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Neue Pläne für den „Kirchplatz“ in Görlitz

Stadt und Händler sind sich einig: Autos werden vom Postplatz verbannt. Doch der Durchgangsverkehr stört weiter.

Von Ralph Schermann

Die künftige Verkehrsführung am Postplatz Görlitz steht fest. Nach mehreren Gesprächsrunden einigte sich eine Arbeitsgruppe aus Verwaltung, Stadtrat, IHK, Händlern, Polizei, Gericht, Stadtwerken, Sparkasse, der IG Verkehr sowie der Vereinigung Haus und Grund auf die auch vom Dresdner Ingenieurbüro Ivas vorgeschlagene Vorzugsvariante. „Die Mehrheit entschied sich dafür, weil alle Seiten damit gut leben können“, sagte der Leiter des Stadtplanungs- und Bauordnungsamtes, Hartmut Wilke, auf einer Informationsveranstaltung des Aktionskreises für Görlitz.

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Noch fahren Autos diagonal über den Platz zwischen Frauenkirche und Post. Künftig wird man das von Planern „Kirchplatz“ genannte Areal umrunden müssen, wie es der Pfeil schon einmal andeutet. Das freie Geviert steht dann für Veranstaltungen zur Verfügung.
Noch fahren Autos diagonal über den Platz zwischen Frauenkirche und Post. Künftig wird man das von Planern „Kirchplatz“ genannte Areal umrunden müssen, wie es der Pfeil schon einmal andeutet. Das freie Geviert steht dann für Veranstaltungen zur Verfügung. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Damit soll nach den bereits laufenden Arbeiten der Brunnen- und Fußweggestaltung künftig das Umfahren des Platzes mit der Muschelminna nur noch für Anwohner- und Lieferverkehr möglich sein. Alle Parkplätze fallen weg. Der Platz vor der Post bleibt wie bisher autofrei. An der Verkehrsführung von der Jakobstraße aus soll sich nichts ändern. Parkplätze wird es nur noch auf dem Teil des Postplatzes südlich des Postgebäudes geben. Alles in allem gäbe es dann am Postplatz statt bisher 71 nur noch 37 Stellflächen. „Die Händler tragen diese Lösung mit, weil sie vor ihren Geschäften dadurch besser nutzbare Freiflächen erwarten“, begründete Wilke.

Geändert werden soll jedoch der Verkehr zwischen Leiser, Frauenkirche, C&A und Post. „Kirchplatz“ nennen die Planer dieses Geviert intern. Künftig dürfen Autos dort nicht mehr im bequemen Bogen fahren, sondern müssen im 90-Grad-Winkel vor der Post abbiegen. „Damit entsteht trotz der dort ohnehin nur selten befahrenen Straßenbahngleise eine größere Platzfläche ohne Verkehr, die für Veranstaltungen nutzbar wäre“, sagte der Stadtplaner.

Für diese Lösung kann sich die IG Verkehr allerdings nicht erwärmen. „Auch durch das rechtwinklige Abbiegen werden es nicht weniger Fahrzeuge“, gab IG-Leiter Manfred Rimbach zu bedenken. Die aus Verkehrsfachleuten besetzte Interessengemeinschaft plädiert weiterhin dafür, über das Nadelöhr vor der Frauenkirche zwar die Zufahrt zum Postplatz und vor allem zum Parkhaus CityCenter zu gewährleisten, will aber jeglichen Durchgangsverkehr weghaben. Auch mehrere Besucher der Veranstaltung sprachen sich dafür aus, den vom Grünen Graben kommenden Fahrzeugverkehr am Kaisertrutz entweder links über Obermarkt, Klosterplatz, Bismarckstraße oder nach rechts über Demianiplatz sowie über Bautzener- oder Krölstraße abzuleiten. Allerdings ist noch nicht untersucht, was für Auswirkungen plötzlich stärkerer Verkehr an anderen Stellen hätte. So oder so fordert Rimbach eine Einschränkung für den „Kirchplatz“, denn: „5 600 Fahrzeuge täglich sind zu viel.“ Diesen Wert hatten im April durchgeführte Verkehrszählungen ergeben – obwohl die Durchfahrt bis auf wenige Ausnahmen nur in einer Richtung freigegeben ist.

Die vorgesehene Verkehrslösung stieß bei den rund 60 Besuchern der Veranstaltung auf Zustimmung. Der Historiker Ernst Kretzschmar wies darauf hin, dass bereits um 1930 erste Verkehrsprobleme an dieser Engstelle im Rathaus diskutiert wurden. Erinnert wurde an eine 2003 durchgeführte Modelluntersuchung, deren Erkenntnis über möglichst weniger Autos am Postplatz die IG Verkehr bis heute vehement unterstützt. Selbst die jüngste Verkehrszählung zwingt eigentlich dazu, mehr für die Fußgänger in diesem Abschnitt zu tun. „An einem Tag waren 9 000 Passanten zwischen Berliner Straße und Frauenkirche unterwegs – so viel hatten wir nicht erwartet“, bestätigte Hartmut Wilke.

Auch deshalb hatte das Fachgremium Handel der IHK zusammen mit dem städtischen Planungsamt einst schon den Plaza-Gedanken vorgestellt: Der Postplatz soll mehr zum Flanieren und Verweilen einladen. Dem entspricht nun die stark eingeschränkte Verkehrsführung um den Muschelminna-Platz. Noch sind die Maße der Gehwegerweiterungen offen, auch stehen die endgültigen Beläge noch nicht fest. Fakt aber ist, dass Händler und Gastronomen auf diesem zentralen Gründerzeitplatz künftig viele neue Freiflächen nutzen können.

Dass für die Autos im Gegenzug Tiefgaragen unter Wilhelms- oder Marienplatz geplant werden sollten, war dagegen bei den Besuchern des Aktionskreises kaum ein Thema. Die meisten sahen das wohl ebenso wie Stadtplaner Wilke, der solche Projekte als zu teuer einschätzt. Und auch für Manfred Rimbach dürften solche Bauten keine Ideallösung sein, ziehen sie doch erst recht den Verkehr ins Zentrum.

Die verkehrliche Umgestaltung des Postplatzes kommt jetzt in die Ausschüsse und den Stadtrat. Ein Baubeginn ist noch offen, dürfte aber wegen der zeitlich begrenzten Verfügbarkeit von Fördermitteln noch im Jahr 2014 zu erwarten sein.