen Plauens ist beliebt im Stadtteil, das Mittagsangebot wird gut angenommen. Viele der Mitarbeiter der ansässigen Betriebe freuen sich darüber. Gäste können auch in Bienert‘s Laden kommen. Der Gastraum wurde im ehemaligen Werksverkauf der Mühle direkt an der Weißeritz eingerichtet und kann für Feierlichkeiten gemietet werden. Nur ein Stockwerk darüber geht es lebhaft zu. Hier betreut eine Tagesmutti bis zu vier Kinder. Das ansässige Unternehmen Gevekom hat damit eine betriebsnahe Kindertagespflegestelle eingerichtet. Nicht nur Mitarbeiter können hier den Nachwuchs betreuen lassen.

Lernen in der Mühle: Museum für Freunde der Geschichte

Im Eingangsgebäude zum Hof hat heute das Museum Hofmühle geöffnet. Hier können sich interessierte Besucher über die wechselvolle Geschichte informieren. Ab 1568 waren die Wettiner am Standort. Sie machten aus der Mühle die Hofmühle. 1872 übernahm der Dresdner Geschäftsmann Gottlieb Traugott Bienert die Mühle und baute sie weiter aus. 1972 wurde der Familienbetrieb enteignet, bis nach der Wende lief der Mühlenbetrieb weiter, allerdings unter staatlicher Führung. Vor zehn Jahren eröffnete das Museum. Dort sind drei Dauerausstellungen zu sehen: eine über die Geschichte Bienerts, eine über die berühmte Dresdner Tanzlehrerin Gret Palucca,die 1924 den Enkel des Firmengründers heiratete, und eine über historische Schokoladenformen von Anton Reiche. Bis zu 1 200 Besucher kommen pro Jahr. Sie erleben in dem Museum auch ein Baudenkmal, das in seiner Konstruktion im Original erhalten und saniert wurde. Die Mühlentechnik stammt aus dem Jahr 1903.

Wohnen in der Mühle: Platz für Familien und Studenten

Knapp 60 Wohnungen sind am Standort entstanden. Ursprünglich war geplant, nur die Gebäudeteile mit Fenstern zur Weißeritz fürs Wohnen zu sanieren. Die ersten neuen Bewohner zogen in das alte Maschinenhaus ein. Dann wurden die angrenzende Neue Weizenmühle und das Heizhaus ausgebaut. Derzeit saniert die Firma Palasax die historische Bienertvilla an der Südseite des Ensembles. Zudem sollen nun im Werkstatthaus zum Hof hin zwei Etagen zu Wohnungen werden. Carsten Hoffmann saniert diese in Eigenregie. Käufer können sich noch melden. 2017 könnten sie einziehen. Das sind nicht die einzigen großzügigen Lofts mit dem Charme aus alten Industrietagen. Wo früher gearbeitet wurde, wird jetzt gewohnt. Hier könnten auch Wohnateliers entstehen. Die Bienertvilla wird ebenfalls aufwendig saniert. In dem denkmalgeschützten Haus entstehen zehn Wohnungen. Einen Termin für die Fertigstellung gibt es noch nicht.

Arbeiten in der Mühle: Büros für die Kreativwirtschaft

Büros, Ateliers und Gewerberäume sind an mehreren Stellen der Mühle entstanden. Bienerts Bürohaus an der Straße Altplauen, der alte Hofspeicher, die Roggenmühle und das Mühlenmagazin geben bis zu 25 Unternehmern eine neue Adresse. Carsten Hoffmann verwaltet den größten Standort. Freie Flächen kann er nicht bieten. Bei ihm haben sich Dienstleister, Architekten, das Kreativgewerbe, aber auch eine Modellwerkstatt, eine Tanzschule und ein Yogastudio eingemietet.

Mehr unter www.bienertmuehle.com