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Neue Ideen für altes E-Werk

Über die wird derzeit mit dem Energieversorger Enso diskutiert. Bis zum Ferienende soll die Industriebrache verschwunden sein.

© Matthias Schumann

Reiner Hanke

Pulsnitz. Die Abrissbagger zerlegen in Pulsnitz gerade ein Stück Industriegeschichte. Markant ragte das frühere Elektrizitätswerk zwischen Schiller- und Siegesbergstraße gen Himmel. Ein grauer Block, 22 Meter hoch. Die Höhe sei auch die besondere Herausforderung gewesen, lässt ein Mitarbeiter der Enso auf der Baustelle wissen. Mit einem normalen Bagger war das nicht zu schaffen. Dafür musste Spezialgerät ran. Seit Ferienbeginn ist schon ein großer Teil des Gebäudes verschwunden. Schutt und Betonteile türmen sich davor. Einige Stahlträger ragen derzeit wie ein Gerippe in den Himmel und lassen die einstige Höhe noch erahnen.

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Mitarbeiter der Firmen Frauenrath und Ebersbacher sortieren Schrott aus dem Abbruchmaterial.
Mitarbeiter der Firmen Frauenrath und Ebersbacher sortieren Schrott aus dem Abbruchmaterial. © Kristin Richter

Eigentümer des Objekts ist der Energieversorger Enso. Er investiert rund eine halbe Million Euro in den Abriss. Den teilte die Enso in zwei Abschnitte ein. Bereits im Vorjahr, in den Sommerferien, wurde auf dem 10 000-Quadratmeter-Gelände mit dem Abriss begonnen. Enso-Sprecherin Birgit Freund erklärt: „Da wir nur das Zeitfenster der Schulferien zur Verfügung hatten, wird das letzte große Gebäude jetzt abgerissen. Die Arbeiten sollen wiederum bis Ferienende abgeschlossen sein.“ Das hat gute Gründe. Nur einen Steinwurf entfernt befindet sich der Komplex mit Grund- und Oberschule. Dort sollen die Kinder mit dem Schulstart wieder konzentriert und ohne von Baulärm gestört zu werden, lernen können. Dann werden zwei alte Maschinenhäuser, zwei Kesselhäuser, das alte Trafohaus, der Lagerschuppen und der frühere Kohlebunker Geschichte sein.

Zulässige Nutzung gefragt

Das leerstehende Wohngebäude auf dem Gelände, an der Schillerstraße, bleibe aber erhalten, heißt es. An dem Vorsatz halte die Enso fest. Als Sanierer wolle die Enso nicht auftreten. Sie wolle das Gebäude in dem jetzigen Zustand verkaufen. Ob es dann auch wieder als Wohnhaus genutzt werde, sei offen. Das hänge einerseits vom Käufer ab. Außerdem müsse die Art der Nutzung an dem Standort auch zulässig sein. Für die Stadt geht es um ein Gelände in guter zentraler Lage. Thematisiert wurde das Terrain deshalb immer mal wieder im Stadtrat oder im Technischen Ausschuss. Wohnbebauung würde dort gut passen, war zu erfahren. Vielleicht ein Spielplatz dazu und Grünanlagen, so ein paar Gedankenspiele. Die gingen auch mal Richtung Schulhort. Gewerbe höchstens in engen Grenzen. Auch über einen Bebauungsplan wurde nach den SZ-Informationen schon nachgedacht, um die Entwicklung steuern zu können. Gestern hielt sich die Stadt bei einer Anfrage im Büro des Bürgermeisters ziemlich bedeckt zum Stand der Dinge. Man sei mit der Enso im Gespräch zur Entwicklung des Geländes. Birgit Freund schrieb ihrerseits wenig konkret: „An einer Vermarktungsstrategie wird in Abstimmung mit der Stadt gearbeitet.“ Diese Aussage ist auch nicht ganz neu.

Historische Energie-Technik war laut Enso schon lange keine mehr in dem Gebäude. Ein paar Kranbahnen waren noch zu sehen. Der Stahl wird nun verschrottet. Als wären es Strohhalme, zerknipsen die Bauleute mit der Baggertechnik den Stahl und zerkleinern auch den Stahlbeton. Vorsichtig legt der Baggerfahrer einen mächtigen Träger ab. Ein Mitarbeiter zerlegt ihn dann mit dem Schweißbrenner. Oben auf einem Abraumberg liegt ein mächtiger schwarzer Tank, ein Ausgleichstank, der noch an die Energieproduktion erinnere, so die Erklärung. Metall, Abraum, Holz, Sondermüll trennen die Bauleute feinsäuberlich. Das Umweltamt überwache den Abriss genau.

Historisches Schild entdeckt

Bis zum Ferienende wird nichts mehr von dem E-Werk bleiben. Aber das stimmt nicht ganz. Museumsfreunde haben immerhin eine Fotodokumentation erstellt, damit dieses Stück Industriegeschichte nicht ganz in Vergessenheit gerät. Auf genau 203 Fotos hielten sie die Industriebrache detailliert von außen und innen fest: Fotografierten die großen Sicherungskästen, Rudimente der Krananlagen, stählerne Treppenaufgänge, aber auch Müll, der sich gesammelt hatte. Zutage kam auch ein historisches Schild, berichtet Stadt-Museums-Chefin Sabine Schubert: Es erinnert daran, dass Pulsnitz mit dem E-Werk auch das erste elektrische Licht erhielt. Und immerhin war es das einzige Kohlestaubkraftwerk der DDR.

Erbaut wurde es 1898, um von Pulsnitz aus die Stadt und das Umland mit Strom zu versorgen. In den Jahren danach wurde das Objekt noch als Lager genutzt. Zuletzt hatten noch die Pulsnitzer Kulissenbauer für das Nikolausfest hier ihre Werkstatt. Sie sind auch inzwischen umgezogen und haben den Baggern Platz gemacht.