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So wird aus dem Riesenaschenbecher eine Attraktion

Die vier Schöpfstellen sind bisher keine Zierde für den Dippser Markt. Nun soll es ein Künstler richten.

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Von Franz Herz

Die Geschichte der Schöpfstellen auf dem Dippser Markt zieht sich seit vielen Jahren hin. Beim Neubau des Marktplatzes sollte der mit vier Brunnen verziert werden, die an die Wasserschöpfstellen aus alten Zeiten erinnern. Seitdem ist das eine ewige Geschichte mit drei Teilen.

Die Vorgeschichte: Für Schmuck gab es kein Geld

Die Planung für den Marktplatz geschah unter Zeitdruck. Vor allem war bei den Förderbedingungen damals kein Geld vorgesehen für Schmuck oder Kunst. Das erläuterte Bernd Kohl, der Abteilungsleiter Bau in der Stadtverwaltung, dem Dippoldiswalder Ortschaftsrat am Mittwoch. Daher sind damals auch keine Bäume aufgestellt worden und die Brunnen so nackig geworden. Die wuchtigen Betonzylinder, die damals errichtet wurden, sind in Dippoldiswalde nie auf Gegenliebe gestoßen. Seit Jahren gibt es Überlegungen, sie anders zu gestalten.

Der Lösungsvorschlag: Bronzefiguren sollen die Wucht brechen

Nun haben Kohl und der Bildhauer Friedemann Döhner aus Kleinopitz einen Vorschlag gemacht, die Schöpfstellen gefälliger zu machen. Friedemann Döhner hat den Schlangenstein gestaltet, der seit vergangenem Jahr auf dem Kirchplatz steht. Seitdem steht er in Kontakt zur Stadtverwaltung.

Erste Überlegungen und Skizzen hat Döhner dem Ortschaftsrat vorgestellt. Die Situation ist schwierig. „Was willst du denn da machen?“, haben Kollegen ihn schon gefragt. Nun will der Künstler Bronzefiguren gestalten, welche die Brunnen verzieren. Diese würden die Aufmerksamkeit von den Betonschalen weglenken und deren Wucht brechen. Döhner stellt sich Figuren vor, die verschiedene Szenen darstellen. Die Vorbilder können aus der Geschichte kommen oder das heutige Leben widerspiegeln. Damit will er gerne auf die umgebenden Häuser reagieren. Vor dem ehemaligen Bergamt auf der Westseite des Marktes könnte beispielsweise ein Steigerbrunnen gestaltet werden mit bergmännischen Figuren. An der Sparkasse könnte ein Markgraf stehen, der auch mit Steuereinnahmen und Geld zu tun hatte. Döhner sagte aber vorsichtig: „Das sind erste Ideen und Überlegungen.“

Vorbild dafür ist der Schuhbrunnen, der auch eine Idee der Umgebung umsetzte. Döhner will die Figuren aus Bronze gießen. Dann wären sie ebenso stabil und auch vor Vandalismus geschützt wie der Schuhbrunnen, wo auch noch nie etwas weggekommen ist.

Die Umsetzung: Die Hälfte der Kosten müssten Private tragen

Kohl, der Bauverantwortliche, hat sich auch schon Gedanken um die Finanzierung gemacht. Seinerzeit, als der Markt gebaut wurde, war es nicht möglich, Kunst aus Geldern der Stadtsanierung zu bezahlen. Doch jetzt gibt es einen Weg dazu, sogenannte Verfügungsfonds. Das ist eine Mischfinanzierung. Dafür müssen Privatleute die Hälfte der Kosten tragen, die andere Hälfte wird dann von Stadt, Land und Bund beigesteuert, erklärt Kohl. Für die Verwaltung eines solchen Fonds müsste die Stadt eine Lenkungsgruppe einrichten, an der sich auch Anwohner und andere Bürger beteiligen können. So könnte Dippoldiswalde Schritt für Schritt die Brunnenfiguren finanzieren. Ortsvorsteher René Schlechter (CDU) schlug schließlich vor, die Lenkungsgruppe für den Verfügungsfonds möglichst schnell ins Leben zu rufen.

Damit es den Verantwortlichen leichter fällt, sich die neue Brunnengestaltung vorzustellen, will der Bildhauer jetzt ein Modell aus Wachs bauen, das im Rathaus aufgestellt werden soll und über das auch der Stadtrat befinden kann. Auch das könnte einen Beitrag zur Finanzierung leisten. Denn aus den Wachsmodellen ließen sich kleine Abgüsse der Figuren anfertigen, die auch verkauft werden können. Vielleicht werden die Figuren sogar eine Attraktion für Dippoldiswalde, hofft Döhner.